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25.03.2016

12:40 Uhr

Umfrage zur Arbeitsleistung

Deutsche Musterschüler

VonCarsten Herz

Beschäftigte aus der Bundesrepublik zeichnen bei einer internationalen Umfrage das beste Bild von sich selbst. Befragte aus zwei südeuropäischen Staaten schätzen dagegen ihre Arbeitsleistung sehr selbstkritisch ein.

Deutsche Beschäftigte sind nach einer neuen Umfrage regelrechte Musterschüler. Laut Befragung sind sie die effizientesten Arbeiter und haben auch das höchste Selbstbild von sich. dpa

Qualtrics-Umfrage

Deutsche Beschäftigte sind nach einer neuen Umfrage regelrechte Musterschüler. Laut Befragung sind sie die effizientesten Arbeiter und haben auch das höchste Selbstbild von sich.

LondonWelches Land hat die produktivsten Mitarbeiter in Europa? Geht es nach der Selbsteinschätzung der Beschäftigten, kann es darauf nur eine Antwort geben: Deutschland. Die deutschen Beschäftigten sind nach einer neuen Umfrage die effizientesten Arbeiter und haben auch das höchste Selbstbild von sich.

Britische Arbeitnehmer stufen sich dagegen im Mittelfeld ein. Am unteren Ende der Tabelle finden sich dagegen Spanier und Italiener. So glauben satte 52 Prozent der Italiener, dass der Großteil ihrer Arbeitstage unproduktiv ist. Das geht aus einer dem Handelsblatt für Deutschland exklusiv vorliegenden Erhebung im Auftrag der Softwarefirma Qualtrics hervor, die 6250 repräsentativ ausgewählte Beschäftigte in insgesamt 14 Ländern befragte.

Verhaltensökonomie im Trend

Forschungsrichtung

Die Forschungsrichtung der Wirtschaftswissenschaft hat in den vergangenen Jahren Stoff für eine ganze Reihe von Bestsellern geliefert. Die Bücher berichten auf oftmals unterhaltsame Weise über Experimente, die zeigen, wie stark das Verhalten von Menschen durch einfache Kniffe (Nudging) zu beeinflussen ist. Der Klassiker ist „Schnelles Denken, langsames Denken“ (Siedler) von Nobelpreisträger Daniel Kahneman. Er prägte darin die Unterscheidung zwischen dem schnellen, instinktiven „System 1“ des menschlichen Gehirns, das automatische Entscheidungen fällt, und dem reflektierenden, kalkulierenden „System 2“, das für bewusste Entscheidungen verantwortlich ist.

Bestseller

Der Bestseller der angewandten Verhaltensökonomie ist „Nudge“ (Ullstein) von Richard Thaler und Cass Sunstein. Die Autoren haben darin die Grundlagen für eine Politik des sanften Paternalismus gelegt und damit Regierungen weltweit beeinflusst. Aktuell legen beide in separaten Büchern nach. Cass Sunstein verteidigt das Nudge-Konzept in „Why Nudge?“ (Yale University Press) gegen die Kritik, es führe zur Bevormundung der Bürger. Richard Thaler schildert in „Misbehaving“ (W. W. Norton), wie er jahrzehntelang gegen die herrschende Lehre kämpfte und am Ende seine Ideen durchsetzte.

Nudging

Wie Nudging in praktisches politisches Handeln umgesetzt werden kann, beschreibt David Halpern, der Chef des von der britischen Regierung eingerichteten Behavioural Insights Teams. „Inside the Nudge Unit“ (WH Allen) liefert konkrete Beispiele für besseres Regierungshandeln und verschweigt weder die Schwierigkeiten im Kampf mit der Bürokratie noch die Grenzen des Nudging-Ansatzes.

Dan Ariely

Ein weiterer, sehr lesenswerter Verhaltensökonom ist Dan Ariely, der aus Israel stammt und in den USA lehrt. Mit „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ (Droemer Taschenbuch Verlag), einer erweiterten Neuauflage seines Erfolgstitels, hält er Lesern einen Spiegel vor, in dem sie ihre eigene, alltägliche Manipulierbarkeit erkennen.

„Wir steigern das Bruttosozialprodukt, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“, sang vor Jahrzehnten die deutsche Band Geier Sturzflug. Es ist eine Geisteshaltung, die vielen Deutschen bis heute offensichtlich sehr nahe kommt.

Rund 65 Prozent der deutschen Beschäftigten erklärten demnach, dass sie gerne zur Arbeit gehen. Auch in Frankreich und den USA liegen die Quoten auf einem solchen Level. In Großbritannien sind es dagegen satte zehn Prozent weniger.

Bei der Bewertung ihrer Work-Life-Balance liegen die Briten ebenfalls nur im Mittelfeld. Die Deutschen liegen dagegen auch dort mit 66 Prozent Zustimmung in der Spitzengruppe. Am wenigsten zufrieden mit dem Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit sind dagegen die Griechen, bei denen nur jeder Dritte mit der Balance zufrieden ist.

Die glücklichsten Mitarbeiter sitzen jedoch weder in Italien noch in Deutschland. Es sind die Franzosen, die angesichts einer regulären 35 Stunden-Woche mit 68 Prozent am häufigsten erklären, dass sie mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden seien. Am Klischee des Savoir Vivre scheint also doch manches wahr.

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