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09.02.2004

08:37 Uhr

Umsatzeinbruch bei rezeptfreien Arzneien

Erste Sparerfolge der Gesundheitsreform

Die Gesundheitsreform hat zu einem deutlichen Umsatzeinbruch bei rezeptfreien Medikamenten geführt. Gemessen in Apothekenverkaufspreisen schrumpfte er im Januar um 17,2 % im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum auf rund 444 Mill. Euro. Während im Januar 2003 noch rezeptfreie Medikamente im Wert von rund 182 Mill. Euro zu Lasten der Krankenkassen verordnet worden waren, waren es in den ersten fünf Wochen dieses Jahres nur noch rund 57 Mill. Euro.

pt BERLIN. Dies bedeutet einen Rückgang um 68,8 %. Dies geht aus einer aktuellen Stichprobenerhebung des Instituts für Medizinstatistik (IMS) hervor, die der Verband der Arzneimittelhersteller (BAH) jetzt vorgelegt hat.

Seit Inkrafttreten der Gesundheitsreform dürfen die Kassen rezeptfreie Medikamente nur in Ausnahmefällen erstatten. Die Apotheken sind aber auch nicht mehr wie bisher an gesetzliche Preisvorgaben gebunden. Wurde vor der Gesundheitsreform noch jedes dritte rezeptfreie Präparat von den Krankenkassen bezahlt, war es im Januar nur noch rund jedes zehnte.

Die Verluste von Apotheken und Arzneimittelherstellern im GKV- Markt wurden nach den IMS-Daten nur zum Teil durch Selbstkäufe (Selbstmedikation) oder den Erwerb rezeptfreier Medikamente auf Privatrezept ausgeglichen. Der Verkauf im Rahmen der Selbstmedikation stieg um 4 % auf rund 319 Mill Euro, bei den Privatrezepten war ein Plus von 40,6 % auf rund 68 Mill. Euro zu verzeichnen.

Trotz des starken Einbruchs machten die Apotheken bislang kaum von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Preise zu senken, wie es der Gesetzgeber erwartet hatte. Im Gegenteil. Bei den 50 meist verkauften Handelsformen kam es bei zehn zu Preiserhöhungen um etwa 2 %. Bei 95 Prozent aller Apotheken blieben die Preise unverändert. Drei bis vier Prozent senkten die Preise zwischen sechs bis neun Prozent, ein Prozent griff zu Preiserhöhungen. BAH-Geschäftsführer Hermann Kortland erwartet, dass die Apotheken die Preise auch in den nächsten Monaten kaum senken werden. Schätzungen des Sachverständigenrats für das Gesundheitswesens, nach denen eine Preisfreigabe rezeptfreier Medikamente konservativ gerechnet zu Preissenkungen um 15 % führen würde, seien illusorisch.

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