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03.01.2011

07:10 Uhr

Unternehmen

Politiker fürchten Abschreibung von Milliardenverlusten

VonDonata Riedel

Die Unternehmen in Deutschland sitzen auf einem riesigen Verlustberg von 500 Milliarden Euro. Nun befürchten Politiker, die Firmen könnten diese Verluste entweder bei der Körperschaftsteuer oder bei der Gewerbesteuer steuerlich geltend machen. Theoretisch wäre das zumindest möglich.

Steuerformulare: Was wäre, wenn es den Firmen gelänge, die 500 Mrd. Euro Verluste tatsächlich steuerlich geltend zu machen? ap

Steuerformulare: Was wäre, wenn es den Firmen gelänge, die 500 Mrd. Euro Verluste tatsächlich steuerlich geltend zu machen?

BERLIN. Deutschlands Unternehmen haben Verluste von 500 Milliarden Euro. Diese Summe jedenfalls nennt das Bundesfinanzministerium bei der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Linken-Abgeordneten Barbara Höll. Im Bundestag löst die Zahl, die den Ausgaben des Bundes von anderthalb Jahren entspräche, Angst und Schrecken aus: Was wäre, wenn es den Firmen gelänge, diese Verluste tatsächlich steuerlich geltend zu machen? Ginge dann nicht die wahre Euro-Krise von Deutschland aus?

Jene Unternehmensteuerexperten, die dazu die Strategien entwickeln könnten, halten dieses Schreckensszenario jedoch für extrem unwahrscheinlich. Um die historischen Verluste abtragen zu können, müsste es zunächst Gewinne geben, gegen die sie verrechnet werden könnten. Und offenbar ist das nicht der Fall, sagen die Steuerabteilungsleiter Berthold Welling vom Bundesverband der Deutschen Industrie und Alfons Kühn vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag: Selbst in den Aufschwungjahren vor der Krise sei der Berg an Verlustvorträgen weiter gewachsen. „Das kann eigentlich gar nicht sein“, sagte Welling.

Die Experten vermuten, dass es sich um über Jahre aufgelaufene Verluste von kommunalen Unternehmen, etwa Verkehrsbetrieben, handeln könnte, die kaum je Gewinne erzielen. Beigetragen zum Verlustberg haben womöglich auch seit langem insolvente Unternehmen, die lediglich zur Abwicklung ihrer Pensionskassen noch auf dem Papier bestehen. Richtig erklären ließen sich die Zahlen aber nicht, sagte Kühn. Dass ein demnächst zu erwartendes Urteil des Bundesfinanzhofs die Lage fundamental ändert, halten beide Experten für unwahrscheinlich: In dem Fall geht es um nur wenige Spezialfälle bei der Abschreibung von Verlusten ausländischer Betriebsstätten.

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