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05.12.2013

11:33 Uhr

Umfrage zur Brandenburg-Wahl

FDP steuert auf das nächste Debakel zu

Der designierte FDP-Chef Lindner will seine Partei wieder aufrichten. Wie schwer das wird, zeigt eine Umfrage zur Brandenburg-Wahl im kommenden Jahr. Die Liberalen würden demnach aus dem Parlament fliegen

Der FDP steht eine unsichere Zukunft bevor. dpa

Der FDP steht eine unsichere Zukunft bevor.

BerlinKurz vor dem Sonderparteitag der FDP an diesem Samstag in Berlin, auf dem Christian Lindner zum neuen Vorsitzenden gekürt werden soll, stecken die Liberalen weiter im Stimmungstief. Noch ist Zeit, die Partei wieder aufzurichten und wählbar zu machen. Im nächsten Jahr stehen allerdings vier Wahlen an, wo es für die Liberalen um alles oder nichts geht. Neben der Europawahl stehen in drei Bundesländern Landtagswahlen an – in Sachsen, Thüringen und Brandenburg.

Eine Umfrage im Auftrag der „Märkischen Oderzeitung“ und des Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) zur Brandenburg-Wahl im September verheißt nichts Gutes für die FDP. Die Liberalen verlieren demnach einen weiteren Punkt und wären mit zwei Prozent nicht mehr im Potsdamer Landtag vertreten. Auch der Alternative für Deutschland (AfD) würde der Einzug in den Landtag mit drei Prozent nicht gelingen.

Die brandenburgische SPD und die CDU liegen indes in der Wählergunst Kopf an Kopf. In der Sonntagsfrage für die Landtagswahl kommt die SPD auf 32 Prozent und die Christdemokraten auf 30 Prozent. Im Vergleich zur letzten Erhebung durch infratest dimap im August dieses Jahres verliert die SPD einen Prozentpunkt, die CDU bleibt stabil. Die Linke kann in der Wählergunst um zwei Punkte zulegen und erreicht 22 Prozent. Die Grünen verharren bei sechs Prozent.

Chronologie der FDP im Bundestag

1949

Die FDP erzielt bei der Bundestagswahl 11,9 Prozent und verhilft Konrad Adenauer (CDU) zur ersten Kanzlerschaft.

1953

Die Partei rutscht auf 9,5 Prozent ab und regiert weiterhin als stärkster Partner der Union unter Adenauer.

1957

Die Liberalen gehen mit 7,7 Prozent in die Opposition.

1961

Die FDP legt auf 12,8 Prozent zu und bildet mit der Union die erste rein schwarz-gelbe Koalition, zunächst unter Adenauer, ab 1963 unter Ludwig Erhard.

1965

9,5 Prozent reichen zur Fortsetzung des Bündnisses unter Erhard. Ein Jahr später scheidet die FDP aus der Regierung aus, als Union und SPD die erste große Koalition eingehen.

1969

Mit schwachen 5,8 Prozent ermöglicht die FDP die erste sozial-liberale Koalition unter SPD-Kanzler Willy Brandt. Walter Scheel (FDP) wird Vizekanzler.

1972

8,4 Prozent; das rot-gelbe Bündnis regiert weiter.

1976

7,9 Prozent trägt die FDP zur sozial-liberalen Regierung unter Helmut Schmidt bei. Starker Mann der FDP ist Hans-Dietrich Genscher.

1980

10,6 Prozent für Genschers Partei; Rot-Gelb bleibt – noch.

1982

Bruch der Koalition mit der SPD und Wechsel in ein Regierungsbündnis mit der Union unter Kanzler Helmut Kohl (CDU).

1983

Bei der vorgezogenen Wahl fällt die FDP auf 7,0 Prozent. Doch es reicht für die Fortsetzung des gerade erst gebildeten christlich-liberalen Bündnisses. Es hält 16 Jahre.

