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16.07.2012

16:53 Uhr

Umstrittene Personalpolitik

Familienministerin Schröder unter heftigem Beschuss

VonDietmar Neuerer

ExklusivKristina Schröder hat es nicht einfach: Was die Familienministerin anstößt, wird regelmäßig von allen Seiten zerpflückt. Dass sie jetzt ihre wichtigste Frauenexpertin entlassen hat, sorgt auch für heftigen Wirbel.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). dpa

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU).

BerlinBundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) ist wegen ihrer nebulösen Personalpolitik unter heftigen Beschuss geraten. Es geht um die Leiterin der Abteilung "Gleichstellung und Chancengleichheit" in ihrem Ministerium, Eva Maria Welskop-Deffaa. Die 53-Jährige, die europaweit als eine der führenden Expertinnen für Frauenrechte und Gleichstellungspolitik gilt, ist überraschend mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden. Über die Gründe für diese Entscheidung gab es zunächst keine weiteren Angaben - Welskop-Deffaa hatte sich allerdings in der Vergangenheit beim Thema Frauenquote von Schröder, die keine gesetzliche Regelung anstrebt, abgegrenzt.

Für die Opposition ist der Vorgang eine Steilvorlage. Die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, warf Schröder Versagen auf ganzer Linie vor. „Die so genannte Frauenministerin zeigt mal wieder, was sie von Frauenpolitik hält - nämlich nichts. Sonst würde sie nicht einfach so, von jetzt auf gleich und ohne öffentliche Erklärung, eine erfahrene und kompetente Frauenpolitikerin feuern“, sagte Roth Handelsblatt Online. Das sei nicht nur "schlechter Stil, der die Regierungsunfähigkeit von Kristina Schröder erneut unterstreicht, sondern auch eine frauenpolitische Bankrotterklärung und der endgültige Beweis dafür, dass von dieser Ministerin gar nichts Positives mehr zu erwarten ist“, unterstrich die Grünen-Politikerin.

Empört reagierte auch die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende, Ekin Deligöz. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte sie, der Rauswurf zeige, "wie unsouverän Ministerin Schröder ist“. Die frühere Vorsitzende des Familienausschusses des Bundestags, die SPD-Abgeordnete Kerstin Griese, sagte der Zeitung, sie halte es "für einen Skandal, dass eine kompetente Abteilungsleiterin ein Jahr vor der Bundestagswahl rausgeworfen wird".

Vor SPD und Grünen hatten bereits die 1.600 Frauenbeauftragten der Kommunen gegen den Rauswurf protestiert.

Eine offizielle Begründung für den Rauswurf der Abteilungsleiterin gibt es nicht. Deshalb werde auch in der Union „munter spekuliert“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“: Die einen wiesen demnach darauf hin, dass Welskop-Deffaa von Schröders Vorgängerin Ursula von der Leyen zur Abteilungsleiterin ernannt worden sei und als deren Ziehkind gelte. Schröder habe Welskop-Deffaa deshalb nicht mehr in ihrer Nähe haben wollen.

Kommentare (17)

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smarty_32

16.07.2012, 17:22 Uhr

Sie ist das beste Beispiel unserer Parteien-Oligarchie.
Sie hat von nichts Ahnung, ist in diesen Job dank Hessen-Quote (als ersatz für den zurückgetretenen Verteidigungsminister Jung, auch aus Hessen) reingerutscht und besticht durch die TOTALE INKOMPETENZ.

Darüberhinaus schrieb Ihre Freundin und Staatsekretärin im Ministerium, natürlich während der Arbeitszeit, das unnütze Buch über "Danke, emanzipiert sind wir selber!".
Damit wollte sie Kompetenz und Imageaufbesserung betrieben, nun es kann nur winn Weg geben: Das Parteienkartell muss durchbrochen werden. Freie Wähler mit Bürgern mit Sachverstand an die wichtigen Funktionen. Kein blinder Augenarzt als Wirtschaftsminister, kein ehm. Arbeitsvermittler im Entwicklungsministerium, ein Rechtsanwalt als Aussenminister, eine Elektrikerin als Verbraucherschutzministerin, ein Jurist als Finanzminister etc.

Eierkopp

16.07.2012, 17:24 Uhr

Frau Schröders Erfolg in dieser Legislaturperiode ist, dass sie eine Menge Schwachsinn, der von allen Seiten an die Politik herangetragen worden ist, abgeblockt hat.

exCDUler

16.07.2012, 18:00 Uhr

ganz schön schwierig, der direkte Weg von der Kinderkrippe in die Bundesregierung

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