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18.08.2012

12:02 Uhr

Umfrage

Deutsche in Sachen Euro gespalten

Die Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone halten an und so sind die Deutschen uneins über den Verbleib in der Euro-Zone. Einer Umfrage zufolge würde sich im Falle einer Volksabstimmung nur die Hälfte dafür aussprechen.

Deutsche uneins, ob sie weiterhin mit Euro zahlen wollen. ap

Deutsche uneins, ob sie weiterhin mit Euro zahlen wollen.

BerlinTrotz andauernder Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone stellt die Mehrheit der Deutschen die Mitgliedschaft in der Währungsunion nicht infrage. Dies geht aus einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor, aus der die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zitiert. 50 Prozent der Deutschen würden demnach im Falle einer Volksabstimmung für einen Verbleib Deutschlands in der Euro-Zone stimmen, nicht einmal jeder Dritte würde sich gegen eine weitere Beteiligung Deutschlands am Euro aussprechen.

Vor allem unter den politisch Interessierten gibt es mit 60 Prozent eine klare Mehrheit, die für eine Zukunft Deutschlands im Euro-Raum plädiert. In der Umfrage hat Allensbach rund 1.000 Personen befragt, repräsentativ für die Bevölkerung ab 16 Jahre.

Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer. dpa

Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer.

Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, europafeindliche Tendenzen zu schüren. In der Schuldenkrise fahre die Kanzlerin auf Sicht - ohne zu sagen, wo die Reise hingehen soll, sagte Fischer der Zeitung "Bild am Sonntag". "Das verunsichert das Volk und schürt anti-europäische Stimmungen - sehr gefährlich", kritisierte er. "Die Verantwortung dafür trägt zu einem erheblichen Teil die Kanzlerin."

Fischer legte Merkel nahe, sich an ihrem Vorvorgänger und Parteikollegen Helmut Kohl ein Beispiel zu nehmen. Dieser habe die europäische Integration mit Mut und einer Vision vorangetrieben. "Kohl hat das damals großartig gemacht", sagte Fischer laut dem Vorabbericht. Der Bundesregierung hielt er vor, in der Krise zu unentschlossen und rein nach nationalen Interessen zu agieren. "Die Regierung läuft der Entwicklung hinterher, sie handelt krisen- und nicht strategiegetrieben. Am Ende kommt dann meist die teuerste Variante heraus", sagte der frühere Minister. Er warnte zugleich vor einer Isolation Deutschlands in Europa. "Wer meint, Deutschland könne eine große Schweiz abgeben, steht wie der träumende Ochse vor der verschlossenen Tür, bis er zum Metzger geführt wird", sagte Fischer.

Seinen Worten zufolge droht Merkel mit ihrer Europa-Politik auch im Inland ins Abseits zu geraten. "Mit ihrer Politik des Nichterklärens und der Strategie der Hintertür gefährdet sie ihre Mehrheit im Bundestag. Das trägt nicht mehr lange", sagte Fischer. Der frühere spanische Ministerpräsident Felipe González rief Deutschland dazu auf, mehr für die Euro-Rettung zu tun. Die Bundesregierung habe "enormen Einfluss" auf die Europäische Zentralbank (EZB) und die gesamte EU. Damit müsse sie verhindern, dass Spanien "als Folge von Spekulationen übertrieben hohe Zinsen zahlen muss", forderte Gonzalez.

Von

dapd

Kommentare (13)

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Petra

18.08.2012, 14:52 Uhr

Umfrage unter 1000 Personen, wobei ca. 500 für den Euro stimmen.
Wo war die Umfrage? Vor dem EU-Verwaltungsgebäude in Brüssel!
Eine Volksbefragung würde zumindest in meinem Umfeld ein ganz anderes Ergebnis liefern!

Kein_Vertrauen_mehr

18.08.2012, 14:58 Uhr

Die Interessen in der deutschen Bevölkerung dürften in der Euro-Frage recht unterschiedlich sein. Während in der Exportindustrie tätige Arbeitnehmer wohl - auch unter entsprechender ideologischer Bearbeitung seitens der Arbeitgeber - mit der Aufgabe des Euro den Verlust ihrer Arbeitsplätze drohen sehen, könnten (Altersvorsorge-)Sparer von der potentiellen Aufwertung einer DM 2.0 ganz angetan sein. Ich persönlich würde für eine DM 2.0 plädieren, weil mein früher (naiv) vorhanden gewesenes Vertrauen in europäische Institutionen mittlerweile völlig aufgebraucht ist und ich mir nicht vorstellen kann, dass zum meinen Lebzeiten da noch einmal Vertrauen aufkommen könnte.

malvin

18.08.2012, 15:22 Uhr

Das Ergebnis ist denkbar schlecht für den Euro. Denn noch hat uns die Krise ja nicht erreicht. Die Krise wird in Zukunft von den PIIGS nach Deutschland eingeschleppt. Dann wird sich das Bild dramatische ändern.

Man muss ja mal klar festhalten: Deutschland selbst befindet sich in keinster Weise in der Krise, im Gegenteil. Im Grunde wird DE immer dazu aufgefordert "meher gegen DIE Krise" zu tun. Aber zunächst ist es eine Verschuldungskrise der PIIGS-Staaten, und nur dieser. Das wird immer gerne vergessen.

Die Umfrageergebnisse sind deshalb als katastrophal für den Euro einzustufen.

Der Spanier Gonzalez verlangt von DE, mehr für "die Rettung" (ja welche Rettung???) zu tun. Die Rettung der Spanier, und meint damit Geld. Er will Geld sehen.

Auch die Aussage, Deutschländ hätte enormen Einfluss auf die EZB ist unglaublich. Ich dachte, die EZB ist unabhängig. Deutschland pocht nur darauf, dass die EZB unabhängig ist. Und das soll sie gefälligst auch bleiben.

Ansonsten schlage ich vor, die EZB zu reformieren. Deutschland erhält ein Drittel der Stimmen, UND jedes Land hat eine EIGENEN Schuldenabteilung in der EZB. D.h. wenn Italien Geld bekommt, dann haftet AUSSCHLIE?LICH der italienische Staat/Steuerzahler für diese Gelder.

Ich bin entsetzt wie wenig Frau Merkel von den Partnern fordert.

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