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23.09.2011

10:43 Uhr

Umfrage

Jeder zweite Deutsche befürwortet Griechen-Pleite

Griechenland retten oder fallen lassen? Die Deutschen sind in dieser Frage laut einer Umfrage unentschieden. Dagegen ist eine klare Mehrheit der Befragten gegen die geplante Ausweitung des Euro-Rettungsschirms.

Die Nationalflagge von Griechenland. dpa

Die Nationalflagge von Griechenland.

MainzIn jüngster Zeit ist vielfach über die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands spekuliert worden. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF fänden es  50 Prozent der Bundesbürger nicht gut, wenn es die EU zuließe, dass Griechenland Bankrott geht. Lediglich 41 Prozent fänden das gut (weiß nicht: neun Prozent). Eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent glaubt, dass ein Bankrott Griechenlands für Deutschland wirtschaftlich schlecht wäre, lediglich 15 Prozent erwarten davon positive Effekte (weiß nicht: 17 Prozent).

Ganz unabhängig von diesen Befürchtungen wird offensichtlich die in der kommenden Woche im Bundestag zur Abstimmung stehende Ausweitung des Euro-Rettungsschirms beurteilt: Eine unverändert deutliche Mehrheit von 75 Prozent lehnt diese Maßnahme ab, 19 Prozent unterstützen die vorgesehene Erhöhung der deutschen Bürgschaften für Kredite zur Rettung des Euro auf dann 211 Milliarden Euro (weiß nicht: sechs Prozent). Die Ablehnung geht dabei quer durch alle Parteianhängerschaften (Union: 70 Prozent; SPD: 73 Prozent; Linke: 71 Prozent; Grüne: 67 Prozent, Piraten: 82 Prozent).

Bei der Frage, welche Partei beim Thema Euro-Krise am ehesten eine Politik macht, die den Vorstellungen der Befragten entspricht, wird mit 29 Prozent am häufigsten die CDU/CSU genannt. Danach folgen die SPD mit 23 Prozent, die FDP mit drei Prozent, Linke mit 1 Prozent und die Grünen mit zwei Prozent. 14 Prozent sagen „keine Partei“, und 28 Prozent sehen sich nicht in der Lage, diese Frage zu beantworten.

Szenarien: Wie Griechenland aus der Krise kommt

Euro-Referendum

Die Diskussion über einen Volksentscheid zum Sparkurs und zum Euro flammt in Politik und Medien immer wieder auf. „Soll Griechenland das harte Sparprogramm in die Tat umsetzen, oder soll es das Euroland verlassen?“ Die Frage sei zu stellen. Damit könnte Ministerpräsident Giorgos Papandreou „Dampf“ aus der angespannten Lage ablassen, sagen Befürworter. Beobachter und vor allem Mitglieder der stärksten Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND) bezeichneten diese Referendum-Frage als Trick: „Es ist so als ob man fragen würde, wollen Sie arm und krank oder reich und gesund sein“, hieß es aus diesen Kreisen. Da werde die ND nicht mitmachen. Die Regierung Papandreou hat wiederholt ein Referendum nicht ausgeschlossen, das weitere Vorgehen hängt aber vom Erhalt der dringend benötigten nächsten Milliarden-Kredittranche ab.

Vorgezogene Wahlen

Ein zweites diskutiertes Szenario sieht vor, dass die jetzige Regierung unter Papandreou den Sparkurs durch Erhalt der nächsten Kredit-Tranche von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) absichern kann und danach vorgezogene Wahlen proklamiert. Nach aktuellen Umfragen dürften die Sozialisten keine Mehrheit mehr erlangen, eine große Koalition mit den Konservativen wäre nötig. Nur eine sehr starke Regierung könne das Land aus der schwierigsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg führen, fordern politische Beobachter. Die nächsten regulären Wahlen wären im Herbst 2013.

Sofortige Neuwahlen

Ein drittes Szenario sieht sofortige Neuwahlen oder die sofortige Bildung einer großen Koalition von Konservativen und Sozialisten vor. Eine breitere politische Zustimmung zu den Sparanstrengungen fordert auch immer wieder die „Troika“ von EU, IWF und Europäischer Zentralbank (EZB), um weitere Rettungshilfen zu gewähren. „Die politische Einwilligung auf breiterer Basis wäre sehr gut“, sagte erst kürzlich Bob Traa, ein IWF-Mitarbeiter, der seit Monaten die Bücher in Athen prüft, im Fernsehen. Wahlen kosteten viel und benötigten auch Zeit zur Vorbereitung.

Nicht nur über das weitere Vorgehen in der Euro-Krise ist in den vergangenen Wochen Streit in der schwarz-gelben Bundesregierung entstanden. Dabei sehen die meisten Bürger keinen eindeutigen Schuldigen für diese Uneinigkeit: 68 Prozent meinen, dass alle beteiligten Partner gleichermaßen am Streit Schuld haben, 16 Prozent halten die FDP für den Hauptschuldigen, fünf Prozent die CDU und nur zwei Prozent die CSU (weiß nicht: neun Prozent). Wenn es aufgrund dieses Streits in der Regierungskoalition zu vorgezogenen Neuwahlen käme, fänden das 47 Prozent gut und 46 Prozent nicht gut (weiß nicht: sieben Prozent).

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Von

dne

Kommentare (5)

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wostehtdasdenn

23.09.2011, 11:15 Uhr

Sagen Sie mal verehrte Redaktion, wo findet sich denn der Inhalt der Überschrift im Artikel wieder, danach kann ich max. 41% erkennen, die eine Pleite ausdrücklich befürworten. ich bitte um Klarstellung oder Erklärung

"In jüngster Zeit ist vielfach über die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands spekuliert worden. Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF fänden es 50 Prozent der Bundesbürger nicht gut, wenn es die EU zuließe, dass Griechenland Bankrott geht. Lediglich 41 Prozent fänden das gut (weiß nicht: neun Prozent). Eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent glaubt, dass ein Bankrott Griechenlands für Deutschland wirtschaftlich schlecht wäre, lediglich 15 Prozent erwarten davon positive Effekte (weiß nicht: 17 Prozent)."

Account gelöscht!

23.09.2011, 11:21 Uhr

Aha, nur 2% meinen also, die Grünen machen eine Euro-Politik, die ihnen zusagt. Wie aber kommt diese Partei in Umfragen dann auf 20%-Stimmenanteil ?
Interessiert den Grün-Wähler der Euro nebst Nebenwirkungen nicht?
Fand diese Umfrage in Rottach-Egern statt?
Und finden die Sonntagswahlumfragen in Kreuzberg und HH-Altona statt?
Kann man offiziellen Wahlergebnissen noch glauben? Oder steht Steinbrück eh schon als nächster Kanzler fest?
Man kann sich nur noch wundern...

Account gelöscht!

23.09.2011, 11:22 Uhr

Man sieht da nur den Einfluß der Staatspropaganda, das wilde Getrommele in Goebbelscher Manier. So versucht man, den Deutschen machtvoll auszutreiben, dass sie letztlich alles bezahlen sollen. Die Grünen sagen es ja ganz deutlich: Deutschland soll für den Aufbau Europas bezahlen. Woher das Geld kommt, steht in den Sternen. So wie im Sozialimus. Gemeinsame Armut im Sozialismus ist ja auch spannender als persönliche Freiheit!

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