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15.02.2017

15:07 Uhr

Umfrage

Mehrheit der Deutschen ist gegen Aufrüstung

Die USA fordern von Deutschland eine Erhöhung des Militäretats. Doch die Mehrheit der Bundesbürger ist dagegen. Bei einer gemeinsamen Verteidigungsunion der EU-Staaten sieht das Ergebnis allerdings anders aus.

Die Verteidigungsausgaben der Nato-Länder nehmen ab. dpa

Manöverübung

Die Verteidigungsausgaben der Nato-Länder nehmen ab.

HamburgDie Mehrheit der Bundesbürger ist gegen die von den USA geforderte Erhöhung der deutschen Verteidigungsausgaben. 55 Prozent der Teilnehmer einer vom Magazin „Stern“ in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage sprechen sich gegen eine Aufstockung des Militäretats in den nächsten Jahren aus. 42 Prozent sind dafür.

Noch weniger Deutsche wollen, dass sich die Bundesrepublik stärker als bisher am Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) beteiligt. Nur 38 Prozent würden dies positiv sehen, 56 Prozent sind dagegen. Jeder zweite Befragte befürwortet dagegen eine gemeinsame Verteidigungsunion der EU-Staaten, 43 Prozent wollen dies nicht.

Die USA verlangen von Deutschland und den anderen Nato-Staaten seit langem deutlich mehr Anstrengungen, das sogenannte Zwei-Prozent-Ziel zu erreichen. Es sieht vor, dass alle Bündnispartner ihre Verteidigungsausgaben bis 2024 auf mindestens zwei Prozent ihrer Wirtschaftsleistung steigern.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Volker Riegel

15.02.2017, 16:10 Uhr

Die Frage ob mehr Europa oder weniger Europa der bessere Weg ist, das scheint mit dieser Umfrage (zumindest was Deutschland betrifft) klar beantwortet zu sein:

In wichtigen Fragen müssen die Europäer zusammen rücken. Langfristig ist es richtig eine europäische Lösung zur Verteidigung zu entwickeln. Die Ineffizienz der europäischen Heere ist groß, ohnehin sind ja die Aussengrenzen zu schützen. Gerade Deutschland hat da potentiell eher weniger Feinde an seinen Grenzen...

Damit das klappt müssen sowohl die Strukturen innerhalb Europas demokratischer werden, als auch mehr Kompetenzen abgegeben werden. Ein Zug-um-Zug-Geschäft sozusagen.

Noch was: es ist verständlich, dass reflexartig eine Mehrheit keine Aufrüstung möchte. Ich gehöre da sicher auch dazu. Allerdings scheint es so wie bisher nicht mehr weiter zu gehen, nämlich das die USA die große Drecksarbeit machen und wir in Europa, insbesondere in Deutschland uns da weg ducken. Mit unserer Geschichte auch verständlich.

Es war ja früher auch schon so, dass man sich mit Geld von eigenem militärischem Engagement frei gekauft hatte. Eingebunden in eine europäische Lösung halte ich es aber für zulässig, dass man die Amerikaner teilweise entlastet. Im Gegenzug für mehr Mitspracherechte in der NATO versteht sich. Die Gewichte werden sich verschieben.

Ich würde das auch nicht als neues "Wettrüsten" bezeichnen. Wir Europäer sollten uns weiterhin als Wirtschaftsmacht verstehen und auch so in der Welt auftreten. Eine starke militärische Option in der Hinterhand, die zumindest abschreckenden Charakter hat, würde wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen entsprechenden Nachdruck verleihen.

Ich persönlich würde für eine dem deutschen vergleichbare Führung des Militärs auf europäischer Ebene vorziehen. Das macht zwar manches schwerfälliger, dürfte aber dadurch auch weniger als Agression verstanden werden.

(Mehr) Atomwaffen braucht man da sicher nicht dazu.

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