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24.05.2013

20:40 Uhr

Umstrittener Vertrag

Privatsender werfen SPD Zweiklassengesellschaft vor

VonDietmar Neuerer

Die große Sause zum Parteijubiläum der SPD im Gewandhaus durfte das ZDF alleine übertragen, die privaten Rundfunksender fühlen sich ausgegrenzt. Die Gesamtrechnung blieb beim ZDF hängen - und damit beim Gebührenzahler.

Sigmar Gabriel bei der SPD-Veranstaltung im Leipziger Gewandhaus. dpa

Sigmar Gabriel bei der SPD-Veranstaltung im Leipziger Gewandhaus.

BerlinZu ihrem 150-jährigen Geburtstag ließ sich die SPD nicht lumpen: Die New Yorker A-Capella-Band Naturally 7 intonierte zu dem Festakt im Leipziger Gewandhaus den Bürgerrechts-Song "We shall overcome", das Leipziger Symphonieorchester baute Elemente sozialdemokratischen Liedguts ein. Und eine Filmeinblendung zeigte Höhepunkte der sozialdemokratischen Parteigeschichte.

Das öffentlich-rechtliche ZDF übertrug den Festakt in einer zweistündigen Spezialsendung ab 10.55 Uhr - allein auf breiter Flur. Daran entzündet sich nun Kritik von zwei Seiten: die privaten Rundfunksender fühlen sich ausgegrenzt; die Linke kritisiert, dass der Gebührenzahler eine „Werbesendung für die SPD“ bezahlen musste.

Nach Angaben des Verbandes der privaten Rundfunksender gab es eine "Exklusivvereinbarung" der SPD mit dem ZDF und Phoenix, die es der privaten Konkurrenz nicht erlaubte, live und zeitgleich von der 150-Jahr-Feier der SPD aus dem Gewandhaus zu berichten. „Diese Zweiklassenbehandlung innerhalb des dualen Rundfunksystems ist nicht hinnehmbar“, kommentierte Annette Kümmel, Vorsitzende des Fachbereichs Fernsehen und Multimedia im Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), den Vorgang.

Wie Kommunen unter der neuen GEZ-Gebühr leiden

Heilbronn

Gebühr früher: 13.000 Euro
Gebühr heute: 40.000 Euro
Mehrkosten: 27.000 Euro (208 Prozent)

Quelle: Recherchen der NRW-FDP

Gelsenkirchen

Gebühr früher: 23.000 Euro
Gebühr heute: 71.000 Euro
Mehrkosten: 48.000 Euro (209 Prozent)

Bonn

Gebühr früher: 15.475 Euro
Gebühr heute: 48.573 Euro
Mehrkosten: 33.098 Euro (214 Prozent)

Baden-Baden

Gebühr früher: 6.200 Euro
Gebühr heute: 20.000 Euro
Mehrkosten: 13.800 Euro (223 Prozent)

Münster

Gebühr früher: 20.000 Euro
Gebühr heute: 66.000 Euro
Mehrkosten: 46.000 Euro (230 Prozent)

Mülheim

Gebühr früher: 10.000 Euro
Gebühr heute: 40.000 Euro
Mehrkosten: 30.000 Euro (300 Prozent)

Düsseldorf

Gebühr früher: 25.000 Euro
Gebühr heute: 150.000 Euro
Mehrkosten: 125.000 Euro (500 Prozent)

Rheinbach

Gebühr früher: 1.000 Euro
Gebühr heute: 7.000 Euro
Mehrkosten: 6.000 Euro (600 Prozent)

Solingen

Gebühr früher: 3.000 Euro
Gebühr heute: 27.000 Euro
Mehrkosten: 24.000 Euro (800 Prozent)

Bergisch-Gladbach

Gebühr früher: 2.000 Euro
Gebühr heute: 20.000 Euro
Mehrkosten: 18.000 Euro (900 Prozent)

ZDF-Intendant Thomas Bellut wies die die Kritik zurück und schob den Privaten den Schwarzen Peter zu. Eine Vereinbarung mit n-tv aus der RTL-Gruppe sei gescheitert, weil der Sender keine Kosten habe übernehmen wollen: „Wenn es eine kleine Beteiligung gewesen wäre, wäre das noch möglich gewesen.“

Statt eines "Exklusivvertrages" habe es einen üblichen Poolvertrag gegeben: Haben mehrere TV-Anstalten Interesse an der Live-Ausstrahlung, werde in der Regel nach dem sogenannten Berliner Modell verfahren, erklärte das ZDF. Alle beteiligten Sender setzen Geld und Produktionsmittel nach einem festgelegten Schlüssel ein, um das jeweilige Event live zu übertragen.

Das sei beim SPD-Jubiläum nicht der Fall gewesen, daher trage das ZDF die Übertragungskosten alleine. Der Sender betonte ausdrücklich, dass für die Übertragung kein Geld an die SPD geflossen sei. Im Vertrag mit der Partei sei geregelt worden, dass sie dem ZDF die Veranstaltung kostenfrei zur Verfügung stellte. Der Partei SPD sei „in keiner Weise ein Vorteil entstanden“.

Den Angaben zufolge hat das ZDF n-tv eine zeitversetzte Übertragung angeboten. „Warum melden sie sich so spät und warum machen sie kein klares Angebot?“, sagte Bellut an n-tv gerichtet. Alle ausländischen Fernsehanstalten hätten die Möglichkeit zur zeitgleichen Ausstrahlung erhalten, inländische Sender seien zu einer Ausstrahlung mit 15-minütiger Zeitverzögerung berechtigt, so das ZDF weiter.

Kommentare (44)

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kroenig

24.05.2013, 17:24 Uhr

Das war doch Eigenbeweihräucherung wie in der Volkskammer. Witzlos. Nonsens. Wie ist doch die von den Arbeitern gegründete Partei nach 150 Jahren verkommen: Sozialverrat an den Arbeitnehmern, Rentnern und Schwachen; Fröhnung des Kapitals; Ausverkauf an Pleitestaaten; Steuer- und Sozialbeitragserhöher; Kriegstreiber; Rechtsbrecher bei den Rettungsschirmen; Bürgerferne wie noch nie etc. Diese SPD, die sich den grünen Bevormundungsversagern verschrieben hat, ist nicht mehr wählbar. Brandt würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er das heutige Desaster sehen würde. Wie konnten Schröder und Konsorten die traditionellen Wähler so betrügen? Zigmillionen Stimmen sind verloren, die niemals zurückkehren werden, denn die heutige SPD hat die Köpfe nicht ausgetauscht und hat keine neuen Antworten. Dazu einen katastrophalen Kanzlerkandidaten, der Merkel den Wahlkampf erspart. Traurig und nochmals traurig!

Account gelöscht!

24.05.2013, 17:34 Uhr

Ich gucke lieber Testbild als SPD-Gala.

Lutz

24.05.2013, 17:38 Uhr

Sobald irgendwelche krummen Machenschaften mit Politik und Adel geschehen, ist Mainzer Schundsender dabei. Aber das ZDF beteiligte sich auch schon Kosten für Becks Geburtstagsparty.

Man sollte diesen dekadenten Rundfunkmoloch endlich auf ein gesundes Maß zusammenstauchen und das ZDF dicht machen!

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