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10.04.2014

16:29 Uhr

„Unter der Diktatur des Kapitalmarkts“

Deutsche Politik sieht Griechenland-Zukunft skeptisch

Lange hat Griechenland nur mit internationaler Hilfe finanziell überlebt. Jetzt hat sich Athen wieder selbstständig Geld am Kapitalmarkt besorgt. Aus deutscher Sicht ist das Land aber noch lange nicht aus dem Schneider.

Griechenland macht mit geschöntem Haushalt wieder eigene neue Schulden, kritisiert der Familienunternehmer-Verband. dpa

Griechenland macht mit geschöntem Haushalt wieder eigene neue Schulden, kritisiert der Familienunternehmer-Verband.

BerlinPolitiker aus Koalition und Opposition sehen die Zukunft Griechenlands trotz seiner erfolgreichen Rückkehr an den Kapitalmarkt skeptisch. „Auch wenn Griechenland auf einem guten Weg ist - die Investoren sollten sich keiner Illusion hingeben. Das Land ist noch lange nicht über den Berg“, sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Dass die Anleihe gut ankomme, sage noch lange nichts über die Schuldentragfähigkeit des Landes aus, sagte Fuchs weiter.

Ähnlich kritisch argumentiert Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats: „Die Verschuldung und die Wirtschaftsdaten machen Griechenland nicht zu einem solventen Schuldner, die Märkte haben sich vor allem durch die Garantieerklärungen von EZB-Chef Mario Draghi beeindrucken lassen.“ Jetzt dürfe nicht erneut die Schuldenschleuse geöffnet werden. „Jeder dieser teuer verkauften Bonds, für die letztlich immer noch die Euro-Gemeinschaft haftet, erhöht die Gesamtverschuldung Griechenlands“, so Steiger.

Und auch der Präsident des Familienunternehmer-Verbands, Lutz Goebel, warnt vor vorschnellem Optimismus. „Ich warne davor, die Rückkehr an den Kapitalmarkt als Beleg für eine Besserung der Verhältnisse in Griechenland zu interpretieren“, sagte Goebel. „Der Staatsanleihenkauf durch vornehmlich Hedge-Fonds ist vielmehr ein Beleg dafür, dass die Finanzinvestoren die politischen Tricksereien bei der Euro-Rettung durchschauen und darauf spekulieren, dass im Notfall wieder andere die Zeche zahlen.“

In diese Richtung äußerten sich auch Marktteilnehmer. „Die Märkte gehen davon aus, dass die Schuldenkrise in der Euro-Zone vorerst unter Kontrolle ist. Das gilt auch für Griechenland, denn im Zweifelsfalle steht die EZB ja Gewehr bei Fuß“, sagte ein Frankfurter Börsianer.

Kritisch äußerte sich auch der SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider. Über Twitter teilte er mit:

Die Linksfraktionsvize Sahra Wagenknecht zeigte sich überzeugt, dass sich durch die Rückkehr des griechischen Staates an den Kapitalmarkt die Situation der Menschen in dem Mittelmeerland nicht bessern werde. Vielmehr sehen sie darin „ein Zeichen für die Kontinuität der menschenverachtenden Krisenpolitik der Bundeskanzlerin und ihrer Helfershelfer“, sagte Wagenknecht.

„An der Emission der Anleihe verdienen sich die beteiligten Banken die nächste goldene Nase“, fügte sie hinzu. „Für die Rückkehr unter die Diktatur des Kapitalmarktes verlangen die Finanzmarktakteure einen um ein Vielfaches höheren Zinssatz vom griechischen Staat als dieser für die sogenannten Hilfskredite zahlen müsste.“ Für die Zinsen müssten die griechischen Bürger mit weiteren Lohn-, Renten- und Sozialausgabenkürzungen bluten.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Auch aus Sicht des Grünen-Europaexperten Manuel Sarrazin bleibt die wirtschaftliche und finanzielle Lage in Griechenland schwierig. Die sozialen und politischen Herausforderungen seien enorm. „Auch das Überschuldungsproblem ist noch nicht nachhaltig gelöst“, sagte Sarrazin. Es sei zwar gut, dass die griechische Regierung, sich wieder teilweise über den Kapitalmarkt refinanziere.

