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28.05.2013

21:43 Uhr

Umstrittene Gasförderung

Merkel warnt vor Fracking-Chemikalien

Die Bundeskanzlerin wird das Thema Fracking nicht los. Angela Merkel mahnt zur Vorsicht bei der neuen Gasfördermethode. Ein klares Nein gibt es von ihr aber weiterhin nicht zu hören.

Mitglieder des Aktionsbündnis „No Moor Fracking“ in Niedersachsen: „Wir müssen alles tun, damit wir Umweltrisiken nicht eingehen“. dpa

Mitglieder des Aktionsbündnis „No Moor Fracking“ in Niedersachsen: „Wir müssen alles tun, damit wir Umweltrisiken nicht eingehen“.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zurückhaltend über den Einsatz der Fracking-Technologie zur Gasförderung geäußert. „Wir müssen alles tun, damit wir Umweltrisiken nicht eingehen“, sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstagabend in einer telefonischen Frage-Antwort-Runde mit Parteimitgliedern. Die bei der Methode verwendeten Chemikalien seien sehr schädlich, weshalb man mit äußerster Vorsicht vorgehen müsse.

Das Ziel der Bundesregierung sei, mit einer gesetzlichen Neuregelung Fracking „zu beschränken und zu erschweren und viel umweltverträglicher zu machen gegenüber dem heutigen Rechtszustand“, betonte sie. Bisher gelte nur das Bergrecht, künftig solle es bei Genehmigungsverfahren auch Umweltverträglichkeitsprüfungen geben.

Die Koalition hatte sich beim Fracking auf einen Kompromiss geeinigt, der neben einer Umweltverträglichkeitsprüfung und dem Verbot in Wasserschutzgebieten auch generell ein Einvernehmen mit den Wasserbehörden für Bohrungen vorsieht. Rund um den Trinkwasserspeicher Bodensee soll die umstrittene Fördermethode ausgeschlossen werden. Auch der Umgang mit den Fracking-Flüssigkeiten wurde genauer geregelt. Der Bundesrat hat jedoch bereits angekündigt, das Gesetzesvorhaben abzulehnen.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Am Montag hatte CDU-Generalsekräter Hermann Gröhe eine rigidere Haltung als Kanzlerin Merkel geäußert. Fracking komme „bei den heutigen technischen Möglichkeiten nicht in Frage“, sagte Gröhe „sehr einig“, dass beim Fracking eine Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend sei - und dass diese das geeignete Instrument sei, den Einsatz „gesundheitsgefährdender Chemikalien zum Zwecke der Gasgewinnung zu untersagen“.

Die Grünen im Bundestag legten am Montag einen Gesetzentwurf vor, der das Fracking grundsätzlich verbietet. Mit dem Entwurf wird das Bergbaugesetz ergänzt, das bislang die umstrittene Förderung aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten regeln würde.

In Ländern wie den USA boomt die Ausbeutung bislang schwer zugänglicher Gas- und Ölvorkommen. Die Internationale Energieagentur (IEA) spricht sogar von einem „Angebotsschock“ in den USA, der den weltweiten Energiemarkt völlig neu ordnen werde. An der Wirtschaftlichkeit einer Schiefergas-Förderung in Deutschland gibt es aber Zweifel.

Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dort eingeschlossenes Gas oder Öl freizusetzen. In den USA wird die Methode im großen Stil eingesetzt, was zu sinkenden Energiepreisen in Nordamerika geführt hat. Die Folgen für die Umwelt sind aber wenig erforscht. Die Technologie ist unter anderem deshalb umstritten, weil dabei Chemikalien eingesetzt werden, die auch das Trinkwasser verunreinigen könnten.

Kommentare (51)

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gaul

28.05.2013, 22:53 Uhr

"Die Koalition hatte sich beim Fracking auf einen Kompromiss geeinigt, der..." - DAS ist der nächste kleine Trippleschritt der Großen wie Exxon Mobil, die kleinen, vielen unnötigen Menschen defacto zu vernichten. Ohne Lärm. Ohne Krieg. Néstle will das Trinkwasser privatisieren, es sei ein Konsumgut und nicht lebensnotwendig. Nun wird es auch noch vergiftet; ein Großer nimmt einem potentiell künftig anderen eigentlich Märkte weg. WEHRT EUCH ENDLICH. MARSCHIERT AUF DIE STRASSEN!! REVOLUTIONEN. Auch Merkel & Co sind unter Druck (...)Fracking ist neben der Seuche durch Monsanto, alles mit Gentechnik zu "infizieren", ein weiterer ähnlicher Weg der Ausrottung. Durhc neue Krankheiten. Gut für die Pharmaindustrie. Mehr nicht. Aber auch nicht: weniger.


Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

vandale

28.05.2013, 22:54 Uhr

Fracking erlaubt es neue Gas- und Oelvorkommen zu erschliessen. Preiswerte Energie heisst Wohlstand für Alle. Das ist den Oekologen naturgemäss ein Graus. Predigen sie doch eine asketische, mittelalterliche Gesellschaft in der sich nur mehr Sonnenkönige und andere Auserwählte Monilität, Heizung und Strom leisten können.

Das massgebliche Handlungsmotiv der ehemalige FDJ Sekretärin und heutigen Kanzlerin ist ihr Wille zur Macht. Da die Medien links-ökologisch geprägt sind, agiert sie sozialistisch und ökoreligiös.

Die Gesellschaft scheint dies zu dulden. Den grössten Schaden hat sie mit den Bürgschaften für überschuldete Staaten Südeuropas angerichtet, ein Währungszusammenbruch kann Billionen kosten. Die Energiewende und der Ruf der "Klimakanzlerin" kostet aktuell etwas über ca. 30 Mrd. /a mit rasant steigender Tendenz. Aufgrund des begrenzten Erdgaspotentials Deutschlands dürfte der Schaden eines Frackingmoratoriums die Gesellschaft etwas weniger kosten.

Es ist schon faszinierend welche Politiker in Deutschland gewählt werden.
Faszinierend ist es auch dass sich eine Gesellschaft mit echt hoher und teurer formaler Bildung solche Phantasiegeschichten wie "Verseuchte Erde durch Fracking", Waldsterben, die Saga einer CO2 Klimahölle, Dämonische Atomstrahlen, mit ungelösten Endlagerfragen, Gräusliche Genkreaturen uvm. erzählen lässt. Die Menschen sind nicht klüger als im Mittelalter.

Vandale
Vandale

Account gelöscht!

28.05.2013, 23:19 Uhr

darum gibts nach Agent Orange in Vietnam oder zb in Japan rund um Hiroshima immer noch Missbildungen..... weils alles nur "horror märchen" sind..

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