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26.04.2015

14:15 Uhr

Umstrittenes Sturmgewehr

Wird das G36 nachgebessert?

Das umstrittene Gewehr G36 könnte doch nicht ausgemustert werden. Nach Medienberichten berät das Verteidigungsministerium mit dem Hersteller über eine verbesserte Version – mit einem stärkeren Waffenrohr.

Das Sturmgewehr ist umstritten, denn es hat deutliche Mängel. Wird es nun doch nicht ausgemustert? Reuters

G36 beim Einsatz in Afghanistan

Das Sturmgewehr ist umstritten, denn es hat deutliche Mängel. Wird es nun doch nicht ausgemustert?

Berlin/Frankfurt/MainDie vollständige Ausmusterung des umstrittenen Sturmgewehrs G36 bei der Bundeswehr ist offenbar noch längst nicht beschlossene Sache. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erörterten Rüstungs-Staatssekretärin Katja Suder und die Spitze des Herstellers Heckler & Koch bei einem vertraulichen Treffen am Donnerstag eine Modernisierung des Gewehrs, um die Mängel zu beheben.

Für eine nachgebesserte Version des G36 käme etwa ein stärkeres Waffenrohr in Frage, um die Waffe besser vor Überhitzung zu schützen, berichtete die Zeitung. Im Gespräch bleibe aber auch die Anschaffung einiger tausend Exemplare eines anderen Sturmgewehrs.

G 36 - Das Standardgewehr der Bundeswehr

Fast 20 Jahre dabei

Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten.

Hersteller

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176 544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166 619 genutzt werden.

Material

Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht.

Kaliber

Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben.

Geschenk an kurdische Armee

8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat abgegeben.

In Reaktion auf den Bericht verwies das Bundesverteidigungsministerium am Wochenende auf die Aussage von Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU) im Verteidigungsausschuss des Bundestags vom vergangenen Mittwoch: „Das G36 hat in seiner heutigen Konstruktion keine Zukunft mehr in der Bundeswehr“, hatte die Ministerin gesagt.

Ob die „heutige Konstruktion“ verändert werden könne oder ob das G36 durch ein anderes Gewehr ersetzt werden müsse, sei also längst noch nicht klar, hieß es im Ministerium. Klar sei lediglich: „Die festgestellten Schwächen müssen ausgeglichen werden.“ Dieses Ziel könne auf verschiedenen Wegen erreicht werden.

Die Bundeswehr verfügt über rund 170.000 Stück des Sturmgewehrs vom deutschen Hersteller Heckler & Koch. Das G36 wurde vor knapp zwanzig Jahren in die Bundeswehr eingeführt. Nach jahrelanger Kritik und diversen, zum Teil widersprüchlichen Gutachten hatte von der Leyen Ende März massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt.

Vorausgegangen war eine interne Expertenanalyse, wonach sich das Gewehr stark erhitzt und nicht mehr genau trifft, wenn es viele Schüsse hintereinander abgibt oder bei hohen Außentemperaturen verwendet wird.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

27.04.2015, 14:02 Uhr

Aktuell kann es nicht um das Gewehr G36 gehen. Es geht um die Verantwortung der Bundestagsabgeordneten junge Familienväter mit "Wasser-Spritz-Pistolen" gegen Terroristen in einen Krieg zu schicken.

Es ist bekannt, dass mehrere Verteidigungsminister Kenntnis von den Fähigkeiten des G36 hatten und die Bundestagsabgeordneten hatten und haben. Der Bundestag und die Bundesregierung haben wissentlich unsere Soldatinnen und und Soldaten in den Tod geschickt. Sie haben darüber abgestimmt, Soldatinnen und Soldaten in Kampfeinsätze zu schicken, ohne zuvor zu prüfen, ob sie denn überhaupt mit Verteidigungswaffen ausgestattet sind.

Da alle Parteien diesem Kriegseinsatz zustimmten ist nicht zu erwarten, dass die Abgeordneten selbst solch selbstkritische Fragen stellen. Es macht auch keinen Sinn, dass jeder Bürger unkoordiniert diese Frage aufwirft, ob die Politiker zwar zuständig aber nicht verantwortlich sind. Deshalb ist es die Aufgabe einer kritischen Presse diese Kontrolle auszuüben und Konsequenzen einzufordern.

Die Frage kann m.E. sogar soweit gehen, ob wir überhaupt noch eine funktionierende Demokratie, einen funktionierenden Rechtsstaat in Deutschland haben? Es kann nicht angehen, dass links- oder rechtsextreme Parteien wegen der Unfähigkeitkeit unserer derzeitigen amtierenden Politiker einen derartigen Zulauf wie bisher verzeichnen.

Wenn wir Bürger dieses Spiel nicht mehr mitmachen wollen, nicht mehr zu den Wahlen gehen oder gar Protest wählen, dann müssen wir über die Macht der Presse selbst dafür sorgen, dass die Politiker, die uns dies "eingebrockt" haben, aus ihren Ämtern vertrieben werden.

Wenn die Macht der Presse so groß ist, dass sie in der Lage ist, einen Bundespräsidenten wegen eines Bobbycars aus dem Amt zu vertreiben, dann sollte sie auch so stark sein, echte Bürgerrechte durchzusetzen.

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