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15.04.2011

15:32 Uhr

Umschuldung

Deutscher Minister befeuert Griechenland-Debatte

Unbedachte Äußerungen von Politikern können manchmal ungeahnte Reaktionen nach sich ziehen: Außen-Staatsminister Hoyer schickte mit Aussagen zur Umschuldung Griechenlands den Euro auf Talfahrt.

Werner Hoyer. Quelle: dapd

Werner Hoyer.

BerlinEine Umschuldung Griechenlands wäre dem Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, zufolge keine Katastrophe. Wenn Griechenlands Gläubiger Gespräche mit der griechischen Regierung als hilfreich erachteten für ein Restrukturierung der Schulden, dann würde Deutschland das unterstützten, sagte Hoyer im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag. Es sei offen, ob die bisherigen Maßnahmen Griechenlands ausreichend seien. "Wir schauen uns die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung an, und

wir sind besorgt", sagte Hoyer.

Die Aussagen Hoyers zogen sofort eine Marktreaktion nach sich. Der Euro fiel auf ein Tagestief von 1,4406 Dollar. Der Renditeaufschlag für zehnjährige griechische Staatsanleihen zur Bundesanleihe mit gleicher Laufzeit erreichte ein Rekordhoch von 1036,9 Basispunkten.

An den Finanzmärkten wird zunehmend mit einer Umschuldung Griechenlands gerechnet. Auch in der Bundesregierung und in anderen europäischen Regierungen gibt es maßgebliche Stimmen, die eine Umschuldung des Euro-Landes über kurz oder lang für wahrscheinlich halten. Mit weiteren Sparmaßnahmen und Privatisierungen will die Regierung in Athen einen solchen Schritt aber vermeiden.

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou erteilte einer Umschuldung der griechischen Milliarden-Schulden eine klare Absage: "Das Land muss umstrukturiert werden, nicht die Schulden", betonte er.

Weitere massive Anstrengungen sind nötig, weil 2012 das Hilfsprogramm von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) endet, das Griechenland mit 110 Milliarden Euro unterstützt. Außerdem hofft die griechische Regierung, so eine Umschuldung noch abwenden zu können, welche die Aufnahme neuer Kredite noch weiter verteuern könnte.

Die Spekulationen über die Notwendigkeit eines scharfen Schnitts bei den griechischen Schulden nehmen seit Tagen zu. Nach Informationen der "Zeit" wird in EU-Kreisen auf Arbeitsebene davon ausgegangen, dass 40 bis 50 Prozent der griechischen Verbindlichkeiten gestrichen werden müssen, damit das Land wieder auf die Füße kommt. Offiziell lehnt die EU eine Umschuldung ab.

Kommentare (6)

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Regulator

15.04.2011, 16:13 Uhr

Warum unbedacht? Herr Hoyer wird wohl ziemlich genau wissen, was er wann und warum sagt!

Account gelöscht!

15.04.2011, 17:28 Uhr

Weiss eigentlich Hoyer welche Folgen ein Hair Cut von Griechenland für die deutsche Volkswirtschaft hätte?

Bei der Euro-Rettung soll die deutsche Politik folgende Fakten nicht übersehen:

1. Wenn die Gläubiger von schwächelnden Staaten sich durch einen Forderungsverzicht an deren Rettung beteiligen müssen - kann mit hohen Ausfällen bei den deutschen Landesbanken, der HRE und der Commerzbank gerechnet werden. Diese Banken zeichnen sich v.a. durch eine hohe Staatsbeteiligung aus. Im Endeffekt zahlt wieder der deutsche Steuerzahler. Wer glaubt mit einem Hair-Cut kommt Deutschland ungeschoren davon, denkt einfach zu kurz.

2. Die Frage ist: Kann sich unsere Exportindustrie einen totalen Konsumverzicht (Wegbrechen dieser Märkte) von vielen südländischen Ländern leisten. Wie hoch ist hier der Exportrückgang - kann er anderweitig substituiert werden?

3. Wenn es in Pleitestaaten zu sozialen Schieflagen kommt und dadurch schlimmstenfalls ein Bürgerkrieg ausgelöst wird - was machen die Menschen? Kommen sie möglicherweise ins "reiche Deutschland"? Ist vielleicht sogar der soziale Frieden in ganz Europa in Gefahr?

Wir sollten uns als wirtschaftlich starkes Deutschland Alternativszenarien ausdenken, die

- unsere finanzielle Beteiligung an der Rettung dieser Länder begrenzen und

- gleichzeitig den Ländern/Menschen in Südeuropa helfen wieder auf die Beine zu kommen ohne

- völlig in Armut und Perspektivlosigkeit zu versinken.

Vielleicht ist der Ansatz der EU-Komission, europäische Infrastrukturprojekte (Schiene, Stromnetze, DSL-Leitungen, Häfen etc.) gemeinschaftlich zu finanzieren und voranzubringen der richtige Weg um die Wettbewerbsfähigkeit der schwachen Länder zu stärken und trotzdem nicht die Lasten nur auf wenige reiche Länder zu verteilen.

Die Stabilisierung der europäischen Währung und mit ihr der ganzen Wirtschafts- und Sozialunion Europa wird ein sehr wichtiges Projekt für diese und die nächsten deutschen Regierungen.

Nichtwaehler

15.04.2011, 17:40 Uhr

"Weiss eigentlich Hoyer welche Folgen ein Hair Cut von Griechenland für die deutsche Volkswirtschaft hätte?"

So eine blöde Frage kann nur ein von den Medien gehirngewaschener Mensch von sich geben. Nicht so oft die Nachrichten vom Staatsfernsehen schauen! Das hilft. Da kann man irgendwann wieder selbst denken. Das Geld, was grenzenlos in den Euro reingepumpt wird, ist doch viel schlimmer. Die Schulden können die doch niemals zurückzahlen. Soviel Sparmaßnahmen können die Schuldenländer garnicht einleiten. Deutschland wird als Super-Aufschwungwunder gefeiert. Und trotzdem sind wir mit Billionen !! verschuldet. Selbst wir versuchen nur unsere Neuverschuldung einzudämmen. An Rückzahlung ist doch im Traum nicht zu denken. Selbst nicht bei den grandiösen Zinskonditionen die ein wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland bekommt. Die Euro-Schuldenstaaten haben so eine miserable Bonität, dass sie enorm höher Zinsätze auferlegt bekommen und das verbunden mit extremen Sparauflagen. Die sind faktisch bankrott und handlungsunfähig. Jedem mit normalgewachsenen Gehirn muss doch somit die Absurdität einer glaubwürdigen Schuldenrückzahlung durch die Pleiteländer klar werden.

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