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08.01.2015

07:12 Uhr

Umfrage

Muslime fühlen sich Deutschland verbunden

Das Missverhältnis ist augenfällig: Die große Mehrheit der vier Millionen Muslime in Deutschland orientiert sich laut einer Studie an westlichen Werten. Trotzdem empfinden immer mehr Deutsche den Islam als Bedrohung.

Gläubige Muslime in einer Frankfurter Moschee beim Gebet. dpa

Gläubige Muslime in einer Frankfurter Moschee beim Gebet.

GüterslohEin Großteil der vier Millionen Muslime in Deutschland fühlt sich einer Studie zufolge Staat und Gesellschaft eng verbunden. Der Rest der Bevölkerung aber nimmt das kaum wahr und steht dem Islam immer kritischer gegenüber, wie eine Sonderauswertung „Islam“ des Religionsmonitors der Bertelsmann Stiftung zeigt, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. „Für Muslime ist Deutschland inzwischen Heimat. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird“, sagte Yasemin El-Menour, Islam-Expertin der Stiftung.

So halten 90 Prozent der hochreligiösen Muslime in Deutschland laut Studie die Demokratie für eine gute Regierungsform. Neun von zehn Befragten haben in ihrer Freizeit Kontakt zu Nicht-Muslimen. Jeder Zweite hat mindestens genauso viele Kontakte außerhalb der Religionsgemeinschaft wie mit Muslimen.

63 Prozent derjenigen Befragten, die sich als ziemlich oder sehr religiös bezeichnen, überdenken nach eigenen Angaben regelmäßig ihre religiöse Einstellung. Einer Hochzeit unter homosexuellen Paaren stimmen rund 60 Prozent von ihnen zu. Von den hochreligiösen Befragten mit eher unumstößlichen Glaubensgrundsätzen sind immerhin 40 Prozent dafür. Zum Vergleich: In der Türkei, dem Herkunftsland der meisten Muslime in Deutschland, überdenkt nur jeder dritte Hochreligiöse regelmäßig seinen Glauben. Und nur 12 Prozent von ihnen befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe.

Trotzdem haben negative Vorurteile gegenüber Muslimen in der Bevölkerung eher zugenommen. 57 Prozent der befragten Nicht-Muslime empfinden den Islam als Bedrohung – im Jahr 2012 waren es 53 Prozent. 61 Prozent meinen, der Islam passe nicht in die westliche Welt (2012: 52 Prozent).

Das Phänomen „Pegida“ und was dahinter steckt

„Pegida“

Als Ende Oktober die ersten paar Hundert Leute demonstrierten, stießen auf wenig Beachtung. „Pegida“-Anhänger protestieren gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands und angeblichen Asylmissbrauch. Das neue Ausmaß der Demos schreckt Politiker und Experten auf, auch im Bund. Sie warnen vor „Hetze“ und „Pogromstimmung“. (Quelle: dpa)

Was wollen die „Pegida“-Leute?

Die Anhänger der Bewegung fordern eine strengere Asylpolitik und sind gegen die Aufnahme von „Wirtschaftsflüchtlingen“ – also Asylbewerbern, die ihrer Ansicht nach keinen Anspruch auf Schutz haben und angeblich nur auf Sozialleistungen aus sind. Sie wettern gegen muslimische Extremisten und vermeintliche Glaubenskriege auf deutschem Boden.

Wer steht hinter „Pegida“?

Der Initiator ist Lutz Bachmann. Der gelernte Koch ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Drogendelikten. An seiner Seite demonstrieren viele Bürger, die sich ausdrücklich nicht in die Nähe von Rechtsextremen gerückt sehen wollen. Auch Bachmann betont immer wieder, er lehne jede Art von Radikalismus ab. Es haben sich aber längst Hooligans, Neonazis und bekennende Islamfeinde unter die Protestler gemischt. Auch zahlreiche Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) sind dabei.

Ist das Phänomen auf Dresden beschränkt?

Nein. Inzwischen gibt es auch in anderen Regionen Ableger von „Pegida“ – etwa in Düsseldorf („Dügida“), Kassel („Kagida“), Bayern („Bagida“) oder Ostfriesland („Ogida“), aber auch in einigen anderen Städten. Die Bewegung wächst schnell – nicht zuletzt durch das Internet. Die Macher sind sehr aktiv bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken und mobilisieren so stetig neue Anhänger.

Warum halten Politiker und Experten die Bewegung für gefährlich?

„Pegida“ verallgemeinere extrem und vermische wild Themen, meinen Fachleute. Die Gruppe werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und lade sie zu Ressentiments auf, sagt der Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke. Das sei klassischer Rechtspopulismus. Funke sieht bereits Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. Sicherheitskreise befürchten, dass Rechtsextreme die Bewegung systematisch unterwandern könnten. Auch viele Politiker sprechen von besorgniserregender ausländerfeindlicher Stimmungsmache. Die AfD zeigt dagegen Verständnis für die Proteste.

Wie konnte „Pegida“ entstehen?

