Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2014

15:00 Uhr

Umfrage CDU-Wirtschaftsrat

Unternehmer mögen AfD lieber als SPD

VonDietmar Neuerer

Die Unionsspitze ignoriert die AfD, der CDU-Wirtschaftsrat sieht das anders: Mitglieder des Unternehmerverbands würden eher mit der Anti-Euro-Partei koalieren als mit der SPD. Die Sozialdemokraten sind denkbar unbeliebt.

Der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke: „Trotz der Propaganda der CDU-Führung gelingt es der Partei nicht, die Basis von einer nüchternen und sachlichen Bewertung der politischen Haltung gegenüber der AfD abzubringen.“ dpa

Der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke: „Trotz der Propaganda der CDU-Führung gelingt es der Partei nicht, die Basis von einer nüchternen und sachlichen Bewertung der politischen Haltung gegenüber der AfD abzubringen.“

BerlinEigentlich hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Debatte gleich zu Beginn austreten wollen: Am Tag nach der Europawahl verkündete sie in den CDU-Führungsgremien, dass es weiter keine Zusammenarbeit mit der Euro-kritischen AfD geben werde - auch wenn diese mit sieben Prozent ins Europaparlament einziehen konnte. „Einhellig“ sei die Zustimmung gewesen, sagten mehrere Teilnehmer der Sitzungen danach.

Aber nur Tage später zeigte sich schon, dass mit dem Machtwort die Debatte in der Union keineswegs beendet ist. CDU und CSU ringen weiter um den richtigen Umgang mit den Europakritikern. Der mächtige Wirtschafsrat der CDU befeuert die Debatte jetzt noch zusätzlich – mit einer Umfrage unter seinen Mitgliedern, die überraschend AfD-freundliche Ergebnisse zu Tage fördert.

Auf die Frage, welche Koalition Sie künftig auf Bundesebene bevorzugen würden, wünschen sich in der in Kooperation mit dem Institut dimap im Juni 2014 durchgeführten Ergebung unter 2017 Mitgliedern zwar 42 Prozent der Befragten künftig auf Bundesebene wieder eine Schwarz-Gelbe Koalition. 20 Prozent wären auch Schwarz-Grün nicht abgeneigt. An dritter Stelle steht allerdings schon ein mögliches Bündnis mit der erst vor einem Jahr gegründeten Alternative für Deutschland (AfD): 15 Prozent der Mitglieder des Unternehmerverbands können sich demnach eine Koalition aus CDU/CSU und AfD vorstellen. Eine Fortsetzung der Großen Koalition befürworten dagegen nur 8 Prozent.

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Die Sympathie der CDU-Wirtschaftsleute für die AfD mit ihrem Vorsitzenden, dem Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke, dürfte wohl auch mit der wirtschaftspolitischen Kompetenz der Partei zu tun haben. Der frühere Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, ist ebenfalls AfD-Mitglied, genauso wie der umtriebige Tübinger Ökonom Joachim Starbatty. Lucke, Henkel und Starbatty haben mit vier weiteren AfD-Mitgliedern den Einzug ins EU-Parlament geschafft.

Bei der Bewertung des wirtschaftspolitischen Profils der Parteien sieht der CDU-Wirtschaftsrat denn auch die AfD an dritter Stelle hinter der Union und der FDP. Immerhin 26 Prozent der Befragten beurteilen die eurokritische Partei in dieser Hinsicht mit gut oder sehr gut (CDU/CSU: 60 Prozent; FDP: 55 Prozent). Die SPD landet mit 14 Prozent weit abgeschlagen auf Platz vier, dahinter folgen mit 10 Prozent erst die Grünen.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.07.2014, 15:17 Uhr

Ist mir schon klar, dass diese Merkel-Union ein Problem hat, wenn diese Merkel Union mehr einen sozialistischen Plansystem (DDR) nacheifert und die Marktwirtschaft und die Freiheit von Alternitven in einer Gesellschaft mit den Füssen tritt.
Nur in einer Diktatur gibt es eine Kultur der Gleichmacherei. Die Vielfalt und die Alternativen werden in dieser Merkel Diktatur mit ALLEN MITTELN bekämpft. Nur damit durch diese Merkel Diktatur Schritt für Schritt der Sozialismus/Kommunismus wieder über die Hintertür in Deutschland und Europa einzug halten kann!
Merkel hat die CDU zum sozialistischen und marktfeindlichen Abnickverein umgestaltet. Die marktwirtschaftlichen und freiheitlich-demokratischen Werte werden in der AfD gelebt. Die CDU hat diese Werte durch eine Merkel-Diktatur verraten. Die Rechnung bekommt die CDU jetzt mit der AfD. Es wurde auch höchste Zeit!

Herr Fred Meisenkaiser

02.07.2014, 15:32 Uhr

Das wundert aber doch nicht: Schließlich vertritt die Afd Die Interessen der Unternehmer! Der Hamburger Appell zum Abbau der Arbeitnehmerrechte, die arbeitgebernahe sog. "INSM", alles Dinge, die Lucke im Dienste der Arbeitgeber abgelassen hat. Und Henkel ist nun auch nicht gerade als Freund arbeitender Menschen bekannt!
Für Arbeitnehmer wird die AfD sicher keinen Finger krum machen.

Frau Helga Trauen

02.07.2014, 15:36 Uhr

AfD und Wirtschaftskompetenz? Das sind auch nur Keynesianer! Und rückwärtsgewandtes Gesellschaftsbild? In der Tat: evangelikal und religiös verbrämt, mit einem merkwürdigen Frauenbild - das kommt den 3 K sehr nahe. Wie in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts! Schön an den Händen anfassen und beten und mit Gottvertrauen die richtige Gesinnung! Widerlicher Verein - alter Wein in alten Schläuchen. Das schimmelt schon!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×