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11.04.2016

14:24 Uhr

Umweltschutz

Wovon Energieeffizienz abhängt

VonSilke Kersting

Jede gesparte Kilowattstunde Energie schont Umwelt und Geldbeutel. Deshalb will Berlin die Energieeffizienz in Unternehmen vorantreiben. Doch eine Studie zeigt: Energiepreise sind dabei gar nicht der wichtigste Faktor.

Energieeffizienz – seit Jahren ein Thema für die Wirtschaft. Viele Unternehmen haben längst damit begonnen, ihre Prozesse energieeffizienter zu gestalten. dpa

Energieeffizienz

Energieeffizienz – seit Jahren ein Thema für die Wirtschaft. Viele Unternehmen haben längst damit begonnen, ihre Prozesse energieeffizienter zu gestalten.

BerlinEnergieeffizienz – seit Jahren ein Thema für die Wirtschaft. Viele Unternehmen haben längst damit begonnen, ihre Prozesse energieeffizienter zu gestalten. Sie haben erkannt, dass sie mit energieeffizienteren Prozessen Kosten reduzieren können, was wiederum ihre Wettbewerbsfähigkeit steigert.

Das Potenzial ist jedoch noch längst nicht ausgeschöpft, finden Umwelt- und Wirtschaftsministerium. „Energie einsparen muss in den Betriebsalltag gehören – das ist das, was in die Köpfe hineingehört“, sagte Uwe Beckmeyer, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) auf einer Veranstaltung der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz in Berlin. Neben der Möglichkeit, Kosten einzusparen, steht für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vor allem der Klimaschutz im Fokus. „Konsequenter Klimaschutz ist mehr als die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien“, sagte die SPD-Ministerin. Zweifel an der Wirtschaftlichkeit vieler Maßnahmen und zu lange Amortisationszeiten lässt sie nicht gelten: Das Gros möglicher Maßnahmen, sagte sie, sei wirtschaftlich umsetzbar.

Eine neue Studie gibt denjenigen Unternehmen Recht, für die das Thema schon heute im Fokus steht: „Unternehmen, die hierauf spezialisiert sind, prosperieren überdurchschnittlich stark im Vergleich zur restlichen Wirtschaft“, heißt es im neuen Branchenmonitor Energieeffizienz 2016 der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff), der am Dienstag in Berlin vorgestellt wird und dem Handelsblatt bereits vorliegt.

Der Branchenmonitor basiert auf einer Ende 2015 durchgeführten und später von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) ausgewerteten Befragung unter 190 Anbietern von Energieeffizienzprodukten und -dienstleistungen; seit 2013 erscheint er einmal jährlich.

Die Befragung zeigt, dass die wichtigsten neuen Impulse für den Energieeffizienzmarkt von politischen Rahmenbedingungen ausgeht ¬ nicht mehr von hohen Energiepreisen wie in der Vergangenheit. Diese bleiben wichtig, wurden aber ebenfalls von neuen Kundenbedürfnissen und einem steigenden Nachhaltigkeitsbewusstsein überholt.

Die Klimapolitik der Bundesländer

Rheinland-Pfalz

Mit Rheinland-Pfalz gibt sich das dritte Bundesland ein Klimaschutzgesetz mit festen CO2-Einsparzielen – nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

Hamburg

...hat bereits seit 1997 ein Klimaschutzgesetz, das Maßnahmen zum Energiesparen, aber kein eigenes Klimaziel formuliert. Mit einem „Masterplan Klimaschutz“ von 2013 sollen die nationalen Ziele umgesetzt werden.

Berlin

...will bis 2050 klimaneutral werden. Ein Energiewendegesetz liegt im Entwurf vor. Es sieht CO2-Minderungsziele bis 2020 (-40%), 2030 (-60%) und 2050 (-85%) vor (zu 1990) und soll noch in diesem Jahr Senat und Abgeordnetenhaus passieren.

Bremen

...soll Anfang 2015 ein Klimaschutzgesetz bekommen. Im Entwurf steht, dass der CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent sinkt (zu 1990).

Niedersachsen

...hier will Rot-Grün bis „Mitte der Legislatur“ (2015) ein Gesetz vorlegen, die Vorarbeiten laufen. Die Regierung arbeitet auch an einem Klimaziel, ein Runder Tisch soll bis zum ersten Quartal 2015 Ergebnisse liefern.

