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29.06.2012

20:13 Uhr

Umstrittene Abgabe

Deutschland hält an Flugticketsteuer fest

Die Bundesregierung hat Forderungen von Kritikern nach einer Abschaffung der Ticketsteuer zurückgewiesen. Ein Bericht des Finanzministeriums hätte keine entscheidenden Gegenargumente vorbringen können, hieß es.

Die Flugticketsteuer wird vorerst bleiben. dpa

Die Flugticketsteuer wird vorerst bleiben.

BerlinDie Fluggesellschaften werden vorerst weiter mit der von ihnen hart bekämpften Ticketsteuer leben müssen. In der Regierung hieß es am Freitag in Berlin, ein Bericht des Finanzministeriums an den Bundestag habe keine überzeugenden Argumente gegen die Steuer geliefert. „Es gibt keinen Grund, von dieser Steuer Abstand zu nehmen“, sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter. Im vergangenen Jahr sei das Passagieraufkommen sogar um 4,8 Prozent auf fast 200 Millionen gestiegen. Allerdings wird in dem Bericht eingeräumt, dass es ohne die Steuer möglicherweise um ein Prozent höher gewesen wäre. Von einer massiven Schädigung der Fluggesellschaften könne deshalb allerdings keine Rede sein.

Die 2011 eingeführte Steuer spült dem Bund pro Jahr rund eine Milliarde Euro in die Kassen. Je nach Flugdistanz beträgt sie 7,50 Euro, 23,43 Euro oder 42,18 Euro pro Ticket. 55 Prozent des Steueraufkommens werden von deutschen Unternehmen gezahlt.

Welche Airlines der Umwelt schaden

Das Atmosfair-Ranking

Einmal jährlich bewertet die Umweltorganisation Atmosfair die Umweltfreundlichkeit der größten Airlines. Dazu werden u.a. der CO2-Ausstoß der Airlines und die eingesetzten Flugzeuge gemessen. Billigflieger tauchen bisher aus methodischen Gründen nicht im Ranking auf. Welche Airlines am schlechtesten abgeschnitten haben.

Platz 10

SAS Scandinavian Airlines: 45,7 Effizienzpunkte

Harte Konkurrenz, hohe Produktionskosten und eine suboptimale Struktur mit den drei kleinen Heimatflughäfen machen die Fluggesellschaft finanziell angreifbar. Auch die Umweltbilanz fällt trübe aus.

Platz 9

Royal Jordanian: 44,7

Die königliche Airline von Jordanien gehört zur oneworld-Allianz. Insbesondere der vermehrte Einsatz von Kleinjets zieht die Airlines im Ranking auf die hinteren Plätze.

Platz 8

Air India: 43,3

Die indische Regierung musste die Fluggesellschaft im April mit 4,4 Milliarden Euro retten. Zuletzt traten die Piloten der indischen Airlines wegen schlechter Arbeitsbedingungen in einen Hungerstreik. Auch im Umweltranking gehören die Inder zu den Schlusslichtern.

Platz 7

LOT - Polish Airlines: 42,9

Die Polen steckten in den vergangenen Jahren tief in finanziellen Schwierigkeiten. Obwohl die Passagierzahlen um neun Prozent zugelegt haben, fliegt die Airlines weiter in den roten Zahlen. Auch die Umweltbilanz fällt schlecht aus.

Platz 6

Iran Air: 42,4

Der Vogel am Heck der iranischen Airlines soll der Legende nach Glück und Freude bringen. Stattdessen bringen die 49 Maschinen vor allem eins: CO2. Denn die Flotte ist mit einem Durchschnittsalter von 24,5 Jahren gnadenlos überaltet.

Platz 5

Brussels Airlines: 42,3

Die Lufthansa-Tochter ist traditionell sehr stark in Afrika engagiert. Im Umweltschutz nicht. Mit einem Flottenalter von durchschnittlich 12,8 Jahren landet die Airline auf den hinteren Plätzen.

Platz 4

Virgin Atlantic Airways: 42,0

Die Fluggesellschaft von Milliardär Richard Branson schneidet im Klimaranking schlecht ab und verpasst die Top drei der größten Sünder nur knapp.

