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24.09.2013

01:08 Uhr

Umbruch bei den Grünen

Claudia Roth hat schon neuen Job im Blick

Nach der Wahlniederlage der Grünen hat Parteichefin Claudia Roth offenbar die Konsequenzen gezogen: Im Herbst wolle sie ihr Amt abgeben, sagte sie Vertrauten. Ganz auf Politik verzichten will die 58-Jährige aber nicht.

Claudia Roth möchte gerne Bundestagsvizepräsidentin werden. dpa

Claudia Roth möchte gerne Bundestagsvizepräsidentin werden.

BerlinDie langjährige Grünen-Chefin Claudia Roth zieht sich von der Parteispitze zurück. Sie wolle sich beim Parteitag im Herbst nicht mehr zur Wahl stellen, kündigte Roth bei einem internen Treffen grüner Bundestagsabgeordneter vom linken Parteiflügel an.

Wie Teilnehmer berichteten, erhielt Roth bei dem Treffen viel Respekt für ihre Arbeit und den angekündigten Schritt. Sie werde bei der Neuwahl im Herbst Platz für Erneuerung machen. Bereits im Vorfeld hatte es in der Partei geheißen, Roth werde sich womöglich von der Spitze zurückziehen. Als eine mögliche Nachfolgerin gilt in der Partei die ehemalige saarländische Umweltministerin Simone Peter.

Auf einem Bundesparteitag im Herbst sollen nach der Wahlniederlage vom Sonntag Bundesvorstand und Parteirat neu gewählt werden. Dass der Vorstand vorzeitig seine Ämter zur Verfügung stellen solle, hatte Roth am Morgen nach Absprache mit Co-Parteichef Cem Özdemir selbst in interner Sitzung vorgeschlagen. Roth kündigte nun an, sich um das Amt der Bundestags-Vizepräsidentin bewerben zu wollen.

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Özdemir hatte durchblicken lassen, sich erneut als Parteichef bewerben zu wollen. Unklar ist die Zusammensetzung der künftigen Fraktionsspitze, die heute Jürgen Trittin und Renate Künast bilden. Trittin hat trotz der Wahlniederlage und seiner Rolle als Spitzenkandidat bisher nicht den Eindruck erweckt, dass er persönliche Konsequenzen ziehen wolle.

Roth hatte im vergangenen Herbst eine der schwersten Niederlagen ihrer Karriere einstecken müssen - bei der Urwahl des Grünen-Spitzenduos erhielt die 58-jährige nur 26 Prozent und dachte danach an Rücktritt. Doch dann wurde sie von der Partei gedrängt, weiterzumachen - und erhielt auf einem Parteitag in Hannover 88,5 Prozent nach 79,3 Prozent zwei Jahre zuvor.

Roth ist emotional, aber auch kühl kalkulierend. Sie ist beim Fußball, auf Demonstrationen, in Flüchtlingslagern unterwegs und gewinnt in direktem Kontakt mit Menschen viel Zuspruch. Wie kaum eine andere Politikerin polarisiert die langjährige Grünen-Chefin aber auch. Öffentlich zeigt sie Gefühl, auch Umarmungen. Zu ihren politischen Hauptthemen zählen Demokratie, Menschenrechte, Flüchtlinge.

Schon 2001 wurde Roth an die Parteispitze gewählt. Wegen der damals geltenden Unvereinbarkeit von Amt und Mandat verlor sie das Amt Ende 2002. Zwei Jahre später rückte sie wieder an die Spitze.

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Von

dpa

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

24.09.2013, 03:12 Uhr

Es ist klar, daß die grünen Berufsfunktionärs-Veterane, der Bilderberger-Enteignungsspezialist Trittin und der US-Protege Özdemir wegen so einer Kleinigkeit, wie einer u.a. durch durch sie verbockten Wahl, nicht ihre Karrierepläne ändern wollen. Ist auch völlig unnötig, wo man doch seine Kontakte gut geknüpft hat und durch hohe, ausländische Kreise gefördert wird.

Folgendes Interview ist hierzu aufschlußreich:

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/alt-linke-jutta-ditfurth-gruenen-waehler-wollen-getaeuscht-werden-a-745943.html

http://www.kybeline.com/2011/02/20/ex-grune-werfen-heutigen-grunen-verrat-vor/

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen über die Grünen, dass sie von einer pazifistischen zu einer Kriegspartei geworden sind. Dem Bundesvorsitzenden Cem Özdemir werfen Sie gar vor, er laufe "an der Leine der USA".

Ditfurth: Özdemir war 2002 nach der Bonusmeilen-Affäre und dem Skandal um einen Privatkredit, den er von dem PR-Berater Hunzinger bekommen hatte, eine Zeitlang aus der deutschen Öffentlichkeit verschwunden. Er war in den USA, gefördert vom German Marshall Fund, und hat eine Art Zusatzausbildung gemacht. Danach folgte der steile politische Aufstieg - und plötzlich sitzt er in allen möglichen Gremien, die immer etwas damit zu tun haben, wie sich Europa und Deutschland zu den USA verhalten. Im Oktober 2010 veröffentlichte Wikileaks rund 400.000 Geheimdokumente zum Irak-Krieg. Das fand Cem Özdemir ethisch bedenklich. Aber die Grünen waren mal für Transparenz!

SPIEGEL ONLINE: Klingt nach Verschwörungstheorie.
Ditfurth: Ich habe die Einflussnahme der US-Regierung auf hiesige Politiker ja selbst erlebt: Als ich Bundesvorsitzende der Grünen war, wollte das US State Department Kontakt zu mir aufnehmen. Ich sagte: kein Interesse. Bei meiner Vortragsreise 1987 durch die USA haben sie es trotzdem versucht. In der Georgetown University in Washington stand ich plötzlich vor einem geladenen Publikum - darunter jede Menge Uniformträger und CIA-Mitarbeiter.

Izmirschlecht

24.09.2013, 07:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

VICTOR_KRUGER

24.09.2013, 07:13 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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