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09.06.2011

13:18 Uhr

Umschuldungs-Debatte

Milliarden-Lasten durch Griechen-Rettung

Eine Umschuldung Griechenlands rückt näher. EU-Währungskommissar Rehn will private Gläubiger daran beteiligen. Damit kommen auf den Steuerzahler in Deutschland Milliarden-Lasten zu.

Angela Merkel. Quelle: Reuters

Angela Merkel.

Brüssel/BerlinIn der Eurozone werden konkrete Modelle einer "sanften" Umschuldung Griechenlands debattiert. Die Euro-Finanzminister hätten bereits am gestrigen Mittwoch über eine "Wiener Lösung" gesprochen, bei der private Gläubiger wie etwa Banken neue griechische Staatsanleihen kaufen würden, wenn die alten auslaufen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn nach Angaben seines Sprechers. Rehn ist in die Debatten der Minister eingebunden.

Der Name beruht auf der sogenannten Wiener Initiative, bei der sich 2009 Banken im Rahmen der Rettung von mittel- und osteuropäischen Staaten wie Ungarn, Lettland oder Rumänien bereiterklärt hatten, ihre Engagements in den Ländern aufrechtzuerhalten. Nach Angaben von Diplomaten telefonierten die obersten Kassenhüter miteinander.

Rehn habe ebenfalls bestätigt, dass auch über die Möglichkeit einer freiwilligen Neuaufstellung ("Reprofiling") der griechischen Staatsschuld gesprochen werde, sagte der Sprecher. Bedingung ist laut Rehn, "dass die keinen Zahlungsausfall bedeutet". Nach Einschätzung von Experten würde dies auf eine Laufzeitenverlängerung von Staatsanleihen hinauslaufen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte sich in einem Brief an seine Euro-Amtskollegen für eine "sanfte" Umschuldung des Krisenstaates und für ein zweites Rettungspaket ausgesprochen. Er pocht dabei auch auf die Beteiligung privater Gläubiger wie Banken und Versicherungen.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld hält eine Umschuldung für unausweichlich. "Meines Erachtens ist es nur noch eine Frage des Wann und Wie", sagte Feld im Südwestrundfunk. Realistisch betrachtet habe das Euro-Land keine Chance, seine Schulden zurückzuzahlen. Mit einer sanften Umschuldung - durch den Tausch alter Staatsanleihen gegen neue mit längerer Laufzeit - werde womöglich zwar die Feststellung eines Zahlungsausfalls vermieden. Diese Erleichterung würde vermutlich aber nicht ausreichen, um Griechenland zu sanieren, sagte der Freiburger Ökonom, der dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angehört.

Auch ein neues Hilfspaket kann nach seinen Worten nicht für eine Rettung sorgen, sondern allenfalls eine harte Umschuldung verhindern. "Man möchte also auf keinen Fall, dass Griechenland unkoordiniert, ohne dass die Partner vorbereitet sind, den Zahlungsausfall erklären muss", sagte der Volkswirt.

Eine Umschuldung des Landes wird Feld zufolge auch den heimischen Haushalt treffen, da Deutschland Garantien und Bürgschaften abgegeben habe und sich außerdem an den Verlusten der Europäischen Zentralbank (EZB) beteiligen müsse. Den deutschen Steuerzahler werde dies "mehrere Milliarden" kosten, sagte Feld.

Der weltgrößte Staatsanleihenhändler Pimco plädiert für eine Beteiligung an der Restrukturierung Griechenlands. „Ich befürworte eine Beteiligung des privaten Sektors einfach der Fairness halber“, sagte Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements der Allianz-Tochter . Er bezweifle aber, dass sich genügend Gläubiger freiwillig beteiligen würden. Pimco selbst halte keine griechischen Staatsanleihen mehr.

Kommentare (22)

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Otto

09.06.2011, 13:29 Uhr

"Wer ist für die Schulden Griechenlands verantwortlich? In 1. Linie die Griechen. Warum bezahlen die ihre Schulden nicht selbst? Warum werden die Gelder die in den letzten 3 Jahren aus Griechenland gebracht wurden nicht zwangs- weise zurückgeholt und damit Anleihen der "Ausländer" abgelöst? Alle in den letzten Jahren 10 Jahren politisch verantwortlichen müssen ihre ausl. Guthaben durch eine Befreiung der ausl. Banken vom Bankgeheimnis offenlegen. Sollte von diesem Personenkreis und den näheren Verwandten Gelder im Ausland angelegt sein, ist eine längere Zuchthausstrafe wegen Steuerhinterziehung/ Geldwäsche angezeigt. Erst wenn diese Gelder eingesetzt sind kann die EU und andere Hilfe leisten"

Account gelöscht!

09.06.2011, 13:31 Uhr

Die Banken müssten gezwungen werden die Schulden zu streichen,
sie sind es doch die solche Situationen durch Kredite provozieren.

Medialescheinwelt

09.06.2011, 13:37 Uhr

Wer wissen will wie Geld entsteht sollte folgende Filme sehen:

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