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30.12.2011

22:34 Uhr

Umstrittenes Darlehen

Wulffs Kontakt zur BW-Bank lief offenbar über Geerkens

Das Stuttgarter Institut hat Details zum Privatkredit bekanntgegeben: Unternehmer Geerkens soll den Kontakt zur Bank hergestellt haben. Kurz vor Weihnachten unterschrieb der Bundespräsident offenbar einen neuen Vertrag.

Logo der BW-Bank in Stuttgart: Egon Geerkens hat nach Angaben des Institutes den Darlehens-Kontakt hergestellt. dpa

Logo der BW-Bank in Stuttgart: Egon Geerkens hat nach Angaben des Institutes den Darlehens-Kontakt hergestellt.

Die BW-Bank hat Details zu den umstrittenen Darlehen für Bundespräsident Christian Wulff bekanntgegeben. Demnach meldete Wulff sich im Herbst 2009 telefonisch bei der Bank auf Empfehlung des Unternehmers Egon Geerkens. Vorausgegangen sei ein Gespräch von Geerkens mit einem Kundenberater der Bank, teilte das Institut am Freitag mit.

Am 21.03.2010 sei der erste Darlehensvertrag mit Wulff abgeschlossen worden. Dieser bisher kurzfristig refinanzierte Geldmarktkredit sei in ein langfristiges Darlehen geändert worden. Der entsprechende Vertrag sei am 12.12.2011 an Wulff von der BW-Bank unterschrieben versandt worden. Neun Tage später habe Wulff den Vertrag unterschrieben, am 27.12.2011 sei er bei der BW-Bank eingegangen.

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Dem Mann wird vorgeworfen, er habe ein Foto des Präsidentenpaars veröffentlicht und dazu angemerkt, Bettina Wulff fehle nur noch ein „Schiffchen auf dem Kopf“ und sie sehe aus wie ein „Blitzmädel im Afrika-Einsatz“.

Die Ausreichung erfolge am 16.01.2012, teilte die Bank weiter mit. Es bestehe ein üblicher Tilgungsplan. Die Darlehensgewährung sei voll besichert. Bei der Vergabe der Darlehen seien der Aufsichtsrat und der Vorstand der BW-Bank entsprechend der internen Kompetenzordnung nicht eingebunden gewesen.

Wulffs Urlaubs-Freunde

Edith und Egon Geerkens

Egon Geerkens hat erst mit Schrott und dann mit Schmuck sein Vermögen gemacht. 2009 verbrachten Christian und Bettina Wulff ihren Weihnachtsurlaub in der Villa des Unternehmerehepaares in Florida. Geerkens sei zum Zeitpunkt der USA-Reise zum Jahreswechsel 2009/2010 nicht mehr unternehmerisch tätig gewesen. Aber auch schon 2003 und 2004 machte Wulff nach der Liste seiner Anwälte mit seiner damaligen Frau Christiane beim Ehepaar Geerkens in Spanien Urlaub. Der Bundespräsident ist mit dem medienscheuen Unternehmer seit vielen Jahren befreundet. Das Paar lebt inzwischen in Luzern in der Schweiz. In Osnabrück hatte Egon Geerkens zuletzt ein Schmuckgeschäft und mehrere Immobilien.

Wolf-Dieter Baumgartl

Der 68-Jährige Manager gilt als einer der wichtigsten Köpfe in der deutschen Versicherungsbranche. 1993 wurde er Vorstandschef des Versicherers HDI in Hannover, den er erfolgreich umbaute und auch durch Übernahmen vergrößerte. Baumgartl schuf den heute drittgrößten deutschen Versicherungskonzern Talanx. 2006 übernahm er den Talanx-Aufsichtsratsvorsitz. In einem Anwesen Baumgartls in Italien hatte sich Wulff mit seiner Frau im Jahr 2008 aufgehalten.

Angela Solaro und Volker Meyer

Über die beiden ist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig bekannt. Das ältere Paar lebt auf der Nordsee-Insel Norderney, einem der liebsten Urlaubsziele von Wulff. Er soll dass Paar schon besucht haben, als er noch Landesvorsitzender der Jungen Union in Niedersachsen war. Womit die langjährigen Freunde ihr Geld verdienen, ist unklar. Laut Medien besitzen sie ein Süßwaren-Spezialitätengeschäft und vertreiben Feinkost. 2008 und 2009 hatte die Familie Wulff das Ehepaar auf Norderney besucht.

