Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.10.2013

03:45 Uhr

Umfrage

Lehrer in Deutschland genießen wenig Ansehen

Im Wahlkampf ist die Bildung ein zentrales Thema. Auf Lehrer scheint diese hohe Bedeutung aber kaum abzufärben. Einer Studie zufolge sind sie in Deutschland schlecht angesehen. Ganz anders sieht es dagegen in China aus.

Ein Lehrer wischt während des Mathematik-Unterrichts die Tafel sauber. dpa

Ein Lehrer wischt während des Mathematik-Unterrichts die Tafel sauber.

LondonDas Ansehen der Lehrer in Deutschland ist einer internationalen Studie zufolge schlecht. Im Vergleich mit 20 weiteren Ländern liege die Anerkennung des Berufsstandes im letzten Drittel auf Platz 16 - nur Lehrer aus Israel, Brasilien, Tschechien, Italien und Japan schnitten noch schlechter ab, teilte die Varkey GEMS Stiftung am Donnerstag in London mit.

Mit einem Index von 21,6 liegt die Bundesrepublik weit hinter Spitzenreiter China und seinem Referenzwert von 100. Auch Griechenland, Großbritannien oder die USA bekommen bessere Werte als Deutschland. Für die repräsentative Erhebung wurden jeweils 1000 Menschen aus 21 Ländern befragt. Neben der generellen Meinung zu Lehrern fragte die Stiftung vor dem Welt-Lehrertag am 5. Oktober unter anderem danach, welche Berufe am ehesten dem Status der Pädagogen entsprächen.

Chancen durch Veränderung der Schulstruktur

Verlängerung der Grundschule

33 Prozent der Lehrer und 27 Prozent der Eltern meinen mit einer Verlängerung der Grundschule auf sechs Jahre kann man benachteiligte Kinder am besten fördern.

Quelle: Allensbach

Einzelunterricht in der Schule

26 Prozent der Lehrer und 33 Prozent der Eltern meinen, der Einzelunterricht in der Schule verbessere die Situation der Kinder.

Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern

Die Bildung von Klassen mit ähnlich leistungsstarken Schülern ist für 21 Prozent der Lehrer und 40 Prozent der Eltern maßgeblich für eine verbesserte Förderung.

Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems

21 Prozent sowohl der Lehrer als auch Eltern meinen, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems ist die beste Lösung.

Abschaffung der Noten

Lediglich sieben Prozent der Lehrer und acht Prozent der Eltern würden die Abschaffung der Noten als eine verbessere Förderung benachteiligter Kinder betrachten.

Abschaffung des Sitzenbleibens

Zehn Prozent der Lehrer und zwölf Prozent der Eltern denken, die Abschaffung des Sitzenbleibens ist am besten.

In Deutschland ist der Lehrer demnach am ehesten mit einem Sozialarbeiter zu vergleichen. Deutlich unter fünf Prozent der Menschen sehen ihn dagegen auf einer Stufe mit dem Arzt - ein ähnlicher Wert wie in den meisten anderen europäischen Ländern. Lehrer weiterführender Schulen wurden dabei deutlich besser bewertet als Grundschul-Lehrkräfte.

In deutschen Klassenzimmern scheint die Ehrfurcht vor den Erziehern ebenfalls gering zu sein. Mehr als 40 Prozent der Befragten schätzen, dass Schüler ihre Lehrer nicht respektieren - weniger als jeder fünfte Befragte in Deutschland dagegen geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche die Pädagogen eher achten. Das gesellschaftliche Vertrauen in den Berufsstand ist ebenfalls unterdurchschnittlich. Zudem würden keine 20 Prozent ihre Kinder ermutigen, später Lehrer zu werden, heißt es in der Studie.

Global betrachtet ist das Lehrer-Ansehen in China mit Abstand das höchste. EU-Staaten finden sich - mit Ausnahme Griechenlands, das auf dem zweiten Platz des Rankings steht - eher im Mittelfeld und darunter. Internationales Schlusslicht ist Israel mit einem Index von 2, gefolgt von Brasilien (2,4). Die Varkey GEMS Stiftung betonte, dass ihre Erhebung keine Rückschlüsse auf die Qualität der Ausbildung in den jeweiligen Ländern zulasse.

Von

dpa

Kommentare (48)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

bjarki

03.10.2013, 04:15 Uhr

Kann ich nicht verstehen. Schon in meiner Schulzeit hatte ich das Glueck von deutschen Lehrern sofort in die Ecke des Stoerers gestellt zu werden. Lehrer sei Dank, so konnte ich lernen stromlinienfoermig zu werden oder sitzenzubleiben. Dann meine Kinder: Zum Glueck verunsicherten die Lehrer meiner Kinder dieselben, sofort nach Schuleintritt, so durften meine Frau und ich ueben, wie man Kinder nach dem Unterricht wieder aufrichtet. Heute machen wir alle( ja alle Deutschen) in Pisa Urlaub, Lehrer sei Dank. Seit Jahrzenten schreit die Politik nach Geld fuer Bildung, mehr Lehrer etc. Auch dafuer bin ich dankbar, besonders im Sommer. Es jagt einem eiskalte Schauer ueber den Ruecken, nachhaltig und klimaneutral.

bjarki

03.10.2013, 04:18 Uhr

Ich weiss, ein Kommafehler... ich werde freiwillig eine Stunde nachsitzen.

Account gelöscht!

03.10.2013, 05:41 Uhr

Die Schröder'schen "faulen Säcke" halten sich beharrlich. Und nachdem die Politik zu einer Hetzjagd auf die Lehrer ausgerufen hat, hängt sich willfährigst die Presse daran und vergisst, dass sie eine andere Aufgabe hat, als unseren Feudalherren nach dem Munde zu reden.

Wir reden vom Bildungsdeutschland und lassen Politiker dieses Bildungsdeutschland vor die Wand laufen:

- ideologisch
- haushaltspolitisch
- zahlenkolonnengläubig.

Nachdem die OECD Deutschland zu verstärkten Aktivitäten im Bildungsbereich aufrief, haben Bildungspolitiker nicht mehr geliebt, als aufgehübschte Zahlenkolonnen über die verbesserte Abiturientenproduktion zu erzeugen. Wie? Das geht ganz einfach: die Bildungsministerien sind verantwortlich dafür, dass in allen Schulen gleiche Maßstäbe in der Notengebung angelegt werden. Um das zu gewährleisten, werden Punkte-Notentabellen erstellt. Wer die stets neu ausgegebenen Punkte-Notentabellen der letzten Jahre miteinander vergleicht, stellt erschrocken fest, dass für dieselbe Note heute viel weniger richtig sein muss. Ergebnis: wir erzeugen viele "kluge" Bildungsbürger, die leider dumm wie Bohnenstroh sind, aber nützlich sind, um die Statistiken zu verifizieren.

Verstehen Sie? Wir wollen ein Bildungsdeutschland machen und produzieren eine Intelligenz auf Mittelschulniveau. Die Industrie hat längst reagiert: in den Betrieben wird Verlorenes nachgeholt. Das ist Bildungsdeutschland. Eine tolle Zukunft liegt vor uns.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×