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25.01.2007

12:27 Uhr

Unterstützung für Steinbrück

Regierung konkretisiert die Abgeltungsteuer

VonDonata Riedel

Die große Koalition kann sich auf Lob von den Banken für die geplante Abgeltungsteuer freuen. Mittlerweile ist nach Angaben der Kreditinstitute geregelt, wann es noch eine Kontenabfrage geben darf. Auch so genannte Daytrader können aufatmen: Sie brauchen offenbar ihre Gewinne nicht sofort zu versteuern.

Selten bekommt eine Regierung Lob für eine Steuer. Doch die Abgeltungssteuer sehen die Banken positiv. Quelle: dpa

Selten bekommt eine Regierung Lob für eine Steuer. Doch die Abgeltungssteuer sehen die Banken positiv.

BERLIN. „Wir werden für das Projekt werben“, sagte Heinz-Udo Schaap, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), dem Handelsblatt. Die Details der geplanten Abgeltungsteuer, die eine Beamtenarbeitsgruppe aus den Finanzministerien von Bund und Ländern in dieser Woche zusammengestellt hat, verbesserten den Anleger-Standort Deutschland deutlich, sagte Schaap. An der Grundaussage ändere auch die ebenfalls geplante Abschaffung des Halbeinkünfteverfahrens nichts, auch wenn sie für manche Anleger die Steuerlast gegenüber heute erhöht.

Union und SPD wollen ab 1. Januar 2009 auf private Kapitalerträge eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent (plus Soli und Kirchensteuer) erheben, die - für Erträge oberhalb des Sparerfreibetrags von 750 Euro (Ledige) direkt von den Banken an den Fiskus weiter geleitet wird. Für Anleger, deren persönlicher Einkommensteuersatz zwischen 25 Prozent und dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent liegt, ist dies bei vielen Anlageformen von Vorteil - vor allem bei Zinsen. Wer weniger als 25 Prozent Steuern zahlt, kann seine Kapitaleinkünfte weiterhin veranlagen.

Für Aktionäre sieht das Bild differenziert aus. Für sie gilt bisher das Halbeinkünfteverfahren: Dividenden werden nur zur Hälfte besteuert, ebenso Kursgewinne, wenn die Aktien innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist verkauft werden. Danach bleiben Kursgewinne heute steuerfrei. Zum 1. Januar 2009 werden Spekulationsfrist und Halbeinkünfteverfahren für Privatanleger abgeschafft. Kursgewinne und Dividenden unterliegen ab dann der Abgeltungsteuer. Für Aktien, die vor diesem Stichtag gekauft wurden, bleiben Kursgewinne nach Ablauf von einem Jahr steuerfrei - unabhängig davon, wann sie dann später verkauft werden. Damit stehen sich künftige langfristig orientierte Aktionäre schlechter als heute, weil sie die Abgeltungsteuer auf Kursgewinne auf jeden Fall zahlen müssen.

Bei den Dividenden ist das Bild differenzierter: Zwar müssen Gutverdiener heute nur den halben Spitzensteuersatz plus Soli (22 Prozent) zahlen, und nicht 25 Prozent plus Soli. Sie profitieren aber indirekt davon, dass die Kapitalgesellschaften nach der Unternehmensteuerreform 2008 nur noch knapp 30 statt 40 Prozent Steuern zahlen müssen. Wie weit dieser Effekt den Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens kompensiert, hängt davon ab, wie stark die Unternehmen den Steuervorteil an ihre Aktionäre durchreichen: Bei einer Vollausschüttung des Gewinns ist das neue System immer günstiger als das alte. Bei der üblichen Ausschüttungsquote von 33 Prozent stellt sich der Aktionär geringfügig schlechter als heute. Deshalb kritisieren Anlegerverbände die Abgeltungsteuer und verlangen, Dividenden nicht zu 100 Prozent, sondern nur zu 70 oder besser noch 60 Prozent zu besteuern.

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