Platz 3

Saudi Arabian Airlines: 38,0

Die saudi-arabische Airlines gehört zu den größten Fluggesellschaften im Nahen Osten. Die Araber müssen am Treibstoff nicht sparen - das schlägt auf die Klimabilanz durch.

Platz 2

Kuwait Airways: 37,2

Die 24 Flugzeugen verfügt die kuwaitische Fluggesellschaft nur über eine kleine Flotte. Doch die veralteten Maschinen verpesten die Umwelt.

Platz 1

Malaysia Airlines: 35,2 Effizienzpunkte

Die malaysische Fluggesellschaft ist der größte Umweltsünder unter den internationalen Airlines. Due Energieeffizienzklasse F erreichen sonst nur Regionalflieger.

Unter anderem hatte Air Berlin-Chef Hartmut Mehdorn gegen die Steuer Stellung bezogen. Aber auch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte sie eine „schmerzhafte Belastung“ für die Fluggesellschaften genannt. Im Finanzministerium wurde die Kritik als übertrieben zurückgewiesen. Außerdem habe bei der Verabschiedung des Haushalts 2013 und des Finanzplans des Bundes bis 2016 am Mittwoch im Kabinett kein Minister dagegen gestimmt. „Wir können auf die Luftverkehrssteuer nicht verzichten“, hieß es. Auch an den Steuersätzen seien keine Änderungen geplant.

Bestätigt sieht sich das Ministerium durch den Bericht des Schweizer Instituts Infras, der Reuters vorliegt. Die Zuwachsrate beim Passagieraufkommen im ersten Jahr der Steuer 2011 sei mit 4,8 Prozent die gleiche gewesen wie im Jahr davor. Heruntergebrochen auf die einzelnen Flughäfen ergibt das Gutachten aus Sicht des Ministeriums ein differenziertes Bild. So sanken die Passagierzahlen etwas am Flughafen Hahn von 3,454 Millionen 2010 auf 2,829 in 2011. Allerdings sei die Anzahl der Fluggäste dort bereits in den Vorjahren rückläufig gewesen.

„Die Mehrheit der Flughäfen verzeichnet deutliche Zuwächse“, hieß es im Finanzministerium. Gleichwohl wurde eingeräumt, dass Airports, die vor allem von Billigfluglinien leben, Einbußen zu verzeichnen hätten. Vor allem bei Inlandsflügen sei das aber pauschal nicht der Fall, weil es dort mit Air Berlin und Lufthansa nur zwei Anbieter und kaum Wettbewerb gebe.

Unterm Strich kommt das Ministerium zum Ergebnis, dass Berechnungen des Flughafenverbandes ADV, wonach ohne die Ticketsteuer fünf Millionen Menschen mehr geflogen wären, nicht zu rechtfertigen seien. Der Dämpfungseffekt liege eher zwischen 1,4 und zwei Millionen, die in Nachbarländer oder auf andere Verkehrsmittel ausgewichen seien. Zudem hätten die vielfältigen Probleme der Branche nichts mit der Steuer zu tun. Der ADV erklärte dagegen, wegen der Ticketsteuer müssten die Flughäfen Mindereinnahmen von 180 Millionen Euro verkraften.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Newton

30.06.2012, 08:59 Uhr

Dann macht man so weiter. Leider fliegt man dann eben nicht mehr mit Lufthansa in die USA, sondern nimmt KLM von Amsterdam.

Ameise

30.06.2012, 10:10 Uhr

....oder British Airways von London Heathrow. Tut mit leid, für die Lufthansa, die wir lieben. Aber: bei zwei Personen in die USA Hin-und Rückflug mal eben 180 Euro extra für den deutschen Staat abdrücken, damit er unser Geld an die PIGS verteilt, kommt nicht in Frage.

Account gelöscht!

30.06.2012, 11:10 Uhr

Na, dass nenn ich soziale Gerechtigkeit und wieder einmal Umverteilung von oben nach unten. Der Harz4-Pöbel und der Unterschichten-Mob fliegt ja auch nicht !

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