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30.07.2014

14:42 Uhr

Uni Düsseldorf

Lammert sagt Rede zum Jubiläum ab

Die Universität Düsseldorf hat zwei Professoren geehrt, die in der Affäre um Annette Schavan eine zentrale Rolle gespielt haben – mit einer bemerkenswerten Begründung. Bundestagspräsident Lammert zieht nun Konsequenzen.

Eigentlich sollte der Bundestagspräsident Lammert im November 2015 an der Uni Düsseldorf eine Festrede halten. Die Absage ist ein deutliches Signal aus Berlin. dpa

Eigentlich sollte der Bundestagspräsident Lammert im November 2015 an der Uni Düsseldorf eine Festrede halten. Die Absage ist ein deutliches Signal aus Berlin.

Berlin/DüsseldorfWegen des Umgangs der Universität Düsseldorf mit dem Plagiatsfall Annette Schavan hat Bundestagspräsident Norbert Lammert eine Festrede zum 50-jährigen Jubiläum der Hochschule abgesagt. Lammert habe seine Zusage wieder zurückgezogen, teilte sein Sprecher auf Anfrage mit. Die Heinrich-Heine-Universität bedauerte dies. Da der Festakt für den November 2015 vorgesehen sei, komme die Absage aber noch mehr als frühzeitig, sagte ein Sprecher.

Lammert selbst erklärte in einem Schreiben an den Rektor der Universität, er habe „unterschätzt, welche Bedeutung das Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrades von Annette Schavan noch immer nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern auch im Selbstverständnis der Düsseldorfer Hochschule hat“.

Chronologie Schavan

September 1980

Annette Schavan reicht im Alter von 24 Jahren ihre erziehungswissenschaftliche Dissertation „Person und Gewissen“ an der Philosophischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf ein. Die Arbeit wird mit „sehr gut“ benotet.

29. April 2012

Auf einer Internetplattform wird anonym der Vorwurf des Plagiats gegen Schavan erhoben.

2. Mai

Die Universität Düsseldorf beauftragt die zuständige Promotionskommission, die Vorwürfe zu prüfen.

10./11. Mai

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Schavan ihr Vertrauen aus.

27. September

Der Vorsitzende des Promotionsausschusses, Professor Stefan Rohrbacher, legt intern einen Sachstandsbericht vor. Das Ergebnis: An zahlreichen Stellen der Arbeit sei plagiiert worden. Es liege eine systematische Vorgehensweise und damit eine Täuschungsabsicht vor.

14. Oktober

Der „Spiegel“ zitiert aus dem vertraulichen Bericht Rohrbachers. Schavan weist eine Täuschungsabsicht zurück.

15./16. Oktober

Merkel spricht Schavan erneut das Vertrauen aus. Rückendeckung bekommt sie auch von ihrem Doktorvater Gerhard Wehle. Auf der Suche nach der undichten Stelle erstattet die Universität Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts auf Weitergabe vertraulicher Informationen.

17. Oktober

Die Prüfungskommission berät über den internen Bericht Rohrbachers.

10. November

Schavan reicht nach Informationen der „Rheinischen Post“ bei der Uni Düsseldorf eine schriftliche Stellungnahme ein, in der sie den Vorwurf des Plagiats bestreitet.

18. Dezember

Die Promotionskommission empfiehlt nach Prüfung der Arbeit und Anhörung Schavans, ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels zu eröffnen. Befinden muss darüber der Rat der Philosophischen Fakultät.

22. Januar 2013

Der Fakultätsrat stimmt mit 14 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung für die Einleitung des Hauptverfahrens zur möglichen Aberkennung des Doktortitels. Für den 5. Februar setzt der Rat eine weitere Sitzung an.

31. Januar

Schavan räumt im „Zeitmagazin“ Flüchtigkeitsfehler in ihrer Doktorarbeit ein, weist den Vorwurf des Plagiats oder der Täuschung aber erneut zurück.

5. Februar

Der zuständige Fakultätsrat der Universität Düsseldorf stimmt im Plagiatsverfahren für die Aberkennung des Doktortitels. Schavan hält sich zu politischen Gesprächen in Südafrika auf.

Dabei verwies er unter anderem auf die „demonstrative Auszeichnung“ von zwei Professoren, die bei dem Verfahren gegen die damalige Forschungsministerin eine zentrale Rolle gespielt hatten. Ihn irritiere, „dass jegliche kritische Stimmen auch und gerade von hochangesehenen Wissenschaftlern und aus den akademischen Spitzenverbänden ausnahmslos für eine unerwünschte Einmischung und unzulässige versuchte Einflussnahme erklärt werden“.

Kommentare (6)

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Herr Volker Birk

30.07.2014, 15:39 Uhr

Was ist denn so schwierig daran zu akzeptieren, dass die Gute beschissen hat und letztlich doch noch erwischt wurde?

Was ist so kompliziert, als dass man es nicht einsehen könnte, dass die Uni Düsseldorf gar nicht anders hat handeln können, wollte sie nicht ihren eigenen Ruf auf's Spiel setzen?

Oder gelten für Politiker Ausnahmeregelungen, sie können betrügen wie sie wollen, nur andere nicht?

Lammert enttäuscht.

Herr Manfred Zimmer

30.07.2014, 15:59 Uhr

Eine aufrechte Universität und Lammert als Person waren ohnehin wie Feuer und Wasser.

Es ist gut, dass er abgesagt hat. Die Studenten der Universität hättn ihn möglicherweise zerrissen.

Herr dieter langer

30.07.2014, 16:09 Uhr

Hr. Lammert sollte sich was schämen und zur Strafe einmal die Dis der Schavan durchlesen..

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