„Bis jedoch ein dauerhaft stabiler Marktzugang Griechenlands erreicht ist, wird das Land weiterhin auf finanzielle Unterstützung angewiesen sein“, ist Sarrazin überzeugt. „Von der griechischen Politik erwarten wir, entschlossen an den Reformen zur Transformation des Landes weiterzuarbeiten und dabei auf die soziale Ausgewogenheit der Maßnahmen zu achten.“

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

10.04.2014, 14:38 Uhr

NULL Vertrauen - NULL Glaubwürdigkeit. Alles manilupert.

Zur Not steht ja der ESM mit dem deutschen Steuergeld als Geisel dahinter.

WEN WUNDERTS ! Jetzt werden Zinsen abkassiert zu Lasten der Nordländer in Europa. Perversion pur.

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Bei der "politischen Börse" heuzutage, wo der Finanzmarkt von willkührlichen Entscheidungen vollkommen abhängig ist, weiss man nicht woran man ist.

Alles wird täglich neu entschieden, alles ist willkührlich, subventioniert oder auch nicht und zu 100 % manipuliert.

Wer will in so einen Kochtopf sein Geld reinschmeissen und von "Merkel, Lagarde, Yellen und Draghi's Entscheidungen von morgen" abhängig sein ?

Grusel-Kabinett Finanzmärkte.

Wie es aussieht werden aber die heiligen Kühe (alle Anlage-Assets) immer weiter mit Geld aufgepumpt und täglich neu manipuliert.

Account gelöscht!

10.04.2014, 14:38 Uhr

960 Milliarden Euro (!!!) führen Europas Steuerzahler in den nächsten 7 Jahren nach "EU in Brüssel" ab. Damit wird Brüssel mächtig gemacht um sich in Europa aufzuspielel als Grossmacht und alle Staaten als Bittsteller dastehen zu lassen, die sich Brüssel fügen müssen.

Durch die Subventionen von "EU in Brüssel" aus:

- wird Korruption gefördert, denn jeder will Fördermittel haben
- macht man die Unternehmen "EU-hörig", sie müssen Bedingungen aus Brüssel akzeptieren und sich unterwerfen
- machen den gesunden Markt kaputt, denn ohne Förderung geht man dann kaputt
- beuten die Steuerzahler in Europa aus, denn sie zahlen den ganzen Förder-Wahnsinn
- verdienen sich die EU-Bürokraten dumm und dämlich am "Lobby-Lohn" den die Unternehmen "hintenherum" dann zu zahlen haben als "Dankeschön", den über-fetten Diäten und Pensionen als gekaufte Dienerschaft.

Subventionen führen Sozialismus und Planwirtschaft ein. Ende des freien Unternehmentums. Alles Lüge, Propaganda, EU-Besoffenheit, Ausbeutung.

- Schäuble ist ein Garant für die Ausbeutung der Deutschen in Europa. Eine Schande ist das.

Mit der EEG-Umlage finanziert er die endlosen Zinsen der Staatsanleihen in Griechenland. Frankreich bezahlt nur 13 cent je KW/h und lachen uns aus.

Die Aktienbörse ist wie ein Heroin-Abhängiger - er spürt nur Erleichterung, wenn er immer mehr bekommt (dafür sorgt Draghi wie ein Geld-Dealer).

Nasdaq und Dow Jones sind die heiligen Kühe der EZB, die wachsen und gedeihen müssen .... "Futter Herr Draghi neues Futter bitte !!!"

Account gelöscht!

10.04.2014, 14:38 Uhr

Die "Fernsteuerungs-Seuche" der Politik in Deutschland greift immer weiter um sich. Medien, GEZ-TV, Umfrage-Institute, "Meinungs-Forschung", Gerichte, öffentliche Ämter - alles wird unterwandert - und an die "politische Fernbedienung von Frau Merkel" angeschlossen.

So baut man sich eine Diktatur auf. CDU ist innerlich verfault und ausgetrocknet. Merkels Werk in Aktion.

Frau Merkel will ja dass sich die Deutschen wie einem Pflegeheim vorkommen. Psychoterror und Hypnose zugleich, die das GEZ-TV im Auftrage der Politik ausführt.

"Wetten dass " ist nur eine Plattform zum Antreten der überzuckerten "Gutdünker-Promies", Angelina Jolie, Brad Pitt, Madonna, Lady Gaga, Sting, diese ganzen Welten-Retter .... die immer in Deutschland gefeiert und hofiert werden wollen.

Dann einen Bambi hinterhergeschmissen bei der Berlinale jedes Jahr.

Ekelhaft. Wer guckt den Müll ?? Ausser Senioren 70+ ??

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