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15.01.2014

16:12 Uhr

Umstrittenes Verkehrskonzept

Deutschland droht der Abstieg im Luftverkehr

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Luftverkehrsbranche sind Nachtflugverbote ein Dorn im Auge. Zu Recht, sagen Experten. Denn dadurch könnte Deutschland im Weltluftverkehr abgehängt werden. Bund und Länder reagieren nun – und ernten Kritik.

"Gerade der Flughafen Frankfurt steht im Wettbewerb mit europäischen Drehkreuzen in Paris, Amsterdam und London, an denen der Verkehr keinen Einschränkungen unterworfen ist", sagt IW-Experte Röhl. obs

"Gerade der Flughafen Frankfurt steht im Wettbewerb mit europäischen Drehkreuzen in Paris, Amsterdam und London, an denen der Verkehr keinen Einschränkungen unterworfen ist", sagt IW-Experte Röhl.

BerlinWenn es darum geht, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern, dann ziehen Wirtschaft und Politik mitunter an einem Strang. Mit welchem Erfolg, das muss sich wie im Fall des deutschen Luftverkehrs erst noch erweisen. Immerhin: Bund und Länder legen jetzt erstmals ein „nationales Luftverkehrskonzept“ vor, dass zumindest in Teilen auf die Wünsche der Branche eingeht.

Der Luftverkehrsindustrie geht es insbesondere darum, die Nachtflugmöglichkeiten auszuweiten. Verbindliche und wettbewerbsfähige Nachtflugoptionen müssten in einem solchen Konzept „dauerhaft“ festgelegt werden, erklärten Spitzenmanager sowie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Mittwoch in Frankfurt. „Es kann nicht sein, dass die Betriebszeiten an deutschen Flughäfen Standort für Standort weiter eingeschränkt werden, während Wettbewerber staatlich unterstützt rund um die Uhr fliegen dürfen“, sagte Frankfurts Flughafenchef Stefan Schulte.

Der Aufschrei Schultes kommt nicht von ungefähr. Denn ein gewichtiger Teil des deutschen Außenhandels wird auf dem Luftweg abgewickelt. Laut den letzten aktuellen Zahlen schrumpfte im Jahr 2012 das gesamte Frachtvolumen an den deutschen Airports allerdings deutlich. Dies lag nicht zuletzt am neuen Nachtflugverbot am wichtigsten Frachtdrehkreuz, dem Flughafen Frankfurt am Main.

Hier kommt die Politik ins Spiel. Aus einem dem Handelsblatt vorliegenden „nationalen Luftverkehrskonzept“ geht hervor, dass Bund und Länder künftig gemeinsam festlegen sollen, „welche Flughäfen von besonderer nationaler Bedeutung für die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sind“. Konkret bezieht sich das auf die wichtigen Drehkreuze Frankfurt, München, Leipzig und Köln/Bonn. Diese Airports sollen Teil der Infrastrukturplanung des Bundes sein, also aus der Länderzuständigkeit gelöst werden. Das sieht das Bund-Länder-Papier vor. An den für die Wirtschaft wichtigsten Flughäfen sollen Airlines auch „Tag und Nacht Fracht fliegen können“, fordert Kommissionsmitglied Michael Groschek (SPD), Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zeigte sich offen für die Wünsch der Luftfahrtindustrie und will Teile des Forderungskatalogs in das geplante nationale Luftverkehrskonzept aufnehmen. „Das ist für uns ein wichtiges Papier, das einfließen wird in die geplanten Arbeiten an einem Luftverkehrskonzept“, sagte eine Sprecherin des Ministers. Einzelheiten nannte sie nicht, da die Arbeiten an dem Gesamtkonzept erst begännen.

Die Pläne dürften nicht einfach umzusetzen sein. Daher fürchtet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schon, Deutschland könnte im Weltluftverkehr ins Hintertreffen geraten. Hintergrund sind die vielen Vorbehalte gegen Nachtflüge und die Aufhebung weiterer Beschränkungen für die Branche. In München protestieren Anrainer bereits gegen eine weitere Start- und Landebahn. Und in Frankfurt würde die Nonstop-Nachtflug-Strategie erst recht für heftige Bürgerproteste sorgen. Denn in Hessen hat die schwarz-grüne Regierung gerade erst nach Dauerprotesten lärmgeplagter Bürger angekündigt, neben dem Nachtflugverbot weitere Lärmpausen am Frankfurter Flughafen einzurichten.

Entsprechend harsch fällt die Kritik des noch amtierenden Wirtschaftsministers von Hessen, Florian Rentsch (FDP), aus. Es sei „fatal, die ohnehin schon rigiden Betriebsbeschränkungen am Frankfurter Flughafen noch weiter verschärfen zu wollen und eine Diskussion über die rechtlichen Rahmenbedingungen vom Zaun zu brechen“, sagte Rentsch. „Das ist das Gegenteil von Standortpolitik.“

Kommentare (31)

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Auenland

15.01.2014, 14:51 Uhr

Schizophrenie oder nur heuchlerische Verlogenheit?
Da bombardieren die Medien die Menschen tagein und tagaus mit der angeblichen Schädlichkeit des Pflanzennährstoffes CO2, um den Globalisten und Bankstern ein weiteres Geschäftsfeld mit der Besteuerung der Luft zu eröffnen, die Autofahrer werden wie Kühe gemolken, aber wenn sich der Himmel vom Dreck, den die Flieger dank Kerosin herausblasen verdunkelt, dann kennen die selben Medien nur Jubelarien, wenn noch mehr Flieger den blauen Himmel zu einem Relikt der Vergangenheit machen.

Und daß Flieger die Toiletten in der Luft entleeren dürfen, ist auch ganz im Sinne dieser Auftragsschreiber.

Arme Welt, verkommst zu einer Kloake der menschlichen Gier.

JoScheumer

15.01.2014, 15:02 Uhr

Ich frage mich:
Ist das wirklich schlimm? Mit Luftfahrt wird seit Jahren (Jahrzehnten?) kein Geld mehr verdient. Beim Flugzeugbau wiederum schon und da scheint DE bestens positioniert (über EADS/Airbus), gleichzeitig scheint das Geschäft auch nach wie vor profitabel zu betreiben zu sein. Muss DE oder anders gefragt: soll es wirklich das Ziel sein, dass DE in diesem Bereich stark ist?

Dr. Scheumer

Account gelöscht!

15.01.2014, 15:10 Uhr

"In der Rhein-Main-Region waren zuerst die Einwohner da – erst später rückte der Airport mit seiner neuen Piste immer näher."
Sollte das Nachflugverbot an Flughafen Frankfurt gelockert werden, sage ich eine Revolution der Bürger der Region voraus. Keiner der Verfasser des nun vorliegenden Vorschlags hat jemals den Fluglärm von 80 DbA (und mehr) in den Abflug- oder Landeschneisen ertragen. Eine weitere Verschärfung der Lärm- und Drecksituation rund um den Flughafen Frankfurt ist einfach unmenschlich und die Politiker sind wieder einmal nicht die Vertreter der Bürger, sondern haben abgehoben und leben in einer Scheinwelt. Die praktizierte "umweltfreundliche" Politik ist geradezu eine Schande. Dialog mit den Bürgern sieht anders aus.

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