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07.03.2011

15:16 Uhr

Unternehmensberater

Warum die Frauenquote überflüssig ist

VonMichael Schäfer

ExklusivAuch zum 100. internationalen Frauentag sind Chefinnen in deutschen Firmen eine Rarität. Falsch wäre es aber, das mit der Brechstange zu ändern. Ein Gastbeitrag von Michael Schäfer von der Personalberatung Mercuri Urval

Mehr Frauen in Führungspositionen ist der Wunsch - die Wirklichkeit sieht anders aus. Quelle: dapd

Mehr Frauen in Führungspositionen ist der Wunsch - die Wirklichkeit sieht anders aus.

Die Diskussion um die Einführung einer verpflichtenden Frauenquote bei der Besetzung von Führungspositionen in Unternehmen droht in der Sackgasse zu enden, weil an Stelle des eigentlich lobenswerten Ziels der Gleichberechtigung mehr und mehr das Instrument selbst zum Ziel zu werden scheint. Für ein Personalberatungsunternehmen, das sowohl beim multinationalen Konzern, als auch beim örtlichen Mittelständler hinter die Kulissen blickt, stellt sich die Realität aber wesentlich differenzierter dar, als dass sie eine Verkürzung auf die eindimensionale Frage „Quote oder nicht?“ zulässt.

Unstrittig und durch zahlreiche Studien belegt ist, dass Frauen im Berufsleben auch heute noch stark benachteiligt sind, sei es durch ungleiche Bezahlung oder unzureichende Karriereperspektiven. Bei der Frage, wo die Ursachen dafür liegen und wie damit umzugehen ist, scheiden sich jedoch die Geister. Und wenn es schließlich darum geht, dass der Gesetzgeber eine verpflichtende Quote für Frauen in Führungspositionen erlassen will, sind die wenigsten Unternehmen begeistert.

Das liegt allerdings nicht daran, dass Frauen für Führungsaufgaben prinzipiell schlechter geeignet wären als Männer. Und auch geschlechtsspezifische Unterschiede, die vermeintlich im Arbeitsalltag relevant sein sollten, sind in der Praxis in vielen Bereichen widerlegt. Die Zahl der Unternehmen, die für sich keinen Bedarf an Frauen in Führungspositionen sehen oder dies nicht wollen, ist dementsprechend vergleichsweise gering. Weitaus mehr Unternehmen sind durchaus aufgeschlossen, tun sich jedoch schwer, Frauen für Führungspositionen zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Tatsache an sich führt allerdings dazu, dass die Diskussion um eine Frauenquote von vielen Unternehmen als Spiegelfechterei wahrgenommen wird.

Ein Blick in die Praxis zeigt: Führungskräfte bilden sich in den meisten Unternehmen im Rahmen der Tätigkeit aus den Reihen der Mitarbeiter heraus. In bestimmten Berufsfeldern ergibt sich deshalb schon aus dem geringen Frauenanteil insgesamt, dass rein statistisch auch sehr wenige Frauen überhaupt zum Kreise derer zählen können, die für eine Führungsposition in Frage kommen. Dieser Effekt ist vergleichbar in Branchen zu beobachten, die von klassischen „Männerberufen“ dominiert werden. Wo eine von zehn Fachkräften eine Frau ist, fällt die Wahrscheinlichkeit eines Aufstiegs entsprechend gering aus.

Eine Vernachlässigung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf über viele Jahre hat wesentlich zu dieser ungünstigen Ausgangslage beigetragen. Mittlerweile können jedoch immer mehr Unternehmen auf funktionierende Programme und vorzeigbare Erfolge verweisen, die vielen Frauen nach einer Familienphase zumindest die Wiederaufnahme ihres Berufes ermöglichen. Man sollte aber keinesfalls dem Trugschluss verfallen, dass eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf automatisch und direkt zu einem höheren Anteil von Frauen in Führungspositionen führt. Um mehr Frauen für Führungspositionen zu gewinnen sind diese Programme weder gedacht noch sind sie dafür ausreichend.

Kommentare (6)

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08.03.2011, 07:47 Uhr

Leider geht der Artikelschreiber völlig an der Wirklichkeit vorbei, was bei einem Berater erschreckend ist. Frauen haben nämlich völlig andere Karriereziele und Lebenspräferenzen. Männer arbeiten, um sich und ihre Familie zu ernähren und möglichst erfolgreich zu sein. Frauen arbeiten, weil sie ein ausgefülltes Leben haben wollen. Daher arbeiten sie gerne Teilzeit und in Berufen, die ihnen gefallen, aber wirtschaftlich wenig einbringen. Ausserdem darf bei ihnen der Beruf das Privatleben nicht verdrängen.

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08.03.2011, 08:43 Uhr

"Männer arbeiten, um sich und ihre Familie zu ernähren und möglichst erfolgreich zu sein. Frauen arbeiten, weil sie ein ausgefülltes Leben haben wollen."

Diese Sichtweise halte ich für sehr primitiv. Männer haben auch Ihre Träume und Wünsche. Diese haben nur selten mit der Familie zu tun. Außerdem ist es ein Irrtum zu denken, dass Männer sich kein ausgefülltes Leben wünschen. Solche Anmerkungen kommen leider immer von Männern, die mit dem Lebensziel, für andere zu sorgen und ihnen zufrieden zu halten, erzogen worden sind.

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08.03.2011, 09:40 Uhr

Warum Frauenquoten überflüssig sind?
Lieegt auf der Hand. Man betrachte stellvertretend:
Merkel, Kraft, Ypslianti, Simonis, Ulla Schmitt, Schnarrenberger-Lautschweiger, Pauli, C. Roth und schon ist das klar!

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