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03.09.2014

07:23 Uhr

Umfrage

Deutsche wollen nicht Weltpolizist spielen

Waffen für kurdische Kämpfer sind erst der Anfang: Gauck, Steinmeier und von der Leyen wollen eine größere Verantwortung Deutschlands in der Welt. Eine Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Bundesbürger sieht das ganz anders.

Panzerabwehrsystem „Milan“: Waffenlieferungen sollten nur in Ausnahmefällen erlaubt werden, findet knapp die Hälfte der Deutschen. dpa

Panzerabwehrsystem „Milan“: Waffenlieferungen sollten nur in Ausnahmefällen erlaubt werden, findet knapp die Hälfte der Deutschen.

BerlinDie Mehrheit der Bundesbürger lehnt eine größere militärische Verantwortung Deutschlands in der Welt ab. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Nachrichtenagentur dpa sprechen sich 57 Prozent der Befragten dagegen aus, nur 30 Prozent sind dafür.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Verteidigungsminister Ursula von der Leyen (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck hatten sich erstmals Anfang des Jahres auf der Münchner Sicherheitskonferenz für mehr Verantwortung Deutschlands in der Welt ausgesprochen. Die am Sonntag beschlossenen Waffenlieferungen in den Irak gelten als ein Schritt in diese Richtung. Die kurdische Armee soll unter anderem Panzerabwehrraketen, Granaten, 16.000 Sturmgewehre und mehrere Millionen Schuss Munition für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erhalten.

Laut Umfrage meinen 49 Prozent, solche Waffenlieferungen sollten nur in Ausnahmefällen erlaubt werden. 39 Prozent sind grundsätzlich dagegen und fünf Prozent grundsätzlich dafür. Jeder Dritte (34 Prozent) sprach sich gegen Kampfeinsätze der Bundeswehr aus, jeder Zweite (50 Prozent) würde sie aber in seltenen Ausnahmefällen zulassen.

In früheren Umfragen waren etwa zwei Drittel der Bundesbürger gegen die Waffenlieferungen in den Irak. Auch die Kampfeinsätze der Bundeswehr lehnten in den bisherigen Umfragen die meisten Teilnehmer ab.

Unterdessen befürchten zwei Drittel der Deutschen laut YouGov und dpa eine russische Invasion in der Ostukraine. Demnach glauben 65 Prozent, dass Moskau nach der Krim weitere Teile des Nachbarlandes besetzen und unter seine Kontrolle bringen werde. Trotzdem ist die Hälfte der Bundesbürger (51 Prozent) gegen eine Verstärkung der Nato-Präsenz in den östlichen Mitgliedstaaten als Reaktion auf die Ukraine-Krise. Jeder Dritte (33 Prozent) ist dafür.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato kommen am Donnerstag in Wales zu einem zweitägigen Gipfeltreffen zusammen, um über die Konsequenzen aus der Ukraine-Krise zu beraten. Das Bündnis will seine militärische Reaktionsfähigkeit in Krisensituationen deutlich beschleunigen. Ob und wie viele Soldaten dafür zusätzlich in den östlichen Mitgliedstaaten stationiert werden, ist noch unklar. Vor allem Polen und die baltischen Länder, die an Russland grenzen, fühlen sich bedroht.

Von

dpa

Kommentare (13)

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Herr Manfred Zimmer

03.09.2014, 08:23 Uhr

"Deutsche wollen nicht Weltpolizist spielen
03.09.2014, 07:23 Uhr
...
Eine Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Bundesbürger sieht das ganz anders."

Wenn das so ist, und das kann ich nachvollziehen, dann haben die Bürger zwar die Parteien korrekt gewählt, aber die Parteien haben die verantwortungsvollen Posten falsch besetzt!

Was heißt verantwortungsvoll?

Die Politiker halten sich für zuständig aber nicht für verantwortlich. Wenn das also so korrekt ist, dann müssen also andere verantwortlich sein, die nicht zuständig sind.

Kann das ein funktionierendes System darstellen?

Stellen Sie sich nur vor, daß Sie klauen und Ihr Nachbar in den Knast wandert. Würden Sie das als gerecht bezeichnen?

Die Ausprägungen in der Politik sind pervers.

Lesen Sie doch einfach einmal im ESM-Vertrag nach, wenn Ihnen obiges Beispiel "zu dick" erscheint.

Herr Thomas Behrends

03.09.2014, 08:27 Uhr

Wir sitzen ohnehin schon überall mit im Boot. Egal ob in wichtigen globalen Ausschüssen oder beim Export unserer High-Tech-Waffen.

Es erscheint mir doch sehr scheinheilig die "immer größer werdende Verantwortung Deutschlands in der Welt" wiederholt zu betonen, wenn im gleichen Atemzug Waffen im Wert von ca. 8-10% unseres jährlichen BIP in alle Welt verschifft werden.

Wie verantwortlich ist die Ausfuhrbehörde in Eschborn da eigentlich? Oder nimmt sie nur Befehle von "ganz oben" entgegen? Die Waffen-exportierende Wirtschaft macht sowieso was sie will. Ich glaube kaum, dass jemand in Eschborn die Ausfuhrgenehmigung verweigert, wenn Krauss-Maffai, Heckler und Koch u.A. entsprechende Anträge einreichen (volkswirtschaftlich zu wichtig!) ...


... außer die Amis haben was dagegen ...

Herr W. H.

03.09.2014, 09:04 Uhr

Als Weltpolizist haven wir die UNO-Truppen. Und weder die Nato noch die EU haben das Recht, sich direkt in die Hoheit anderer Völker einzumischen. Und einzelne Volksgruppen gegen andere auszuspielen.

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