Carsten Maschmeyer

Der Unternehmer gilt als schillernde Persönlichkeit und begnadeter Verkäufer. Nach dem Abbruch eines Medizinstudiums gründete der 52-Jährige den Finanzdienstleister AWD und machte Millionen. 2007 übernahm der Versicherer Swiss Life den AWD. Maschmeyer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, gilt als wichtige Figur eines einflussreichen Kreises in Hannover aus Unternehmern, Politikern und anderen Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Sport. Er gilt als Freund sowohl von Altkanzler Gerhard Schröder als auch von Bundespräsident Christian Wulff. Wulff machte 2010 Urlaub in einem Appartement einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca.

Die Bank äußerte sich nach eigenen Angaben „mit ausdrücklicher Bezugnahme auf die Befreiung vom Bankgeheimnis durch die Eheleute Wulff“. Zu Konditionen und bankinternen Kalkulationen könnten „insbesondere aufgrund des insoweit bestehenden Geschäfts- und Bankgeheimnisses keine Auskunft“ erteilt werden. Die Aufsichtsgremien der Bank würden über die Darlehensvergabe umfassend informiert.

Kommentare (17)

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MenschenZeitung

30.12.2011, 22:33 Uhr

ich zitiere mal aus dem artikel:

Wenn ein Politiker so wichtig für die Zukunft der Geldinstitute sei wie Wulff in seiner früheren Position als CDU-Beauftragter für die Reform der Landesbanken, dann sollten sowohl dieser Politiker als auch die Bank sich hüten, für einen Kredit Sonderkonditionen zu vereinbaren. „Das hat ein G'schmäckle“, kritisierte Blind. Die Bürger bekämen den Eindruck, dass Spitzenpolitiker sich bedienten und dass da etwas faul sei. Dies sei ein verheerendes Signal. Politiker seien Diener der Demokratie. „Es darf nicht sein, dass jemand durch seinen Amtsbonus privat profitiert“. Wenn eine Bank von allen Kunden so wenig Zinsen verlangte wie von Wulff, dann wäre sie bald pleite. „Die Bank darf so etwas einfach nicht machen“.

genau so ist es, und damit ist eigentlich alles gesagt...

und verweise ansonsten auf: Wulff-Döring: Die Würde des Politikers ist unantastbar…?

http://menschenzeitung.de/?p=11321

Kritiker

30.12.2011, 23:05 Uhr

Die Bank darf das nicht machen ? Die Bank erwartet dafür Gegenleistungen im weiteren Sinne. Oder verschenken Banker jetzt schon Geld. Dafür sind sie eigentlich nicht bekannt ! In Heilbronn ist ein Polizeibeamter in Untersuchungshaft genommen worden,weil er für Spiele der TSG Hoffenheim von einem Unternehmer Freikarten annahm und diesem Radarkontrollen verriet. Dabei werden die, zumindest bei uns in der Lokalzeitung,für den jeweiligen Bezirk sowieso angekündigt. Und das war ja nicht die einzige "Verfehlung" seitens Herrn Wulff. Das Amt des Bundespräsidenten hat eine Vorbildfunktion. Ich denke von dessen Amtsinhaber kann man mindestens genau so viel verlangen, wie von einem kleinen Beamten. Wobei ich den geschilderten Sachverhalt nicht vergleichen will. Ich ziehe nur den Vergleich dahingehend, dass jeder einen gewissen Vorteil aus seinen Handlungen gezogen hat. Freikarten,der Wert ein paar Euro gegen ein Darlehen, an dem man zig-tausend Euro gespart hat. Der eine geht in Untersuchungshaft, der andere ist noch Bundespräsident. Das Amt des Bundespräsidenten hat einen hohen moralischen Wert. Wenn man sich schon als Buneespräsident einer Anwaltskanzlei bedient- einfach beschämend.

aspi

30.12.2011, 23:46 Uhr

Eine Wirtschaftszeitung wie das Handelsblatt sollte sich schämen, sich an der "Schnäppchenkredit-Kampagne" zu beteiligen. Sie wissen ganz genau, dass es sich nicht um einen Hypotheken- sonder um einen Geldmarktkredit handelte, wie ihn alle Banken anbieten, manche nur an Geschäftskunden, andere aber auch an Privatkunden. Der Euribor auf Sicht von 1 Monat lag im Frühjahr 2010 bei 0,35 Prozent, da gab es für die Bank bei 0,9% immer noch eine kleine Marge. Das ganze ist keine Wulff-Affäre, sondern ein Presseskandal! Darüberhinaus hatte Wulff die angeblichen "Neuigkeiten" bereits am 15.12. öffentlich berichtet, und die BW-Bank hatte alles das, was Sie hier als "Neuigkeit" verkaufen, bereits am 22.12. der WELT geschrieben, die das damals veröffentlichte. Alles im Internet nachzugoogeln!

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