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14.03.2011

19:13 Uhr

Umweltminister

Röttgens grünste Stunde

Vondpa

Umweltminister Norbert Röttgen hält die Atomenergie für ein Auslaufmodell. Damit macht sich Röttgen zum obersten Akw-Abwickler der Republik - und geht damit voll ins Risiko.

Umweltminister Norbert Röttgen. Quelle: dapd

Umweltminister Norbert Röttgen.

BerlinEs ist ein bemerkenswerter Satz, den Norbert Röttgen spricht. Als sei er zu den Grünen gewechselt. „Erstens bedeutet die Erfahrung von Japan, dass die Verlängerung der Laufzeiten eine Verlängerung von Restrisiko ist“, sagt der CDU-Umweltminister am Montagabend. „Und Restrisiko ist seit Japan nicht mehr nur eine statistische Größe, sondern eine schreckliche Lebenserfahrung.“

Kurz zuvor hatte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eine dreimonatige Aussetzung der Regelung für längeren Laufzeiten verkündet. Röttgen muss nun die Mammutaufgabe stemmen, die Sicherheit der deutschen Anlagen zu garantieren und den Ausbau der Öko-Energien zu forcieren.

Oberste Priorität hat nun die Nachrüstung der Meiler, die noch weiter Atomstrom produzieren dürfen. Zwar kann auf die nun wohl rasch vom Netz gehenden Meiler Isar 1 und Neckarwestheim 1 verzichtet werden, ohne eine Stromlücke zu riskieren, aber ganz ohne Atomkraft geht es noch lange nicht. Und hier ergeben sich Ungereimtheiten.

Es war der 29. September 2010, als Röttgen im Bundestag wieder und wieder von der Opposition gefragt wurde, wie er es mit den Nachrüstungen bei den Atomkraftwerken halte. Es gebe keine Abstriche bei der Sicherheit, so lassen sich die Antworten des CDU-Umweltministers zusammenfassen. Die Auflagen für die Betreiber würden sogar noch erhöht, so der 45-Jährige. Wie, das sagte er nicht. Vorwürfe, über das reformierte Atomgesetz würde das Klagerecht von Bürgern auf Nachrüstungen ausgehöhlt, wies Röttgen zurück.

Der Minister stemmte sich nicht dagegen, dass Meiler wie Biblis A und Neckarwestheim 1, die sich nur mit Drosselung und Stillstand in die Laufzeitverlängerung retteten, ohne Nachrüstung weiterlaufen durften. Eigentlich hätten sie spätestens Anfang 2011 abgeschaltet werden müssen. Dabei hatte Rot-Grün schon mit den Betreibern beim Atomausstieg vor zehn Jahren vereinbart, dass wegen der spätestens binnen 20 Jahren erfolgenden Abschaltung bei den Meilern nur noch das Nötigste nachzurüsten sei.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

14.03.2011, 19:38 Uhr

Wenigstens einer aus dem Regierungsteam, der den Mut hat, die Unwägbarkeiten der Technik zugunsten des Volkes zu beurteilen. Frau Merkel sagte dagegen gestern mehrfach: "Nach Allem, was wir wissen, ist die Sicherheit unserer Kernkraftwerke gegeben." Hier möchte ich Ihnen, Frau Merkel, entgegnen, dass uns genau aber das, was wir nicht wissen, solche Sorgen machen muss, dass wir uns eine solch Tot-bringende Technik nicht leisten können und wir Bürger auch nicht wollen. Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt und wollen sie ihnen heil übergeben!
http://faszinationmensch.wordpress.com/2011/03/13/kernkraftwerke-und-warum-es-ein-wiegen-in-sicherheit-nicht-geben-kann

Daniel

14.03.2011, 19:48 Uhr

Es ist paradox: Auf der einen Seite müsste man Norbert Röttgen extrem ankreiden, dass er sich beim "Atomkompromiss" wider die eigene Überzeugung und wider besseren Wissens und trotz seiner Position als verantwortlicher Minister von Merkel und der Atomlobby hat unterbuttern lassen. Auf der anderen Seite - und das überwiegt in diesem Moment - ist er die einzige Hoffnung, die "Chance" (so absurd diese Bezeichnung in diesem Zusammenhang ist) zu nutzen und die Mitglieder seiner Koalition in eine Richtung zu buxieren und durch verbindliche Aussagen so festzunageln, dass diese hinterher nicht wieder mit faulen Kompromissen und einem Scheck der Kraftwerksbetreiber davon kommen. Er ist deswegen die einzige Hoffnung, weil diese Wendung nun seiner glaubhaften Überzeugung entspricht. Mappus, Söder und Konsorten kann man an dieser wie auch an den meisten anderen Stellen in der Pfeife rauchen - die sagen das, was der Wähler ihrer Meinung nach gerade hören will und geben keinen Cent auf ihr Geschwätz von gestern ! Und gerade Söder geht es ja vermutlich vor allem darum, dass in Bayern die Landschaft viel zu schön für einen GAU ist.

Account gelöscht!

14.03.2011, 21:19 Uhr

ich bin dafür das die, die die Atomkraftwerke sofort abschalten wollen die Mehrkosten übernehmem um die dann ansteigenden Strompreise zu stützen.
Namentlich per Wahl!!

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