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11.06.2013

18:09 Uhr

Untersuchungsausschuss

Mollath rechnet mit Justiz und Psychiatrie ab

Er sollte lediglich auf ein paar gezielte Fragen antworten - Gustl Mollath nutzt seinen Auftritt vor dem Landtags-Untersuchungsausschuss in München aber für eine Generalabrechnung. Und er überrascht mit einem Hinweis.

Gustl Mollath vor seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag. dpa

Gustl Mollath vor seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag.

MünchenDer seit sieben Jahren gegen seinen Willen in der Psychiatrie festgehaltene Gustl Mollath hat seinen Auftritt vor dem Landtags-Untersuchungsausschuss für eine Generalabrechnung mit Justiz, Steuerbehörden und der Psychiatrie genutzt.

Weder Steuerfahnder noch Staatsanwälte hätten damals auf seine schlüssigen Hinweise auf Schwarzgeldgeschäfte der Hypo-Vereinsbank reagiert, beklagte er am Dienstag in München. „Auf meine Schreiben hin, hat niemand mit mir Kontakt aufgenommen.“ Zugleich prangerte er die seiner Ansicht nach unerträgliche Unterbringungssituation im psychiatrischen Krankenhaus in Bayreuth an.

Der gefasst und diszipliniert wirkende 56-jährige Nürnberger berichtete etwa von wiederholten nächtlichen „Stuben-Kontrollen“ des Klinikpersonals. Der mehrfach in der Nacht auf ihn gerichtete Taschenlampenstrahl wecke ihn stets. „Ich leide dadurch massiv unter Schlafmangel.“ Er habe dort Dinge erlebt, die er seinem ärgsten Feind nicht wünsche, unterstrich er vor den Ausschussmitgliedern.

„Sollte ich lebenslang in Sicherungsverwahrung bleiben müssen, wünsche ich mir eine Unterbringung in einem ordentlichen Gefängnis“, sagte Mollath. Die Bedingungen seien dort sicherlich erträglicher als in der geschlossenen psychiatrischen Klinik.

An die anwesenden Landespolitiker appellierte er, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Der Freistaat Bayern könnte damit zugleich erhebliche Kosten sparen: „Die Unterbringung in einem normalen Gefängnis wäre etwa nur halb so teuer wie in der Psychiatrie.“ Derzeit koste seine Unterbringung in der Psychiatrie rund 100.000 Euro im Jahr.

Kommentare (53)

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11.06.2013, 18:44 Uhr

Man muss dazu wissen, dass es in Bayern nicht nur einen Fall Mollath gibt. Es ist ein Fall Dr. Merck. Demnächst wird ein zweiter Fall in den Medien sein, der sich etwa gegen ein Dutzend bayerischer (Spitzen-)Juristen und einen psychologoischen Gutachter richtet. In diesem Fall sind die Richter liebend gerne auf einen komplett unfähigen Psychologen hereingefallen. Das OLG war nicht einmal in der Lage nach Symptomen einer diagnostizierten Erkrankung zu fragen, geschweige denn die Leitlinien zur Erstellung psychologischer Gutachten anzuwenden. Im Ergebnis sieht es so aus, dass einem an einem Testosteronmangel-Syndrom Erkrankten das Sorgerecht und das Umgangsrecht entzogen wurden. Dabei wurden zu diesem Zweck auch Kindesmisshandlungen systematisch jahrelang von Gerichten und Jugendamt vertuscht. Federführend hierbei waren auch noch zwei Bürgermeister. Zur Kommunalwahl im nächsten Jahr werden Seehofer und Merck deswegen den Hut nehmen. Für Bayern ist der Fall Mollath völlig normales Tagesgeschäft!

HaigerBurbach

11.06.2013, 19:27 Uhr

"Mollath überraschte mit dem Hinweis, er habe weiteres belastendes Material in Frankreich und der Schweiz deponiert."

Der arme Kerl wird schwer aufpassen müssen, nicht aus dem Fenster "zu fallen" oder einen anderen "Unfall" zu haben.

kokolores

11.06.2013, 19:30 Uhr

"Grund für die Trennung seien vielmehr wiederholte Gewaltausbrüche gewesen."

Und da nach ihren Aussagen so schon vor der Eheschliessung, muß "die Gute" auf sowas wohl stehen ...


des weiteren:
"Die erste fachärztliche Stellungnahme zu Mollaths psychischem Zustand sei alleine aufgrund der Angaben der Ehefrau entstanden, ohne dass die Ärztin Gabriele Krach, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum am Europakanal, je Mollath getroffen habe."

... und Zack - war er weg.
Ist das normal?
Insbesondere dann, wenn die Psychiater, die mit Mollath pers. Kontakt hatten, ihn ganz anders beurteilen?


"Die Süddeutsche Zeitung berichtete, Mollath sei zwischen April und Oktober 2006 unter Betreuung gestellt worden. Das Haus seiner Eltern sei im Dezember 2007 für 226.000 Euro unter Wert zwangsversteigert worden. Ersteigert worden sei es von Mollaths geschiedener Frau."

http://de.wikipedia.org/wiki/Gustl_Mollath


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