Auslöser der Proteste ist die Asylpolitik. Die Zahl der Asylbewerber in Deutschland steigt seit langem. Experten meinen, Bund und Länder hätten viel zu spät darauf reagiert. Das Ergebnis: Viele Kommunen sind mit der Lage überfordert, müssen Flüchtlinge in Wohncontainern oder Zelten unterbringen. Mancher Bürger hat daher das Gefühl, Deutschland könne damit kaum fertig werden – auch wenn das für die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt sicher nicht zutrifft. Funke klagt, die politischen Verantwortlichen hätten es versäumt, auf solche Ängste in der Bevölkerung einzugehen. Die Linke wirft den Innenministern der Union vor, sie hätten für all das überhaupt erst den Boden bereitet – durch ihre Warnungen vor „Armutszuwanderung“ oder „Asylmissbrauch“.

Wie geht es weiter?

Bisher wurden die Dresdner Demos jede Woche größer. Inzwischen formiert sich aber einiger Widerstand gegen die neue Bewegung. Die Gegendemonstration in Dresden war am Montag fast so groß wie der „Pegida“-Aufmarsch. Experten mahnen, wichtig sei nicht nur breite Gegenwehr dieser Art. Entscheidend sei, vernünftig mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen umzugehen und so den Ängsten in der Bevölkerung zu begegnen. Das Thema „Pegida“ kommt Ende der Woche auch bei der Innenministerkonferenz in Köln auf den Tisch.

Das negative Islam-Bild ist dabei nach Ansicht der Forscher nicht abhängig von Bildungsniveau, politischer Orientierung oder sozialem Status. Entscheidender sei das Alter und der persönliche Kontakt zu Muslimen, so ein Fazit der Studie. Von den über-54-jährigen Nicht-Muslimen fühlen sich 61 Prozent durch den Islam bedroht. Bei den Unter-25-Jährigen sind es nur 39 Prozent. Die Angst vor dem Islam ist dort am größten, wo die wenigsten Muslime leben: In Nordrhein-Westfalen, wo jeder dritte deutsche Muslim zu Hause ist, fühlen sich 46 Prozent bedroht. In Thüringen und Sachsen mit nur sehr wenigen Muslimen sehen sich 70 Prozent vom Islam bedroht.

Der Religionsmonitor basiert auf repräsentativen internationalen Bevölkerungsumfragen aus dem Jahr 2013, mit 14 000 Befragten aus 13 Ländern. Um das Meinungsbild in Deutschland zu erfassen, befragte das Forschungsinstitut TNS Emnid für die Stiftung Ende November 2014 repräsentativ 937 nicht muslimische Deutsche über 16 Jahren.

Von

dpa

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

08.01.2015, 07:57 Uhr

Das Missverhältnis ist augenfällig: Die große Mehrheit der vier Millionen Muslime in Deutschland orientiert sich laut einer Studie an westlichen Werten.

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In den Medien kann man über den Terrorismus am gestrigen 07.01.2015 in Paris lesen dass es der 11.September von Europa war.

Wer so etwas schreibt beweist entweder wenig politischer Verstand...

oder auch Ahnungslosigkeit ?

Beim 9/11 sind mehr als 3500 menschen zum Opfer gefallen...

in Paris 12...Terrorismus ist trotzdem Terrorismus.

Wer aber solche Vergleiche macht mit dem 9/11...

bietet an Neue Terroristen eine Bühne...

und schürt unter dem europäischen Volk eine Trennung herbei.

WACHSAMKEIT IST VON 500 MILLIONEN EUROPÄER GEFORDERT...

für den eigenen als auch für den Schutz von alle Menschen.

Aber in Afrika sind alleine an EBOLA über 7000 Menschen gestorben...

soll AFRIKA dieses als Ihren 9/11 titulieren ???

man kann den Menschen Brot und Wasser geben...

aber leider keine Intelligenz...

damit man vorher überlegt welche Bühnen man nicht geben darf.




Herr Günther Schemutat

08.01.2015, 08:11 Uhr

Die Mehrheit der Muslime in Deutschland sind Türken und es gibt 1 Million Kurden bei uns, die widerum von Türken aus der Türkei vertrieben wurden.

Die Türken und die Kurden bilden je einen Block mit denen man
sprechen kann. Sie leben natürlich bei uns meist friedlich und das Macho Gehabe von Türken auf den Strassen kann man ertragen.

Aber leider gibt es 100 000 Tausend Muslime aus allen Richtungen in Deutschland die Hasserfüllt den Westen verachten
und große Freiräume in Deutschlan haben ihren HAss auszuleben.

Diese Zahl ist zu groß und es gibt tatsächlich sogenannte Deutsche Politiker , die in denen noch etwas gutes sehen und diese Arsc... massiv schützen.

Herr shar wes

08.01.2015, 09:03 Uhr

Ist ja schön aber ich würde mich wirklich freuen, wenn auch die Muslime mal ganz klar und laut Stellung gegen Islamistische Fanatiker bekunden oder nach solchen Morden wie in Paris auf die Straße gehen - da kommt meistens nichts.

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