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23.02.2011

21:05 Uhr

Universität Bayreuth

Hochschule erkennt Guttenberg Doktortitel ab

Es ist gekommen wie es kommen musste: Jetzt ist es amtlich – die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den Doktortitel aberkannt.

Unter Beschuss: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Mittwoch im Bundestag. Quelle: dpa

Unter Beschuss: Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Mittwoch im Bundestag.

BayreuthHochschulpräsident Rüdiger Bormann gab die Aberkennung am Mittwochabend nach einer Sitzung der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bekannt. Guttenberg habe wissenschaftliche Standards „objektiv nicht eingehalten“, sagte Bormann. Auch Guttenberg bestreite das nicht. Zuletzt hatte der CSU-Politiker gravierende Fehler eingeräumt und die Universität gebeten, den Doktortitel zurückzunehmen. Man habe ihm die Entscheidung per Pressemitteilung mitgeteilt.

Die wörtliche und sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstoße gegen die Rechtsprechung und die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, erläuterte Bormann. „Die Kommission, darauf weisen die Mitglieder einstimmig hin, hat sich davon überzeugt, dass Herr Freiherr zu Guttenberg gegen diese wissenschaftlichen Pflichten in erheblichem Umfang verstoßen hat.“

Die der Literatur ohne Kennzeichnung übernommenen Stellen seien als Plagiat zu bezeichnen, betonte Bormann. Die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes habe man dahinstehen lassen können. „Wir brauchen nicht zu prüfen, ob die ganze Arbeit ein Plagiat ist“, sagte der Universitätspräsident. Den Vorwurf der bewussten Täuschung weist Guttenbergstrikt zurück.

Bormann betonte, es habe bei der Bewertung des Falles keinen politischen Druck gegeben. Zu Folgen für die künftige Zusammenarbeit mit dem Minister, dessen Familie in der Nähe von Bayreuth lebt, wollte sich der Hochschulpräsident nicht äußern. Die Selbstkontrollkommission werde aber weiterhin über mögliche Konsequenzen beraten.

Kommentare (15)

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23.02.2011, 20:20 Uhr

Es hängt jetzt alles an den Medien: wird das Thema am Kochen gehalten, tritt er zurück.
Nach dem heutigen Tag bleibt mir nur noch Sprachlosigkeit.
Die Uni prüft nicht weitergehend, also sind keine peinlichen Enthüllungen mehr zu erwarten. Herrscht jetzt Ruhe, bleibt er also in Amt und (ohne) Würden.
Ich schließe mit einem Zitat aus der Feuerzangenbowle:
"wat für 'ne fiese Charakter!"

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23.02.2011, 20:26 Uhr

Da ist doch was faul. Man kann nicht sieben Jahre an seiner Dissertation arbeiten und binnen weniger Tage sagen: huch, ich gebe meine Arbeit zurück. Solch eine Aussage verstärkt den Eindruck die Arbeit nicht selbst verfasst zu haben, wenn plötzlich die erbrachte Leistung (offensichtlich) egal ist..

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23.02.2011, 20:27 Uhr

Eigentlich noch schlimmer als die Pseudoentschuldigungen des Herrn zu Guttenberg waren die erbärmlichen Beiträge von CDU und FDP.
Schade das die aktuelle Stunde nicht nach der Entscheidung der Bayreuther Uni erfolgte: was für Peinlichkeiten und Eiertänze hätten die Sprecher der Regierungskoalitionen dann aufgeführt???

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