1987

Die FDP steigert sich auf 9,1 Prozent, das Bündnis bleibt.

1990

FDP-Außenminister Genscher gilt als einer der Väter der Wiedervereinigung. Bei der ersten gesamtdeutschen Wahl stimmen 11,0 Prozent für die Liberalen.

1994

Die FDP sinkt auf 6,9 Prozent – die letzte Phase von Schwarz-Gelb beginnt.

1998

6,2 Prozent – die FDP muss wie die Union für elf Jahre in die Opposition. Das erste rot-grüne Bündnis startet unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder.

2002

7,4 Prozent reichen nicht für den erhofften Machtwechsel.

2005

9,8 Prozent sind wieder zu wenig: Die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) koaliert mit der SPD.

2009

Ein 14,6-Prozent-Rekord sichert den Liberalen fünf Ministerämter in einer schwarz-gelben Regierung unter Merkel.

2013

Die FDP stürzt unter Parteichef Philipp Rösler auf 4,8 Prozent und gehört erstmals dem Bundestag nicht mehr an.

Laut einer weiteren Umfrage für das Hamburger Magazin „Stern“ glaubt allerdings eine Mehrheit der Deutschen, dass der künftige FDP-Chef Lindner die Liberalen wieder aus der Krise führen kann. 42 Prozent der Bürger trauen ihm das zu, wie das Institut Forsa ermittelte. Bei den befragten FDP-Wählern sind davon sogar 86 Prozent überzeugt. Nur 13 Prozent aller Bürger meinen, Lindner sei für diese Aufgabe nicht der richtige Mann. Relativ viele allerdings kennen den 34jährigen Ex-Generalsekretär nicht (21 Prozent) oder erlauben sich kein Urteil über ihn (24 Prozent).

Bei der Sonntagsfrage für den Bund sieht es aber auch finster für die Liberalen aus. Im „Stern“-RTL-Wahltrend stagniert die Partei bei 3 Prozent. Bei der Bundestagswahl im September hatte sie mit 4,8 Prozent der Stimmen erstmals seit 1949 den Sprung in den Bundestag verpasst. Behaupten kann sich die Union, der wie in der Vorwoche 42 Prozent der Wähler ihre Stimmen geben wollen. Die SPD bleibt mit 23 Prozent schwach. Für die Linke wollen sich unverändert 10 Prozent entscheiden. Die Grünen können sich um 1 Punkt auf 10 Prozent steigern.

Der AfD schaden interne Querelen in einigen Landesverbänden bislang nicht, sie liegt weiter bei 5 Prozent. Auf sonstige kleinere Parteien entfallen 7 Prozent (minus 1).

Kommentare (8)

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jupphirsenkoetter

05.12.2013, 11:45 Uhr

sorry, die kann ich nicht mehr waehlen!
Lindner Tritt in die Fussstapfen von dem Spassvogel Westerwelle und laesst bei Zwischenschritten keine Fettnaepfchen aus, in das schon der Brueterle gelatscht ist.
Politik und Parolen auf dem Niveau: das Klientel hat sich geaendert - fordert Qualitaetspolitik und wer kann immer noch nichts anderes liefern als Plattitueden und parolenartige Sprueche, die in die Werbepausen der Kinosaele der 60 letzten Jahrhunderts passen?
Der Herr Partei-Fuehrer!
Merke: Liberalitaet ist teuer und wer kann sich schon jeden Luxus leisten, insbesondere bei einer Ausduennung des Mittelstandes, der zu einem Mittellos-Stand mutiert?

naja

05.12.2013, 11:56 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

drachenfeld

05.12.2013, 12:12 Uhr

Eine Partei, die ihre Inhalte und die Bürgernähe verloren hat, braucht kein Mensch mehr. Der Ausverkauf der Demokratie und Freiheit und schlechtes Personal hat der FDP das Genick gebrochen. Man sollte sie ins Museum der Vergangenheit schicken.

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