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15.02.2017

09:34 Uhr

Umfrage

Aufwärtstrend für SPD vorerst gestoppt

Einem neuen Wahltrend zufolge verharrt die SPD nun knapp hinter der Union aus CDU und CSU. Ein Grundvertrauen hat SPD-Mann Schulz zwar sicher, nun müsse aber ein überzeugendes Programm her. Grüne und AfD verlieren.

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz, Fraktionschef Thomas Oppermann und Außenminister Sigmar Gabriel müssen nun überzeugen. dpa

SPD im Trend

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz, Fraktionschef Thomas Oppermann und Außenminister Sigmar Gabriel müssen nun überzeugen.

BerlinDer Höhenflug der SPD nach der Nominierung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten ist einer Umfrage vorerst vorbei. In dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend des Meinungsforschungsinstituts Forsa für „stern“ und RTL verharrt die SPD bei 31 Prozent. CDU und CSU bleiben stärkste Kraft mit 34 Prozent. Schulz müsse nun ein überzeugendes Programm präsentieren, um Bundeskanzlerin Angela Merkel ablösen zu können, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Allein als Strahlemann werde Schulz die Wahl nicht gewinnen. Es brauche nun eine SPD, der mehr zugetraut wird als bisher.

Im direkten Duell konnte Merkel wieder einen Punkt an Schulz vorbeiziehen und kommt auf 38 Prozent. Schulz hat weiter einen Zuspruch von 37 Prozent. Mehr politische Kompetenz bei der Lösung der anstehenden Probleme Deutschlands sehen die Befragten weiter bei der Union (30 Prozent). Allerdings legte die SPD (14 Prozent) in der Frage einen Punkt zu

Dafür steht SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz

Präsenz

Schulz verdankt seinen Aufstieg in Brüssel Eigenschaften, die ihm Freunde und Gegner gleichermaßen zuschreiben: Ehrgeiz, Arbeitseifer, klare Sprache, Machtbewusstsein. Vor allem als EU-Parlamentspräsident und als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl 2014 schärfte er nicht nur sein eigenes Profil, sondern gab Europa eine starke Stimme. Der Christsoziale Manfred Weber würdigte Schulz zum Abschied aus Brüssel als kraftvollen und durchsetzungsstarken Europäer.

Klare Botschaften

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat gilt als Politiker, der Streit nicht aus dem Weg geht. Zuletzt übte er zum Beispiel heftige Kritik am EU-Mitgliedsland Ungarn und dessen Referendum zur Flüchtlingspolitik. Wachsenden Nationalismus und Rechtspopulismus verurteilte er scharf und verlangte Einsatz für das europäische Gesellschaftsmodell gegen die „Feinde der Freiheit“. Seine eigene Partei mahnt er, normalen Menschen zuzuhören und auf ihre Nöte einzugehen. Die Krise der EU trieb ihn um – wobei er gerne die Brüsseler Perspektive einnahm und vor allem den Streit der Mitgliedsstaaten kritisierte.

Anpacken

Obwohl das Amt als EU-Parlamentspräsident eher zeremoniell angelegt ist, präsentierte sich Schulz als Macher. Ein Beispiel: der Handelspakt Ceta mit Kanada. Im Herbst überzeugte er die vom Streit mit der Wallonie völlig entnervte kanadische Ministerin Chrystia Freeland, ihre Abreise zu verschieben und sich noch ein letztes Mal mit ihm zu treffen. Fernsehkameras standen bereit, das Überraschungsgespräch im Morgengrauen zu dokumentieren. Letztlich wartete Kanada die europäischen Kapriolen dann geduldig ab, und das Abkommen kam doch noch zustande.

Allianzen

In Brüssel und Straßburg stand Schulz für die informelle große Koalition mit der Europäischen Volkspartei und deren Vorsitzendem Weber. 2014 unterzeichneten beide einen Pakt, der Schulz bei der Wiederwahl zum Parlamentspräsidenten EVP-Stimmen sicherte. Dafür sollte er im Januar 2017 seinen Posten für einen EVP-Kandidaten räumen. Es ging aber nicht nur um Personal: Die beiden größten Fraktionen sahen den Pakt als Mittel, in Europa stabil und effizient Politik zu machen und der EU-Kommission zu Mehrheiten zu verhelfen.

Machtanspruch

Kleinere Parlamentsfraktionen wie die Grünen oder Linken fühlten sich in der Ära Schulz an den Rand gedrängt und ignoriert. Auch wurden Schulz Eigenmächtigkeiten vorgeworfen – sowohl inhaltlich, wenn er für das Parlament sprach, als auch bei der Besetzung von Spitzenposten im Haus. Etliche Abgeordnete zeigen sich nun erleichtert, dass neue Zeiten anbrechen.

Bei den anderen Parteien verlieren die Grünen einen Punkt und liegen mit sieben Prozent auf einem so niedrigen Niveau wie zuletzt im November 2008. Die AfD büßt ebenfalls einen Punkt ein und fällt mit neun Prozent wieder in den einstelligen Bereich. Die FDP verharrt bei fünf Prozent und die Linke bei acht Prozent. Die sonstigen Parteien legen um zwei Punkte auf zusammen sechs Prozent zu.

Für den stern-RTL-Wahltrend befragte Forsa dem Vorabbericht zufolge 2502 Bundesbürger vom 5. bis 10. Februar.

Kommentare (1)

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Herr Vinci Queri

15.02.2017, 09:55 Uhr

>> Aufwärtstrend für SPD vorerst gestoppt >>

Man hat wohl angefangen, bei diesen Umfragen AUCH NICHT SPD-MITGLIEDER einzubeziehen.......:-) :-)

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