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21.09.2012

18:59 Uhr

Umstrittene Satire

Friedliche Demos gegen Mohammed-Video in Deutschland

Das umstrittene Mohammed-Video sorgt auch in Deutschland für Proteste. Am Freitag fanden mehrere Demonstrationen statt, die größte davon mit 1000 Menschen in Freiburg. Die Proteste blieben friedlich.

Proteste gegen das Mohammed-Video in Freiburg. dpa

Proteste gegen das Mohammed-Video in Freiburg.

BerlinDie ersten Proteste gegen das umstrittene Mohammed-Video in Deutschland sind friedlich angelaufen. In Freiburg in Baden-Württemberg demonstrierten am Freitag nach Angaben der Veranstalter mehr als 1000 Menschen gegen das in den USA entstandene Schmähvideo, die Polizei sprach von rund 900 Teilnehmern. Der Demonstrationszug, an dem viele Frauen und Kinder teilnahmen, wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Auf Transparenten stand „Nein zur Beleidigungsfreiheit“ und „Unser Prophet Mohammed ist tabu“. Das Video hatte zuletzt zu blutigen Unruhen in der arabischen Welt geführt.

Auch in der Innenstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen erwarteten die Beamten keine Zwischenfälle. Der Protestzug unter dem Motto „Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet“ begann nach Polizeiangaben mit 80 bis 100 Teilnehmern. Kleinere Aktionen gab es auch in Cuxhaven mit knapp 100 Menschen und in Hannover, wo drei Einsatzfahrzeuge der Polizei, 14 Journalisten und ein Demonstrant gezählt wurden. An diesem Samstag sind Proteste in Karlsruhe und Dortmund angemeldet. Für den 6. Oktober wurde auch für Berlin eine Demonstration angekündigt.

In Göttingen beschmierte ein 26-Jähriger aus Protest gegen den Islam zwei Moscheen und die Räume eines islamischen Vereins – auch Schweineköpfe mit Turban sprühte er auf die Wände. Er habe die Tat zugegeben, erklärte die Polizei. Ihn erwartet ein Verfahren wegen Sachbeschädigung.

Vertreter aus Religion und Politik bemühten sich unterdessen, die Wogen zu glätten: Die Bundesregierung sehe die geplanten Proteste gegen das Mohammed-Video gelassen. „Wir gehen davon aus, dass die Demonstrationen friedlich und besonnen verlaufen“, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Es ist ihr Recht zu protestieren.“ Er betonte aber: „Gewalt darf es nicht geben.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte „an alle Seiten, mäßigend einzuwirken“. Weiter hieß es aus der Mainzer Staatskanzlei: „Wir sind alle gefordert, unsere rechtsstaatlichen Mittel zu nutzen, um deeskalierend zu wirken.“

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach sich nachdrücklich gegen ein Verbot des Videos aus. „Es ist unterirdisch, wenn Horst Seehofer und die CSU jetzt die Diskussion um das unsägliche Schmähvideo missbrauchen wollen, um Gesetzesverschärfungen gegen Blasphemie aus der Mottenkiste zu holen“, sagte Roth dem „Münchner Merkur“ (Samstag). Religionen müssten Kritik, Kunst und Satire aushalten.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hält das Video und umstrittene Karikaturen aus Frankreich aber nur für den Auslöser der Proteste. „Der eigentliche Grund ist, dass es ein großes Potenzial an Vorurteilen gegenüber dem Westen gibt“, sagte Mazyek im Fernsehsender Phoenix. „Die Völker dort haben über viele Jahre gelitten und Demütigungen erfahren.“

Das von Privatleuten in den USA gedrehte Schmähvideo „Unschuld der Muslime“ hat weltweit Proteste hervorgerufen. Bei gewalttätigen Protesten in Pakistan waren am Freitag mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen.

Von

dpa

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