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16.01.2007

07:36 Uhr

Umfrage

Bayern lassen Stoiber fallen

Der schwer angeschlagene CSU-Chef Edmund Stoiber hat erstmals angedeutet, möglicherweise auf eine erneute Spitzenkandidatur bei der Landtagswahl 2008 zu verzichten. Den Wählern in Bayern käme er damit entgegen. Denn diese haben schon längst mit ihrem Ministerpräsidenten abgeschlossen.

Edmund Stoiber kämpft um seine Macht. Quelle: Reuters

Edmund Stoiber kämpft um seine Macht. Quelle: Reuters

HB/ms/pep/sig/jf MÜNCHEN. Nach einer Infratest-dimap-Blitzumfrage der ARD-„Tagesthemen“ vom Montagabend befürworten nur noch 29 Prozent der Bayern eine erneute Kandidatur Stoibers bei der Landtagswahl 2008. Rund 64 Prozent lehnen dies ab. Auch bei den CSU-Anhängern hat Stoiber den Rückhalt verloren; hier sprechen sich nur noch 49 Prozent für ihn aus. 85 Prozent aller Befragten beklagen zudem, der Ministerpräsident klebe an der Macht. Gefragt wurden 1 000 Wahlberechtigte im Freistaat.

Als Stoibers schwerwiegendste Fehlentscheidung nennen die Befragten Stoibers Umgang mit der parteiinternen Kritikerin Gabriele Pauli: 68 Prozent der Befragten sagen, das Verhalten des Ministerpräsidenten gegenüber der Fürther CSU-Landrätin sei falsch, nur 17 Prozent halten es für richtig.

Für Stoibers mögliche Nachfolge wird Bayerns Innenminister Günther Beckstein von 47 Prozent favorisiert, vor Bundesverbraucherminister Horst Seehofer mit 24 Prozent. In der Sonntagsfrage zum Wahlverhalten in Bayern fiel die CSU seit Anfang Januar auf nunmehr 50 Prozent, was einem Minus von 4 Punkten entspricht. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa war in der vergangenen Woche zu ähnlich drastischen Ergebnissen gekommen.

Stoiber schließt Rückzug nicht aus

Auch an Stoiber sind die neuesten Umfragen und Stimmungen offenbar nicht spurlos vorbeigegangen. Bei einem Treffen mit dem erweiterten Fraktionsvorstand in Wildbad Kreuth sagte der bayerische Ministerpräsident am Montagabend, er wolle wieder bei der Landtagswahl antreten, müsse aber nicht.

Angesichts der sinkenden Umfragewerte für Stoiber und mittlerweile auch für die CSU gibt es in der Partei starke Strömungen, die sich für einen Führungswechsel aussprechen. Am Montagvormittag war Stoiber in der Münchener Staatskanzlei mit Fraktionschef Joachim Herrmann und Landtagspräsident Alois Glück zusammengekommen. Die unerwartet kurzen Gespräche hatten aber offenbar nicht zu einer Annäherung geführt. Am Nachmittag traf Stoiber dann mit dem erweiterten Fraktionsvorstand zusammen. Jeder Zweite, der in der Debatte das Wort ergriff, habe für einen schnellen Rückzug Stoibers vom Amt des Ministerpräsidenten plädiert, erfuhr das Handelsblatt von Teilnehmern. Nur jeder Vierte sei für Stoibers Verbleib im Amt gewesen. Stoiber habe bei dem Treffen dafür geworben, die Frage der Spitzenkandidatur auf einem vorgezogenen Parteitag im September zu entscheiden.

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