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29.11.2015

10:04 Uhr

Umfrage

Hälfte der Deutschen gegen weitere Amtszeit von Merkel

Die Zweifel wachsen:48 Prozent der Deutschen sprechen sich gegen eine weitere Amtszeit von Bundeskanzlerin Merkel aus. Viele halten ihren Umgang mit der Flüchtlingskrise für falsch.

Rückhalt bekommt die Bundeskanzlerin vor allem in Ostdeutschland und bei den Frauen. ap

Angela Merkel

Rückhalt bekommt die Bundeskanzlerin vor allem in Ostdeutschland und bei den Frauen.

Berlin48 Prozent der Deutschen ist gegen eine weitere Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das zeigt eine Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“. Nur 44 Prozent der Befragten wünschten sich eine neuerliche Kandidatur Merkels bei der Bundestagswahl 2017.

Rückhalt bekam die Kanzlerin vor allem in Ostdeutschland (55 Prozent) und bei den Frauen (46 Prozent). Besonders groß ist die Unterstützung für Merkel – trotz des innerparteilichen Streits um die Flüchtlingspolitik – bei den Unionsanhängern: Hier waren 87 Prozent für eine weitere Amtszeit Merkels, nur zwölf Prozent dagegen.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel

„Alternativlos“

Das ist eines der Lieblingswörter, wenn Kanzlerin Angela Merkel andere von ihrer Politik überzeugen möchte. Alternativlos ist derzeit für die CDU auch Merkels achte Wahl zur Parteichefin. Die Christdemokraten können sich momentan nicht vorstellen, wer außer der Physikerin aus der DDR die Partei führen sollte.

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Anders am Montag. Da war ihr so unwohl, dass sie eine Interview-Aufzeichnung unterbrach. Noch am Abend präsentierte sie sich wieder munter. Wer nicht zäh ist, kann Kanzleramt und Parteivorsitz nicht machen.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. So dauerte es lang, bis sie Russlands Präsident Wladimir Putin offen attackierte.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden, keine Diva. Oder wie Wolfgang Schäuble sagt: „Die ist nicht so Hurra-mäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher.“

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in den Grenzen der Unionspolitik.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nicht mitreißen. Öffentlich formuliert sie selten scharf und pointiert.

Erklärungsdefizit

Viele Menschen sagen auch, sie wüssten nicht, was Merkels Botschaft sei. Sie erkläre ihre Politik nicht.

Keine Nachwuchsförderung

Dass Merkel so unangefochten in der CDU ist, liegt auch daran, dass sie Konkurrenten kalt gestellt hat und keine Talente gezielt fördert.

Keine Vision

Kritiker beklagen, dass Merkel keine eigenen Ziele entwerfe, sondern Ideen anderer sammele und dann die Mehrheitsmeinung suche, um nicht zu unterliegen.

Nachtragend

Merkel vergisst nichts. Wer bei ihr einmal in Ungnade fällt, ist abgemeldet. Bei nächst passender Gelegenheit zieht sie Konsequenzen. Vor allem viele Männer sehen darin wieder eine Stärke. „Sie kann Rache kalt genießen“, sagt einer aus der Opposition.

Den Umgang der Kanzlerin mit der Flüchtlingskrise halten 47 Prozent der Befragten für falsch und 40 Prozent für richtig. Auch hier ist mit 57 Prozent die Unterstützung der Unionsanhänger für Merkel besonders groß.

Wegen des Zuzugs von Flüchtlingen äußerten in der Umfrage 52 Prozent der Befragten Sorgen um die Zukunft des Landes. Nur 44 Prozent der Befragten gaben an, nicht beunruhigt zu sein. Unter den Besorgten sind mehr Ostdeutsche (59 Prozent) als Westdeutsche (51 Prozent) und mehr Frauen (59 Prozent) als Männer (45 Prozent). 48 Prozent der Befragten glauben, dass sich Deutschland wegen des Zuzugs negativ verändern wird.

In der Gunst der Wähler konnte die Union wieder leicht zulegen: In der Sonntagsfrage gewann sie einen Punkt im Vergleich zur Vorwoche und erreichte 38 Prozent. Die SPD büßte einen Punkt ein und kam auf 25 Prozent. Einen Prozentpunkt im Plus sind Linke und Grüne mit jeweils zehn Prozent, auch die AfD legte einen Punkt zu und kam auf acht Prozent.

Von

afp

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