Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.02.2005

10:16 Uhr

Umfrage unter 1 500 Unternehmen

Forschung folgt der Produktion ins Ausland

Einer Umfrage zufolge halten deutsche Firmen den Forschungs- und Technologiestandort Deutschland allenfalls für mittelmäßig. Die Unternehmen wollen ihre Forschungsausgaben zwar im Inland erhöhen, investieren aber zunehmend auch im Ausland.

HB BERLIN. „Hier findet ein Stück Deindustrialisierung statt“, sagte DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun am Dienstag zum Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter gut 1500 Firmen. Fast jedes zweite Unternehmen habe bereits FuE-Aktivitäten verlagert, weitere 17 % planten dies für die nächsten drei Jahre. Dadurch gehen Deutschland nach DIHK-Schätzung jährlich zwei Mrd. € Forschungsinvestitionen verloren. Dies entspricht knapp sechs Prozent der gesamten Aufwendungen für FuE.

„Forschung und Entwicklung folgen vielfach der Produktion ins Ausland“, sagte Braun. Als Folge verlagerten die Firmen neue Fertigungen ebenfalls ins Ausland. Sollte der Trend anhalten, sieht die Kammerorganisation den hiesigen Forschungsstandort gefährdet. Die Bedingungen in Deutschland bewerteten die Unternehmen lediglich als „oberes Mittelmaß“. Immerhin 30 % der Firmen wollen hier zu Lande in den kommenden drei Jahren mehr in FuE investieren, rund jede sechste den Etat kürzen.

Die Entwicklungsabteilungen wandern vor allem in andere europäische Länder ab. 47 % der Unternehmen nannten die 15 Länder der alten Europäischen Union (EU) als Zielgebiet. Knapp ein Drittel zieht es in mittel- und osteuropäischen Staaten, je 28 % investieren in Nordamerika oder Asien. Im Osteuropa locken vor allem die niedrigen Löhne. Diesen Kostenfaktor nannten drei Viertel der Befragten als Motiv. Die Hälfte gab an, ihre dort ansässigen Produktionsstandorte ergänzen zu wollen. Bei Großunternehmen spielt dies eine deutlich wichtigere Rolle als beim Mittelstand. Darüber hinaus verlagern die Unternehmen Abteilungen, weil Fachkräfte anderswo besser verfügbar sind und die bürokratischen Hürden niedriger. Am stärksten von Abwanderung betroffen sind laut DIHK die IT-Branche, die Pharma- und Autoindustrie sowie die Elektrotechnik und der Maschinenbau.

Wie Braun betonte, treibt auch ein technologiefeindliches Klima Firmen ins Ausland. „Wo ich nicht forschen kann, werde ich auch die Produktion nicht ansiedeln“, warnte der DIHK-Chef. In der Stammzellenforschung, der Gen- und Atomtechnik oder der Nanotechnologie seien die Bestimmungen restriktiv. Die Kammerorganisation forderte bessere Rahmenbedingungen für Innovationen. Der Anteil der FuE-Aufwendungen müsse wie vom Bund versprochen von derzeit 2,5 % des deutschen Bruttoinlandsproduktes auf drei Prozent angehoben werden. Dies entspreche einem Mehraufwand von zehn Mrd. € im Jahr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×