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20.08.2012

03:04 Uhr

Umweltminister

Altmaier besorgt über rasanten Anstieg bei Windenergie

Umweltminister Altmaier hat eine Verständigung über das Tempo des Ausbaus von Windenergie angemahnt. Es mache keinen Sinn, Windräder zu installieren, die dann wegen fehlenden Netzausbaus "sich nicht drehen können".

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU). dpa

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU).

CuxhavenBundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat sich besorgt über den rasanten Ausbau der Windenergie an Land geäußert. "Es gibt in der Planung im Moment zu viel Wind", sagte Altmaier am Sonntagabend am Rande eines Besuchs im schleswig-holsteinischen Friedrichskoog. Er wandte sich zugleich gegen Berichte, wonach die Bundesregierung eine Obergrenze für die Förderung des Zubaus von Windstrom plane. "Es gibt keinerlei Entscheidungen", sagte er zu entsprechenden Diskussionen.

Altmaier machte deutlich, es müsse eine Verständigung über die Frage des Tempos des weiteren Ausbaus geben. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass "die Kosten der Energiewende in viel kürzeren Zeiträumen gezahlt werden müssen". Der Umweltminister hob hervor, er wolle damit das Ziel des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht in Frage stellen: "Nicht jeder, der sagt: 'Nehmt Tempo raus', will die Energiewende torpedieren". Es mache aber keinen Sinn, Windräder zu installieren, die dann wegen fehlenden Netzausbaus "sich nicht drehen können".

Das Magazin "Focus" hatte zuvor berichtet, im Kanzleramt werde erwogen, für Windstrom ähnlich wie beim Solarstrom eine Zubau-Obergrenze einzuführen. Hintergrund sei, dass die Bundesregierung in ihrem Energiewendeplan mit neuen Windanlagen von 46 Gigawatt Leistung bis 2020 kalkuliere, während die Ausbaupläne der 16 Bundesländer sich auf einen Zubau von 97 Gigawatt summieren würden. Bei Solaranlagen hatte die Bundesregierung im Juni eine Obergrenze von 52 Gigawatt eingeführt. Danach läuft die Förderung aus.

Altmaier befindet sich seit Sonntag auf einer viertägigen Sommerreise zum Thema Energiewende. Er traf am Sonntagabend in Cuxhaven ein, um von dort am Montag den ersten deutschen Offshore-Windpark Alpha Ventus zu besuchen. Der Ausbau der Offshore-Windenergie wird von der Bundesregierung unterstützt.

Kommentare (18)

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vandale

20.08.2012, 08:20 Uhr

Der Stromverbrauch Deutschlands schwankt zwischen 40000MW an Sommersonntagen und 80000 MW an kalten Winterwerktagen. Die Nennleistung der umweltschädlichen Windmühlen beträgt ca. 30000 MW. Die Windstromeinspeisung schwankt gem. den Launen des Wetters zwischen nahe 0 und Nennleistung. Im Sommer gibt es Wochen an denen die Einspeisung bei 100 - 1000 MW liegt. Im Winter Tage an denen die Windstromeinspeisung weit über 20000 MW liegt. Die stündlichen Schwankungen können 6000 MW betragen. Die durchschnittliche Leistung der Windmühlen beträgt 15,5% der Nennleistung.

Kohlekraftwerke lassen sich nicht so schnell hoch- und herunterfahren wie die Windstromeinspeisung schwankt. Das führt dazu das man regelmässig Strom für Lau, oder zu Negativpreisen in die Netze der Nachbarstaaten einspeist, oder die Windmühlen stilllegt und die anfallenden Einspeisevergütungen für nicht- abgenommenen Windstrom bezahlt.

Eine Ausbaugrenze wäre demzufolge eine Massnahme des Restverstands. Die Alternative besteht darin den Subventionsempfängern in immer grösserem Ausmass den Stillstand zu vergüten.

Vandale

laika0231

20.08.2012, 09:08 Uhr

@Vandale
"Kohlekraftwerke lassen sich nicht so schnell hoch- und herunterfahren wie die Windstromeinspeisung schwankt."
Diese Aussage ist richtig. Daher wäre es sinnvoll, flexible Gaskraftwerke zu bauen, die im Vergleich zu Kohlekraftwerken ohnehin emissionstechnisch vorteilhaft und mit niedrigen Investitionskosten behaftet sind. Da die Laufzeiten der Großkraftwerke zukünftig stark zurückgehen werden, ist die Investition in Kohlekraftwerke ohnehin sehr risikobehaftet.
Wenn Herr Altmaier befürchtet, dass zu viele Windkraftanlagen gebaut werden, dann sollte er doch dafür sorgen, dass die wirtschaftlich günstigste Form der Windenergie, die Onshore-Windkraftanlagen, bevorzugt ausgebaut werden. Damit würde nicht nur die zukünftige EEG-Umlage entlastet, auch der teure Ausbau der Übertragungsnetzte von Nord nach Süd könnte damit reduziert werden.

norbert

20.08.2012, 09:35 Uhr

Eine Windvorhersage für die nächsten zwölf Stunden dürfte heutzutage kein Problem sein. Genügend Zeit, um Kohlekraftwerke hoch- oder runterzufahren ( Wobei Gaskraftwerke schneller, aber teurer sind )

Wenn ein ESM-Gesetz innerhalb eines Tages durch Bundestag und Bundesrat gepeitscht werden kann, dann ist es auch möglich, die entsprechenden Gesetzeshürden zum Netzausbau hinwegzubeschließen.

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