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20.05.2014

16:30 Uhr

Umfrage

Mehrheit gegen größeres deutsches Engagement

Deutschland ist stark und soll sich deshalb mehr bei Krisen einbringen, so zuletzt der Tenor etlicher Spitzenpolitiker. Die meisten Bundesbürger sind dagegen, auch wenn sie etwa Völkermord gern verhindert sehen wollen.

Außenminister Steinmeier sieht einen „tiefen Graben“ zwischen der Öffentlichkeit und außenpolitischen Elite. 60 Prozent der Bundesbürger, die kein größeres deutsches Engagement wollten, bestätigen das. ap

Außenminister Steinmeier sieht einen „tiefen Graben“ zwischen der Öffentlichkeit und außenpolitischen Elite. 60 Prozent der Bundesbürger, die kein größeres deutsches Engagement wollten, bestätigen das.

BerlinDie Deutschen sehen ein stärkeres Engagement der Bundesrepublik im Ausland mit gemischten Gefühlen. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung der Körber-Stiftung plädieren nur 37 Prozent der Befragten dafür, dass sich Deutschland künftig noch stärker außenpolitisch einsetzen sollte. Große Skepsis gibt es bei der Frage nach Militäreinsätzen. Aber die Deutschen zeigen sich überraschend interventionsbereit, wenn es um die Durchsetzung von Menschenrechten in der Welt, um die Vermeidung eines Völkermords und um den Schutz eines Partnerlandes geht.

Die Körber-Stiftung hatte die Untersuchung vor allem wegen der politischen Debatte um eine aktivere deutsche Außenpolitik in Auftrag gegeben. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest hatte dazu Ende April bis Anfang Mai rund 1000 Bundesbürger befragt - also auf dem bisherigen Höhepunkt der Spannungen mit Russland. Auffallend ist dabei der Vergleich mit den Zahlen von 1994. Vor zwanzig Jahren hatten sich nämlich noch 60 Prozent für eine aktivere Rolle ausgesprochen - allerdings war Deutschland damals noch nicht an militärischen Auslandseinsätzen beteiligt. Heute, nach den Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan, antworten nur noch ein Drittel, dass sie sich von Deutschland eine aktivere Rolle wünschen.

Widersprüchlich sind die Antworten zu Militäreinsätzen: Allgemein werden sie nur von 13 Prozent für das richtige Mittel der Außenpolitik gehalten - weit hinter humanitärer Hilfe und diplomatischen Bemühungen. Die Antworten fallen aber ganz anders aus, wenn konkret nach Einsatzgründen gefragt wird: 87 Prozent bezeichnen einen Einsatz deutscher Truppen im Ausland sehr wohl für gerechtfertigt, wenn es eine direkte Bedrohung von Frieden und Sicherheit in Europa geben sollte. 82 Prozent halten einen Auslandseinsatz für richtig, um in anderen Ländern einen Völkermord zu verhindern. Und die Deutschen zeigen sich auch solidarisch: 70 Prozent sind dafür, dass die Bundeswehr im Ausland eingesetzt werden sollte, wenn ein Verbündeter direkt bedroht wird.

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Bei den gewünschten Prioritären der Außenpolitik steht der weltweite Schutz der Menschenrechte ganz vorne: 66 Prozent halten ihn für sehr wichtig, 27 Prozent für wichtig. Dieser Wert ist gegenüber 1994 sehr stark gestiegen. Die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands sieht dagegen nur ein Viertel der Befragten als Grund, sich außenpolitisch stärker zu engagieren. Dieser Wert ist seit 1994 sehr stark gesunken.

Auffallend sind die Antworten, wen sich die Deutschen künftig als stärkeren Partner wünschen. Dabei hat eine klar europäische Orientierung offenbar die transatlantischen Bindungen abgelöst. 79 Prozent wünschen deshalb, dass Deutschland noch enger mit Frankreich zusammenarbeitet. Dann folgen Polen und Großbritannien. Überraschend sprechen sich aber mehr Befragte dafür aus, dass Deutschland mit China künftig enger zusammenarbeiten sollte als mit den USA. Mit 53 Prozent recht hoch ist auch die Zahl derer, die für eine engere Kooperation mit Russland plädieren - trotz der Ukraine-Krise.

Die Umfrage steht damit in Kontrast zu Aufforderungen des Bundespräsidenten, führender Mitglieder der Bundesregierung und auch mehrerer EU-Partner, dass sich Deutschland als größte EU-Volkswirtschaft auch außenpolitisch stärker engagieren sollte. Dies hatte etwa Bundespräsident Joachim Gauck auf der Münchner Sicherheitskonferenz gefordert.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

20.05.2014, 14:17 Uhr

Zitat: "Steinmeier sprach am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin von einem „tiefen Graben“ zwischen der breiten Öffentlichkeit und der außenpolitischen Elite,...."

Ist mir übel, ist es wirklich das, für das er sich und seine Genossen, die unqualifizierten Handaufhalter, hält.
Die außenpolitische Elite? Selbstverliebte Usurpatoren.

Diese abgehobenen Vögel, Vasallen der USA und Dampfplauderer, haben die eigentlich jeglichen Bodenkontakt verloren?
Wenn die große Mehrheit Deutschlands sich nicht an Kriegen und Sanktionen gegen Staaten beteiligen will, dann sollte das durch unsere "Vertreter" respektiert werden.
Da sieht man aber mal wieder was wir für diese "Eliten" sind, nur dummes Mittel zum Wahlerfolg.
BTW: Den SPDlern sollte mal einer erzählen, das ca. 80% der Wähler KEINE SPD in der Regierung wollten. Aber was interessiert die Eliten schon was das Volk das Sie gewählt hat (oder auch nicht, wie in diesem Fall) denkt.
Man kann von dem was hier Demokratie genannt wird echt langsam die Schnauze voll kriegen.

Account gelöscht!

20.05.2014, 14:17 Uhr

"Außenpolitische Elite" Was und wer ist das denn? EU Desaster, Euro, Freihandelsabkommen, Ukraine, Krach mit dem größten Energielieferanten, Bücklinge vor den USA wegen NSA, wir trauen uns noch nicht einmal Zeugen einzuladen. War ist das denn für eine Elite? Stümper sind das. Sachverstand scheint kein Kriterium mehr zu sein für eine politische Karriere. Ein Titel als Professor ist sicher keine Garantie, aber heute ist das ein Hinderungsgrund. EEG, Rente, Maut, liebe Leute Elite geht anders. Mich würde nicht wundern wenn ihr am Sonntag eine Quittung bekommt, aber dann ist es ja wieder die Schuld der Populisten. Noch nicht mal den Unzugszirkus zwischen Brüssel und Straßburg können sie regeln. Elite, das war mal. Vor unseren Eliten zittert keiner mehr.

Account gelöscht!

20.05.2014, 14:39 Uhr

Steinmeier und einmischen?

Wie soll das gehen? Ist er nicht der Ausdruck eines kastrierten Beamten? Man darf auch nicht seine Verbindung zu Gerhard Schröder und dessen Verbindung wiederum zu Putin verkennen. Aus deren Sicht läuft alles nach Plan.


Sind wir ehrlich:
Alles heiße Luft und nur Gabriel schafft es, heiße Luft noch heißer zu machen.

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