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12.07.2015

20:46 Uhr

Unmut in der SPD-Basis

Sigmar Gabriel ist „Mister Zickzack“

Sigmar Gabriel schlägt stetig neuer Wut aus der SPD-Basis entgegen. Zuletzt erntete er nach einem umstrittenen Grexit-Kommentar einen Shitstorm. Spitzengenossen reiben sich die Hände. Seine Autorität ist angekratzt.

Vize-Kanzler Sigmar Gabriel nach einer Debatte um die Griechenland-Krise: „Mister Zickzack“ ap

Sigmar Gabriel

Vize-Kanzler Sigmar Gabriel nach einer Debatte um die Griechenland-Krise: „Mister Zickzack“

BerlinAls Sigmar Gabriel sich gegen Mitternacht auf seiner Facebook-Seite zu Wort meldet und mitteilt, die SPD sei über Schäubles Idee eines Grexit auf Zeit „natürlich“ im Bilde, gibt es kein Halten mehr. Zornig schleudern viele der dortigen „Freunde“ dem Parteichef und Vizekanzler entgegen, er verrate SPD-Ideale, um als harter Hund in der Griechenland-Krise Punkte zu sammeln.

Gabriels Ansatz, der wie Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) die Griechen zwar im Euro halten will, aber nicht um jeden Preis, kommt nicht gut an in seiner Partei. „So ein Wischi-Waschi hätten weder Bebel noch Brandt noch Schumacher je von sich gegeben. Bezieh' einmal eine Position für mehr als drei Tage oder trete zurück“, schreibt einer in Gabriels Kommentarleiste.

Die SPD verfolgt nach wie vor das Ziel, Griechenland in der Eurozone zu halten, wenn die dafür notwendigen Bedingungen...

Posted by Sigmar Gabriel on Saturday, July 11, 2015

Alles nur üble Stimmungsmache aus dem Netz gegen den SPD-Vorsitzenden? Keineswegs.

Bei den Sozialdemokraten ist bis hinauf in die Führung der Unmut über Gabriel stetig angeschwollen. Seine zahlreichen Alleingänge haben jenen Bonus weitgehend aufgezehrt, den sich Gabriel durch seine geschickte Verhandlungsführung beim Schmieden der großen Koalition mit der Union erworben hatte. Von der Diskussion mit Pegida-Leuten Anfang des Jahres in Dresden über den Kurswechsel bei der Vorratsdatenspeicherung bis nun zur harten Griechenland-Linie.

Ein Strategiepapier Gabriels, mit dem er die SPD stärker in die Mitte rücken will, wird von seinen Gegnern gleich zu einem Rechtsruck erklärt. Jetzt reiben sich selbst Spitzengenossen feixend die Hände, wenn an der Basis über „Mister Zickzack“ gespottet wird. Gabriels Autorität ist angekratzt.

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++: Warten ohne Ende

++ Liveblog zur Griechenland-Krise ++

Warten ohne Ende

Die Staats- und Regierungschefs verhandeln in großer, dann in kleiner Runde. Das Hoffen auf einen guten Ausgang zieht sich in den Morgen: Laut Laut Tusk liege ein „Kompromissvorschlag“ vor. Die Ereignisse im Liveblog.

Mit vollem Einsatz hat sich öffentlich bisher nur Fraktionschef Thomas Oppermann für Gabriel ins Zeug gelegt. Den SPD-Konvent zur Vorratsdatenspeicherung gewann der Parteichef mit weniger als 60 Prozent. Dafür musste er quasi die Vertrauensfrage stellen, was er nicht beliebig oft wiederholen kann.

Nun wird auch bei Griechenland deutlich, dass die SPD Gefahr läuft, in alte Muster zu verfallen und den eigenen Vorsitzenden anzuschießen. Wie soll das erst werden, falls Gabriel als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf 2017 zieht? Oder muss doch noch Olaf Scholz ran?

Bei jedem scharfen Ton Gabriels in Richtung Athen schreien die Parteilinken auf: Griechenland quasi für fünf Jahre aus dem Euro zu werfen, wenn Athen keinen Reformen zustimme? Das geht nicht, meint Juso-Chefin Johanna Uekermann: „Als Europa-Partei darf die SPD einen solchen Vorschlag nicht mittragen.“ Und der linke Parteivize Ralf Stegner ergänzt: „Die halbstarken Grexit-Propagandisten haben von Europa und seinen Werten nix verstanden.“

Kommentare (4)

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Herr Ingo Ulrich

13.07.2015, 10:23 Uhr

WIR in Deutschland haben die falschen Volksvertreter in Spitzenpositionen besetzt !
Diese bisherige "Politik" speziell seit ROT/GRÜN treibt uns in die Katastrophe.
Es ist und es läuft vieles aus dem Ruder in unserem Land, durch Politikerversagen !
Erschreckend unsere Politik- und Medienwelt !

Herr Manfred Zimmer

13.07.2015, 12:05 Uhr

"Sigmar Gabriel ist „Mister Zickzack“"

Nie anders gewesen.

Zuständig, baer nicht verantwortlich!

Herr Manfred Zimmer

13.07.2015, 12:06 Uhr

Die Dümmsten sind immer die Tapfersten. Sie sehen die Gefahren nicht.

Die Parteien entsenden ihre tapfersten Mitglieder in die vorderste "Front" der Politik.

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