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25.04.2013

18:12 Uhr

Umstrittene Steuerpläne

Unternehmer schüren Angst vor Steinbrück & Co

VonDietmar Neuerer

„Kreuzgefährlich“, „Sargnagel für den Mittelstand“: Die Empörung der Wirtschaft über die rot-grünen Steuerpläne wird lauter. Bei einer Veranstaltung in Berlin warnten Unternehmer vor einem Niedergang Deutschlands.

Lutz Goebel, der Präsident des Familienunternehmerverbands, knüpft sich die rot-grünen Steuerpläne vor. dpa

Lutz Goebel, der Präsident des Familienunternehmerverbands, knüpft sich die rot-grünen Steuerpläne vor.

BerlinDie Zahlen, die Lutz Goebel nennt, sind beeindruckend: „Wir Familienunternehmer stellen über 60 Prozent der Arbeitsplätze“, sagt er. Und: „Rund 80 Prozent aller Ausbildungsplätze gibt es bei uns Familienunternehmern.“ Das klingt, als hänge das Wohl und Wehe Deutschlands von der mittelständischen Wirtschaft ab. So würde das Goebel, der Präsident des Familienunternehmerverbands ist, sicher nicht ausdrücken. Für ihn steht hinter den bloßen Fakten vielmehr das Prinzip der Verantwortung, wie er es nennt. Und die große Herausforderung, erfolgreich zu sein und zu bleiben: „Wir wollen unsere Unternehmen auf Wachstumskurs halten.“ Goebel sagt das nicht nur in Richtung der vielen Firmenbesitzer, die sich heute in Berlin zum Tag der Familienunternehmer versammelt haben. Er sagt das vor allem mit Blick auf die wahlkämpfende Politik.

Während Goebel seine Ansprache hält, sitzt Jürgen Trittin vor ihm. Was der Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl zu hören bekommt, hat es in sich. Denn was Goebel besonders am Herzen liegt, sind die politischen Rahmenbedingungen, mit denen sich der Mittelstand konfrontiert sieht. Rahmenbedingungen, die sich ändern werden, sofern Trittin mit der SPD und ihrem Kandidaten Peer Steinbrück in Regierungsverantwortung kommen. „Es steht mehr auf dem Spiel, als uns Familienunternehmern lieb sein kann“, sagt Goebel. Und dann wird er noch deutlicher: „Das erfolgreiche Modell des Familienunternehmens wird bedroht.“ Die neue Regierung entscheide über die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Und damit über den Wohlstand aller Bürger.

Pläne nachgerechnet: Wo der rot-grüne Steuerhammer zuschlägt

Pläne nachgerechnet

Der rot-grüne Steuerhammer

Was als Angriff auf Reiche daherkommt, trifft in Wahrheit auch die Mittelschicht.

Goebel nennt diverse Themen wie Lohnstückkosten, Energiekosten, die Bildungspolitik und die Staatsschulden, die je nach politischer Stoßrichtung die Wirtschaft voran bringen oder auch ausbremsen können. Ein besonderes Anliegen ist ihm die Steuerbelastung. Vor allem auch deshalb, weil Trittin anwesend ist und die Grünen am Wochenende ihr Wahlprogramm beschließen wollen. Ein Programm, das in steuerpolitischer Hinsicht selbst von der linken Tageszeitung „taz“ kritisch gesehen wird. „Grün am Steuer, das wird teuer“, titelt die Zeitung heute – und listet dann die Vorhaben auf, die sich die Partei für nächste Legislaturperiode vornehmen will: mehr Belastungen für Gutverdiener, Abgabe auf Vermögen, höhere Erbschaftsteuer und Ende des Ehegattensplittings. Eine „Zumutung für ihre Wählerschaft“, nennt die „taz“ das Grünen-Programm.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Auch Goebel hält nichts von Grünen-Plänen. Ganz einfach, weil man doch mit dem status quo bisher gut gefahren sei. „In allem Ernst“, sagt der Verbandspräsident, „die deutsche Politik sollte hier bitte nichts Grundlegendes ändern.“ Mit seiner Forderung steht Goebel nicht allein. Schon der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, warnte jüngst im „Tagesspiegel“, die Pläne der jetzigen Opposition brächten  den Mittelstand in Gefahr. Vor allem die Steuerpläne schadeten dem Wohlstand.

Eine Vermögen- sowie eine höhere Erbschaftsteuer „bedeuten weniger Investitionen, weniger Innovationen, weniger Wachstum und einen Verlust an Arbeitsplätzen“, urteilte der DIHK-Chef. Zudem würden die Pläne der jetzigen Opposition den traditionellen Mittelstand in Gefahr bringen. Gerade die Familienbetriebe sind nach Ansicht des DIHK-Präsidenten aber dafür verantwortlich, dass Deutschland international so gut dasteht.

Kommentare (48)

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Hagbard_Celine

25.04.2013, 18:32 Uhr

Wer sich mit der Materie einmal gründlich beschäftigt hat, dem ist bekannt das der ROE von Industriebetrieben langfristig (über eine Dekade gesehen) um die 12% pendelt.

Demzufolge sinkt der Unternehmensgewinn wenn Kapital aus den Unternehmen rausgesaugt wird, es werden weniger neue Mitarbeiter eingestellt, weniger Steuern gezahlt usw.

Die Wirtschaftsleitung Deutschlands würde unweigerlich sinken, das Land verarmen.

Wie wäre es denn mit einem Gegenvorschlag: Die Steuerbefreiung von Ausländern, bei den Dividenden die deutsche Firmen zahlen, aufheben.

Wenn ich mal von rund 25 MRD Euro Dividenden ausgehe und unterstelle das 75% von Ausländern gehalten werden entspricht das einer Quellensteuer von rund 5 MRD Euro
pro Jahr auf die verzichtet wird.

Es ist ein SKANDAL das Rot-Grün z.B amerikanische Pensionskassen von der Steuer befreit hat, die deutschen Aktionäre jedoch abkassiert.

Gauckler

25.04.2013, 18:37 Uhr

Komisch: Rot-Grün war doch der unnötige Totengräber der sozialen Gerechtigkeit, die Arbeitgeber profitierten am meisten davon. Nun schwinden die Mehrheiten von Rot-Grün und Schwarz-Gelb. Warum? Weil die Altparteien keine Lösungen für die Bürger mehr haben. Darum wird die AfD so stark: In einer Umfrage der Bild liegt die AfD bei 19 %. Noch Fragen? Auf jeden Fall wird die AfD Schwarz-Gelb und Rot-Grün verhindern. Schafft sie den Sprung in den Bundestag, umso besser für die Europawahlen 2014, denn dann wird endlich über den dauerkranken Euro und die EU-Diktatur vom Volk entschieden. Sehr viel wird sich dann ändern, denn das vor die Wanfd gefahrene Europa wollen die Bürger nicht, schon gar nicht eine Vergemeinschaftung der unüberschaubaren Schulden der Pleiteländer.

Radek

25.04.2013, 18:45 Uhr

Was für eine reißerische Headline in BILD-Zeitungs-Manier.
"schüren Angst vor Steinbrück undc co"
Hier wird keine "Angst geschürrt" sondern hier wird berechtigte Kritik an den Plänen von Rot-Grün angemeldet.
Die überzogenen Sprachmuster der Übertitelungen an sich sachlicher Artikel, sind einer seriösen Zeitung wie es das HB ist unwürdig.

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