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24.11.2015

12:43 Uhr

Unions-Fraktion feiert Merkel

„Die Woche fängt ja gut an“

VonDaniel Delhaes

Nach ihrem Rüffel beim Parteitag der CSU wird Kanzlerin Angela Merkel in der Fraktionssitzung in Berlin geradezu frenetisch gefeiert – auch von den CSU-Abgeordneten. Doch am Ende gibt es einen, der nicht mehr klatscht.

Im Bundestags-Fraktionssaal genießt die Kanzlerin die Unterstützung in der eigenen Fraktion. dpa

Unions Bundestagsfraktionen

Im Bundestags-Fraktionssaal genießt die Kanzlerin die Unterstützung in der eigenen Fraktion.

BerlinÜber Balsam für die Seele freut sich auch eine Bundeskanzlerin. Volker Kauder läutet im Fraktionssaal von CDU und CSU die Sitzungsglocke, danach beginnt er an diesem Montagabend mit einem Dank. Zehn Jahre sei Angela Merkel nun schon Bundeskanzlerin, sagt er ¬ woraufhin es stehende Ovationen gibt, „so wie ich es noch nie erlebt habe“, wie ein CDU-Abgeordneter später erzählen wird. Volker Kauder sagt dann: „Dies ist der angemessene Umgang mit einer Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.“ Was folgt ist ein „frenetischer Applaus“ – im Wesentlichen bei den CDU-Abgeordneten, wie es später heißt.

Angela Merkel hätte allen Grund gehabt, mit gedämpfter Stimmung in die Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu kommen. Da war zum einen der Staatsakt für Helmut Schmidt am Vormittag, bei dem sie vor 1.800 Trauergästen aus aller Welt sprach und ihren Vor-Vor-Vorgänger ehrte und würdigte. Da war aber vor allem noch das Wissen um den Parteitag der CSU vom Freitag.

Die Karriere der Angela Merkel

1991

Im Januar wird die Vizesprecherin der letzten DDR-Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) mit 35 Jahren Bundesministerin für Frauen und Jugend. Im Dezember wird sie stellvertretende Vorsitzende der CDU, der sie erst 1990 beigetreten war.

1994

Im November tritt sie das Amt der Bundesumweltministerin an.

1998

Nach verlorener Bundestagswahl wird sie im November CDU- Generalsekretärin unter Partei- und Fraktionschef Wolfgang Schäuble.

1999

Im Dezember fordert Merkel ihre Partei angesichts der Parteispendenaffäre auf, sich von Altkanzler Kohl zu lösen.

2000

Im April wird Merkel als Nachfolgerin des zurückgetretenen Schäuble zur Parteichefin gewählt. Sie ist die erste Frau an der CDU-Spitze.

2002

Im Januar verzichtet Merkel nach langem Tauziehen zugunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber auf die Kanzlerkandidatur, im September gewinnt die rot-grüne Koalition knapp die Bundestagswahl. Merkel wird Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und bleibt dies bis 2005.

2005

Die SPD will die Bundestagswahl vorziehen, CDU und CSU bestimmen Merkel im Mai zur Kanzlerkandidatin. Bei der Wahl im September verpasst die Union den angestrebten Machtwechsel zu Schwarz-Gelb – doch im November wird Merkel als Bundeskanzlerin einer großen Koalition vereidigt. Sie ist die erste Frau im höchsten Regierungsamt und mit 51 Jahren die Jüngste als Kanzler.

2009

Bei der Bundestagswahl im September reicht es für ein schwarz- gelbes Bündnis. Im Oktober wird Merkel zum zweiten Mal zur Kanzlerin gewählt.

2010

Merkel setzt Christian Wulff als Bundespräsidenten-Kandidaten durch, nachdem Horst Köhler Ende Mai seinen Rücktritt erklärt hat.

Januar 2012

Als Wulff im Februar ebenfalls zurücktritt, stimmt Merkel dem Vorschlag von SPD, Grünen und FDP zu, Joachim Gauck als Kandidaten für das Präsidentenamt aufzustellen.

Dezember 2012

Im Dezember wird sie zum sechsten Mal als CDU-Vorsitzende bestätigt - mit knapp 98 Prozent, ihrem bisher besten Ergebnis.

2013

Bei der Bundestagswahl im September gewinnen CDU und CSU, aber der bisherige Partner FDP schafft es nicht mehr ins Parlament. Die Union bildet mit der SPD erneut eine große Koalition. Im Dezember wird Merkel zum dritten Mal Kanzlerin.

Auch da hatte Merkel eine Rede gehalten, ohne große Emotionen, eher erklärend, warum ihr Kurs der europäischen und internationalen Lösung der Flüchtlingsfrage der Richtige ist und Instrumente der nationalen Abschottung ¬- etwa einer Obergrenze bei der Flüchtlingsaufnahme, die die CSU fordert – nichts für sie sind. Europa dürfe kein Schaden nehmen, hatte sie vor den CSU-Delegierten gesagt und die mit dem Schengen-Abkommen verbundene Reisefreiheit verteidigt. Sogar ihren Vor-Vorgänger Helmut Kohl zitierte sie: „Deutschland ist unser Vaterland. Europa ist unsere Zukunft.“ Deutschland gehe es auf Dauer nur gut, wenn es Europa gut gehe. Und deshalb gelte: „Abschottung ist keine Lösung im 21. Jahrhundert.“ Sie ging am Ende ohne Applaus und mit einem Rüffel von CSU-Chef Horst Seehofer im Gepäck heim.

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Jetzt im Bundestags-Fraktionssaal genießt die Kanzlerin die Unterstützung in der eigenen Fraktion. Sie ist es, die sie trägt, ihre Politik unterstützt – wenn es sich auch in der Flüchtlingsfrage zu ändern droht. Volker Kauder erinnert an das Erreichte in der Regierungszeit, natürlich eine Gemeinschaftsleistung. Aber ohne Angela Merkel sei all das nicht möglich gewesen. In der Tat: Ohne die Kanzlerin, so sagen es alle Demoskopen, hätten CDU und CSU 2013 nicht fast die absolute Mehrheit erreicht, hätten nicht so viele Unionspolitiker einen Sitz im Bundestag. Merkel erhält von Kauder einen Blumenstrauß.

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