Schleswig-Holstein

...prüft derzeit das Für und Wider eines eigenen Energiewende- und Klimaschutzgesetzes. Kabinett und Landtag sollen Ende 2014 eine Empfehlung abgeben.

Bayern

...will die jährlichen CO2-Emissionen bis 2020 auf deutlich unter sechs Tonnen pro Einwohner reduzieren. Der Ökostromanteil (Verbrauch) soll bis 2021 auf 50 Prozent steigen.

Sachsen

...hat in einem „Energie- und Klimaprogramm“ festgelegt, dass der jährliche CO2-Ausstoß des Nicht-Emissionshandelssektors bis 2020 um 25 Prozent gegenüber 2009 sinken soll.

Brandenburg

...hat 2012 eine „Energiestrategie 2030“ beschlossen, die festschreibt, dass der CO2-Ausstoß bis dahin um 72 Prozent gesenkt werden soll (zu 1990). Mit einem Vorstoß für ein eigenständiges Gesetz scheiterten die Grünen dieses Jahr im Landtag.

Thüringen

...hier fiel ein Klimaschutzgesetz der Grünen im Juni im Landtag durch. Verschiedene Ziele zur Energieeffizienz und zum Ausbau der erneuerbaren Energien sollen aber helfen, den Treibhausgas-Austoß im Vergleich zu 2010 bis 2020 um 10 Prozent zu reduzieren.

Hessen

...hier hat sich Schwarz-Grün im Koalitionsvertrag generell auf Klimaziele verständigt. Diese sollen eher nicht mit einem Gesetz, sondern in einem Konzept mit Einzelmaßnahmen umgesetzt werden.

Mecklenburg-Vorpommern

...feilt an einem Landesenergiekonzept, das auf erneuerbare Energien setzt. Vorläufer sind ein Klimaschutzkonzept (1997) und ein Aktionsplan Klimaschutz (2010).

Saarland

...hat ein Klimaschutzkonzept von 2008 und will 20 Prozent des eigenen Stromverbrauchs bis 2020 aus erneuerbaren Energien decken. Ein Einsparziel gibt es nicht. Der Landtag will aber prüfen lassen, ob ein eigenes Klimaschutzgesetz lohnt.

Sachsen-Anhalt

...hält ein solches Gesetz für „überflüssig und kontraproduktiv“ und sieht keinen Sinn in einem Landes-Klimaziel. Das Umweltministerium verweist auf die Erfolge beim Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Einen deutlichen Impuls scheint die nationale Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie und die Verpflichtung von Großunternehmen zur Durchführung von Energieaudits gebracht zu haben, stellt PwC fest. Ein Energieaudit umfasst die die technische und wirtschaftliche Bewertung der Energieeinsparpotenziale durch einen zertifizierten energietechnischen Berater; Unternehmen gingen aber oftmals über die gesetzlichen Anforderungen hinaus und führten gleich ein umfassendes Energie- und Umweltmanagementsystem ein.

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen gibt an, dass sich Energieeffizienz unbedingt lohnt. Für die übrigen Unternehmen, heißt es in der Studie, wirkt sich das Geschäft mit der Energieeffizienz zumindest positiv auf andere Unternehmensbereich aus oder sie rechnen mit positiven Renditen in den Folgejahren.

Als zentrale technische Trends sehen die befragten Unternehmen vor allem die intelligente und bedarfsgerechte Steuerung energieverbrauchender Anlagen. Als Kernprobleme am Markt gelten in erster Linie Unsicherheiten über politische Rahmenbedingungen sowie die mangelnde Bereitschaft der Kunden, für hochwertige Produkte und Dienstleistungen ausreichend zu zahlen.

Eine Untersuchung des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Uni Stuttgart zeigt den Stellenwert des Themas Energieeffizienz in Unternehmen: „Schon heute widmen fast drei Viertel aller Unternehmen mehr als zehn Prozent ihrer Gesamtinvestitionen der Energieeffizienz“, sagt EEP-Direktor Alexander Sauer. Dabei steige der geplante prozentuale Investitionsanteil mit der Unternehmensgröße.

Hier soll nun die Mittelstandsinitiative ansetzen, die vor allem durch eine gezielte Ansprache von kleinen und mittleren Unternehmen und vor allem deren Mitarbeiter das Thema voranbringen will: „Klimaschutz in Unternehmen“, weiß Umweltministerin Hendricks, „funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter mitziehen.“

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