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05.06.2014

16:43 Uhr

Umstrittene Erdgasförderung

Kraft mit entschiedenem Nein zum Fracking

Die geplante gesetzliche Regelung des Gas-Frackings sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Gefordert wird ein Verbot, Linke und Grüne warnen vor einer schleichenden Einführung der Förderung.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihr Nein zur umstrittenen Fracking-Methode bekräftigt: „Solange ich in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin bin, wird es hier kein Fracking für die unkonventionelle Erdgasförderung geben“. dpa

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihr Nein zur umstrittenen Fracking-Methode bekräftigt: „Solange ich in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin bin, wird es hier kein Fracking für die unkonventionelle Erdgasförderung geben“.

BerlinWegen möglicher Risiken für das Trinkwasser fordert eine breite Protestfront ein Fracking-Verbot in Deutschland. „Solange ich in Nordrhein-Westfalen Ministerpräsidentin bin, wird es hier kein Fracking für die unkonventionelle Erdgasförderung geben“, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag in Düsseldorf. „Wir brauchen ein Gesetz, das strenge Auflagen in Deutschland festschreibt“, appellierte Kraft an die Bundesregierung.

Falls möglich, will das Kabinett bis zum Sommer gesetzliche Regeln auf den Weg bringen - bisher gibt es keine richtigen Leitplanken für die Technologie.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) kündigte in den „Ruhr Nachrichten“ sehr strikte Auflagen an. „Entsprechend den Vorgaben des Koalitionsvertrages soll das unkonventionelle Fracking, insbesondere Schiefergas, mit umwelttoxischen Stoffen verboten werden.“ Dies gelte auch für Forschungszwecke. „Wir können uns auch bei Probebohrungen keine Kompromisse zulasten des Trinkwasserschutzes leisten.“ Laut Hendricks ist Fracking nicht dazu geeignet, sich unabhängiger von russischem Gas zu machen. Ab 2015 sollen die Regeln gelten.

Fracking: Segen oder Umweltverbrechen?

Erbitterter Streit

Neue Technologien sind oft umstritten. Doch beim Fracking geht der Streit weit über das normale Maß hinaus. Ist die Fördertechnik für Erdgas der Umweltfeind Nummer eins seit der Atomkraft? Oder doch nur eine missverstandene, aber vielversprechende Technologie?

Die Technik

Beim Fracking wird kilometertief in die Erde gebohrt - und dann noch einmal horizontal, zuweilen sechs Kilometer weit. In die Kanäle wird ein Chemiecocktail gepresst, der den Boden aufreißt. Sand in der Flüssigkeit sorgt dafür, dass sich die Risse nicht wieder schließen. Durch sie treten das Erdgas - oder andere Rohstoffe - aus, die dann wie üblich gefördert werden können.

Die Szenerie

Im kanadischen Dawson Creek stand erst ein Bohrturm, 50 Meter hoch. Danach kam das eigentliche Fracking: Sechs gewaltige Trucks stehen dicht nebeneinander und pumpen die Lauge in die Bohrlöcher, 100.000 Kubikmeter pro Bohrfeld. Man versteht sein eigenes Wort nicht, aber die Arbeiter schauen fast gelangweilt auf die Messinstrumente. Ihre Schichten sind hart, der Lohn sind 70.000 bis 140.000 Euro im Jahr. Sind sie weg, ist auch der Lärm weg. Dann soll das Gas 20, 30 Jahre leise aus der Erde in die Pipelines steigen.

Die Gegner

Don Vander Velde ist 68 Jahre alt. Sein ganzes Leben hat er auf dem Land in Alberta, Kanada, gelebt, das seiner Familie seit 1904 gehört. Seit einem Jahrzehnt wird in der Nähe gefrackt. „Manchmal bebt der Boden“, sagt der Farmer. „Und was für Chemikalien kommen da rein?“ Don ist beunruhigt, weil er Kinder, Enkelkinder und eine Urenkelin hat. Die kleine Aspen ist zehn Monate. „Ich bin alt, aber ich möchte nicht ihre Zukunft verspielen.“ Dabei habe er nichts gegen die Förderung. „Ich will auch Energie. Alberta braucht das Gas, so wie es uns Farmer braucht. Also fördert! Aber macht es sicher!“

Das Unternehmen

Encana ist ein Fracking-Riese und Kellen Foreman ist seit elf Jahren dabei. „Wir wollen Transparenz“, beteuert der 29-Jährige. Deshalb würden für Millionen Dollar Zehntausende Wasserproben untersucht. „Und bei nicht einer einzigen ist irgendwo in Kanada eine Verunreinigung des Trinkwassers nachgewiesen worden.“ Und die Erschütterungen? Nur mit feinen Instrumenten messbar. Er könne die Sorgen der Menschen völlig verstehen. „Aber es steckt eine Menge Wissenschaft hinter Fracking. Wir sind keine Cowboys, die da rausgehen und die Erde aufwühlen. Das ist Hochtechnologie.“

