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11.11.2015

17:08 Uhr

Umstrittener Helmut-Schmidt-Tweet

Ärger in der CDU wegen Erika Steinbach

VonDietmar Neuerer

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Steinbach hat mit einem Twitter-Posting zum Tod von Helmut Schmidt heftige Reaktionen ausgelöst. Nun schaltet sich die Parteispitze ein. Den Rüffel pariert die Politikerin mit einem Smiley.

Unter Beschuss: CDU-Politikerin Erika Steinbach. ap

Erika Steinbach.

Unter Beschuss: CDU-Politikerin Erika Steinbach.

BerlinHessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat mit großem Unverständnis und Empörung auf einen Tweet der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach zum Tod von Helmut Schmidt reagiert. „Instinktlos. So etwas gehört sich nicht!”, schrieb der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter.

Steinbach reagierte gelassen auf den Rüffel. „Herzlichen Dank, Herr MP, freue mich immer über Ihre Unterstützung“, schrieb sie bei Twitter und versah ihren Tweet mit einem Smiley.

Eine Entschuldigung lehnte sie ab. „Einen schönen guten Morgen! Helmut Schmidt war beliebt, weil er kein Blatt vor den Mund genommen hat. Das zeichnete ihn besonders aus“, schrieb die CDU-Bundestagsabgeordnete am heutigen Mittwochmorgen bei Twitter. Den Einwand eines Journalisten, dass dies aber noch nicht die „notwendige Entschuldigung“ gewesen sei, konterte sie dann mit den Worten: „Entschuldigen dafür, dass ich Helmuts Schmidts Haltung zur Zuwanderung bis in die jüngste Zeit hinein schätze?“

Zuvor hatte Steinbach schon heftige Kritik dafür einstecken müssen, dass sie den am Dienstag verstorbenen Schmidt indirekt mit der Flüchtlingskrise in einen Zusammenhang gebracht hat. Unter den Text „Altkanzler Helmut Schmidt ist tot. Wir haben in unserer Fraktionssitzung seiner in Respekt gedacht”, hatte die langjährige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen auf Twitter ein Schmidt-Zitat von 1981 angehängt: „Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag.”

Steinbach zählt zu den lautesten Kritikern der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel. Vor wenigen Wochen sagte sie in einer Unions-Fraktionssitzung, die Zuwanderung müsse Grenzen haben. In Anspielung auf Merkels Bemerkung, es sei nicht ihr Land, wenn sie sich für ein freundliche Flüchtlingsaufnahme entschuldigen müsse, erklärte Steinbach Teilnehmern zufolge, es sei nicht ihr Land, wenn in manchen Stadtteilen mehr Ausländer als Deutsche lebten.

Der SPD-Bundesvize Thorsten Schäfer-Gümbel attackierte Steinbach für ihren Schmidt-Tweet. Er erklärte dazu auf Twitter, der Missbrauch von Schmidts Tod durch Steinbach sei „ungeheuerlich, pietätlos und schamlos. Konservative ohne jeden Funken Anstand.“ SPD-Fraktionsvize Sören Bartol ergänzte: „Sie sollten sich schämen.“

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