Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2013

14:41 Uhr

Uniklinikum Leipzig

„Wir sind überrascht und bestürzt“

Für jeden Patienten, der auf ein Organ wartet, ist der Leipziger Manipulationsskandal fatal. Das Vertrauen potenzieller Spender wird erschüttert. Forderungen nach einer unabhängigen Kontrollstelle blockt die Politik ab.

In Leipzig wurden in 38 Fällen Patientenakten manipuliert. dapd

In Leipzig wurden in 38 Fällen Patientenakten manipuliert.

Berlin/LeipzigNach Bekanntwerden des Organspendeskandals am Universitätsklinikum Leipzig sieht die Bundesregierung zunächst keinen Handlungsbedarf. Eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verwies auf Vereinbarungen aus dem vergangenen August, zu denen unter anderem eine Überprüfung aller 47 Transplantationszentren gehöre.

Die Deutschen Stiftung Patientenschutz verlangte von der Bundesregierung, jetzt endlich eine unabhängige Kommission aus Ärzten, Ethikern und Juristen einzurichten. Die unabhängigen Experten dürften nicht am Transplantationssystem beteiligt sein und damit Geld verdienen. Eine Sprecherin Bahrs wies die Forderung jedoch mit dem Hinweis zurück, dass die Untersuchungen bereits jetzt schon unabhängig stattfänden.

Bislang seien zehn dieser Zentren überprüft worden, von denen einige „Auffälligkeiten“ aufgewiesen hätten. In drei Fällen werde diesen auch nachgegangen. Die Überprüfung finde unangekündigt statt. „Das Ziel ist, möglichst umfassend und transparent zu informieren und aufzuklären“, betonte die Sprecherin.

Uni-Klinikum Leipzig: Manipulationen bei Transplantationen entdeckt

Uni-Klinikum Leipzig

Manipulationen bei Transplantationen entdeckt

Manipulationen bei der Organvergabe waren zunächst aus Göttingen bekanntgeworden.

Im Universitätsklinikum Leipzig brachte die Prüfung zweier Kommissionen bislang in 38 Fällen Manipulationen an Patientenakten zum Vorschein: 37 Fälle in den Jahren 2010 und 2011 sowie einen Fall 2012.

Die Leitung des reagiert darauf mit Bestürzung. „Wir sind überrascht und bestürzt“, sagte der Medizinische Vorstand, Wolfgang Feig, am Mittwoch in Leipzig. Trotz der wiederholten Manipulationen stellte er jedoch die bislang angewendete Praxis des Transplantationssystems in Deutschland nicht infrage. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden“, sagte er.

Transplantationen: Experten fordern weniger Organspende-Zentren

Transplantationen

exklusivExperten fordern weniger Organspende-Zentren

So soll der wirtschaftliche Druck bei Organverpflanzungen gesenkt werden.

An dem Klinikum wurden Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben, damit sie auf der Warteliste zur Organtransplantation nach oben rutschen. Dialysepatienten gelten als bedürftiger. Allerdings habe in den genannten 38 Fällen nie eine Dialyse stattgefunden, sagte Feig.

Als Konsequenz hat das Klinikum den Direktor der Transplantationschirurgie sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden.

Von

dapd

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

spacewalker

02.01.2013, 15:18 Uhr

Die FDP hat mit einer Ständevertretung der niedergelassenen Ärzte 2009 einen deal ausgehandelt. Und der ging folgendermaßen: Wir, die niedergelassenen Ärzte unterstützen die FDP nach Kräften und ihr (die FDP) sorgt nach der Wahl dafür, daß ein FDP-Mann Gesundheitsminister wird. Ergebnis 56% der niedergelassenen Ärzte wählten 2009 die FDP, und Bahr wurde Gesundheitsministr. Diese scheinheilige Kapitalistentruppe wird von der CDU gebraucht, um einschneidende Änderungen durchzuführen. Daß das geschieht glaubt noch nicht einmal jemand, der die Hose mit de Kneifzange zumacht!

p.s.: Ich kann nicht verstehen, daß die anständigen Ärzte nicht gegen die Ferkel in ihren eigenen Reihen vorgehen, obwohl diese einen ganzen Berufsstand beschmutzen.

Sprachlos

02.01.2013, 16:36 Uhr

Und wer kann bei solchen, immer wiederkehrenden Botschaften noch garantieren, daß für tot erklärte Organspender auch wirklich tot sind...
Mein diesbezügliches Vertrauen in die Ärzteschaft tendiert gen Null und daher habe ich auch meinen Spenderausweis entsorgt. Bedanken können sich potentielle Empfänger bei unserer Regierung, die trotz nun schon mehrmaliger Vorfälle nach wie vor "keinen Handlungsbedarf" sieht.



aletheia53

02.01.2013, 16:48 Uhr

Ich geben Ihnen weitestgehend Recht. Aber Kapitalisten sind diejenigen nicht, die sich auf diese Weise in Transplantationszentren persönlich bereichern. Gleichwohl stimme ich Ihnen zu, dass die dazu führende Raffgier auch bei einem großen Teil der CDU-Wähler vorhanden ist. Um die entgangenen Profite durch eine möglicherweise besser gesicherte Transplantationssystematik zu egalisieren schlage ich vor, dass diese Parteien noch die aktive ärztliche Begleitung des freiwilligen und sozial verträglichen Frühdahinscheidens durch den Bundestag bringt. Denn die Chancen an der Teilhabe am medizinischen Fortschritt ist seit der massiven Privatisierung des Krankenhausbereiches für einen Großteil der Bevölkerung nicht mehr möglich (siehe auch Wohlstandsbericht - Vermögensverteilung), wenn nur noch die Chance besteht durch Beziehung und Bestechung oder immensen monetären Aufwand. Damit die Menschen nicht die Lokführer oder LKW-Fahrer bemühen müssen, wäre der von der Allgemeinheit finanzierte Freitod gesellschaftlich weniger kostenaufwendig als die Traumabehandlungen der unfreiwilligen Helfer. Ein gutes und gesundes Neues Jahr nochö

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×