Die Politikerin

Hannelore Kraft ist 8000 Kilometer weit gereist, um sich selbst ein Bild zu machen. Mit rotem Overall und weißem Helm steht die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen im Matsch von Dawson Creek in der Wildnis Kanadas, spricht mit den Arbeitern, untersucht die Bohrköpfe und befühlt die Chemielauge, die verpresst wird. „Ich kann mir das im Münsterland nicht so recht vorstellen“, sagt sie. Kraft ist beeindruckt, das merkt man ihr an. Auch von der Offenheit der Arbeiter und der Bohrfirma - in den Augen vieler doch „die Bösen“. Aber kann die Technik auch in Deutschland eingesetzt werden, einem Land das mehr als doppelt so viele Einwohner wie Amerika auf einem Dreißigstel der Fläche hat? „Es ist noch nicht reif, das zu entscheiden. Aber ich kann mir das im dicht besiedelten NRW kaum vorstellen.“

Der Wissenschaftler

Uwe Schneidewind ist einer der wenigen Fracking-Experten in Deutschland. Der Professor und Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sieht vier Punkte zur Beurteilung von Fracking: klimapolitisch („Unkonventionelle Kohlenstoffvorkommen möglichst nicht anrühren“), volkswirtschaftlich („Arbeitsplatzeffekt ist vorhanden, aber beschränkt“; „Gaspreis sinkt, aber in Europa nicht nachhaltig“), geostrategisch („Abhängigkeit von anderen sinkt, bleibt aber bestehen“) und ökologisch („selbst bei Lösung vieler Probleme in Europa nicht wirklich attraktiv“).

Die Filme

„Gasland“ war ein Welterfolg. Der Dokumentarfilm von Josh Fox aus dem Jahr 2010 wurde nicht nur für den Oscar nominiert, sondern er hat das Thema Fracking auch für die breite Öffentlichkeit erst auf die Tagesordnung gesetzt. In der Schlüsselszene wird ein Wasserhahn aufgedreht und das Wasser angezündet – es brennt. Scharfe Kritik kam von der Branche, aber auch durch einen Kollegen: In „FrackNation“ bezichtigt Filmemacher Phelim McAleer seinen Kollegen Fox, wissentlich ungenau gewesen zu sein. So habe es Berichte über entzündetes Leitungswasser lange vor Fracking gegeben. Inzwischen gibt es „Gasland II“. Als die Dokumentation im April auf dem New Yorker Tribeca-Filmfestival gezeigt wurde, wurden Fans von „FrackNation“, trotz Karten, nicht eingelassen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, mit Hendricks für eine Regelung zuständig, hatte zuvor betont, in Wasserschutzgebieten Fracking generell zu verbieten - damit würden 14 Prozent der Landesfläche ausscheiden. Unklar ist aber bisher, ob es zunächst Testprojekte geben wird beziehungsweise ob und wann eine Förderung auch in größerem Stil noch ermöglicht werden soll. Linke und Grüne fürchten eine schleichende Einführung, sie fordern ein generelles Verbot.

Bei der Fracking-Technologie wird Gestein in mehreren tausend Metern Tiefe unter Einsatz eines Gemisches aus Wasser, Sand und Chemikalien mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen, um das Gas zu fördern. In den USA führte das Verfahren zu einem Gas-Boom. Auch in Deutschland werden zum Beispiel in Schiefergestein Vorkommen vermutet - Studien zufolge könnte über zehn Jahre der Bedarf gedeckt werden.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

05.06.2014, 16:53 Uhr

Zitat : Die geplante gesetzliche Regelung des Gas-Frackings sorgt für reichlich Diskussionsstoff.

- Fracking gehört VERBOTEN !

Basta !

Account gelöscht!

05.06.2014, 17:32 Uhr

*Studien zufolge könnte über zehn Jahre der Bedarf gedeckt werden.*

Und für diese kurze Zeitspanne hat man dann die Umweltzerstörung/Probleme an der Backe, damit ein paar Gierige damit Profitmachen? Und wahrscheinlich auch noch aus Steuergeldern durch Subventionen finanziert? Klasse Idee^^

Account gelöscht!

05.06.2014, 17:39 Uhr

Studien zufolge könnte über zehn Jahre der Bedarf gedeckt werden.

UND DANN????

Zehn Jahre ist ein verschwindend kleiner Zeitraum und lohnt für so einen riesigen Aufwand nicht.
Zum anderen weiß niemand was sich mit den Chemikalien für schädliche und giftige Verbindungen
bilden können und sicher auch werden und welche Schäden damit angerichtet werden können und wann die Brühe wieder und in welcher Form an die Oberfläche gelangen wird.

Darum Fracking total Verbieten auch probehalber.

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