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07.01.2014

12:29 Uhr

Untersuchungsbericht vorgelegt

Das große Versagen bei der Elbphilharmonie

Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie ist ein Desaster. Eine unfertige Planung und überforderte Politiker haben die Kosten explodieren lassen. Ein Untersuchungsbericht nennt nun die Schuldigen für das Chaos beim Namen.

Elbphilharmonie in Hamburg: Im Sommer 2017 soll der Konzertsaal endlich eröffnen. dpa

Elbphilharmonie in Hamburg: Im Sommer 2017 soll der Konzertsaal endlich eröffnen.

HamburgAm Freitag war Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler bester Dinge. Nach jahrlangem Hickhack, so verkündete sie im Namen des Senats, sei der Bau der Elbphilharmonie endlich auf gutem Weg. „Die Fortschritte auf der Baustelle und die gute Zusammenarbeit der Projektbeteiligten zeigen, dass die Neuordnung funktioniert“, sagte sie, als auf der Baustelle die Montage der „Weißen Haut“, der Innenverkleidung des großen Konzertsaales, begann.

Doch die gute Stimmung rund um das Hamburger Millionenprojekt hielt nur kurz. Denn nun liegt der Abschlussbericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses vor, der die Verfehlungen rund um den Bau der Elbphilharmonie aufzählt und die Schuldigen für das Baudesaster beim Namen nennt.

Kultursenatorin Barbara Kisseler unter der „Weißen Haut“. dpa

Kultursenatorin Barbara Kisseler unter der „Weißen Haut“.

Der Preis für das Konzerthaus, das 77 Millionen Euro kosten sollte, ist mittlerweile auf das Zehnfache geschnellt. Nach einem jahrelangen Streit um Kostensteigerungen und Bauverzögerungen ruhten die Arbeiten auf Deutschlands teuerster Kulturbaustelle für eineinhalb Jahre.

Der Bericht, aus dem „Spiegel Online“ und „Bild.de“ zitieren, nennt nun mehrere Gründe für das Desaster: Eine überforderte Projektkoordination, eine überhastete Ausschreibung, ein chaotisches Nebeneinander von Bauunternehmer und Architekt auf der Baustelle.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Insgesamt 724 Seiten umfasst der Untersuchungsbericht. Einer der Schuldigen, der in dem Dokument genannt wird, ist der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Ihm wird „ eine konkrete Verantwortung für die Fehlentwicklungen“ attestiert, da er auf der Baustelle vieles laufen ließ und sich nicht für die Details interessiert haben soll.

Außerdem machte er Hartmut Wegener zum Projektkoordinator, dem einst zwar den Airbus-Ausbau erfolgreich gemanagt hatte, auf der Elbphilharmonie-Baustelle aber nicht zurecht gekommen war. Aufgetreten sei er laut Bericht „ohne entsprechendes eigenes Fachwissen“ und durch ein „ungebrochen selbstbewusstes Auftreten“.

Kommentare (20)

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@Inoxis63

07.01.2014, 13:28 Uhr

Was für eine Volksverarschung.

Konsequenzen für die Steuerzahler: Heftig!

Konsequenzen für die Verursacher: Null!

Das nimmt irgendwann noch ein böses Ende.

Mazi

07.01.2014, 13:35 Uhr

"Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie ist ein Desaster. Eine unfertige Planung und überforderte Politiker haben die Kosten explodieren lassen. Ein Untersuchungsbericht nennt nun die Schuldigen für das Chaos beim Namen."

Was neu ist an diesem Bericht ist, ist, dass es hier um die Hamburger Elbphilharmonie geht.

Wir brauchen in dallen Bereichen eine Haftung der Verantwortlichen, um die unfähigen "Verantwortlichen" aus ihren Ämtern zu drängen. Das fängt im Norden an, geht bis in den Süden und von Ost nach West.

Dem Bürger ist die Last der Verantwortungslosigkeit der Politiker nicht mehr zumutbar.

Auf welches Zeichen wird eigentlich gewartet, um endlich aufzuräumen?

Account gelöscht!

07.01.2014, 13:36 Uhr

Die ahnungslosen Deppen in der Politik und Bauaufsicht des hamburger Senats haben sich von den ausgebufften "Gangstern" von HochTief über den Tisch ziehen lassen.

Hochtief wußte zu jedem Zeitpunkt, dass die geschätzten Mittel niemals ausreichen, hat aber sofort nach Auftragserteilung mehr als ein Dutzend firmeneigene Anwälte auf das Vertragswerk angesetzt, um Lücken zu finden, welche die explosionsartigen Kostenerhöhungen ermöglicht haben.

Wer sich mit den großen Baukonzernen einlässt, sollte stets auf der Hut sein, was nicht nur das Projekt Elbphilharmonie beweist.

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