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20.01.2011

15:01 Uhr

Unwissenschaftliche Tabubrüche

Forscher-Team zerpflückt Sarrazins Thesen

Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin ist ein Verkaufsschlager. Berliner Sozialwissenschaftler meinen, der Autor nehme es mit der Wirklichkeit nicht immer ganz genau.

Die Experten meinen, Sarrazin stilisiere sich als Tabubrecher. Quelle: DAPD

Die Experten meinen, Sarrazin stilisiere sich als Tabubrecher.

HB BERLIN. Thilo Sarrazin hat aus Sicht einer Forschungsgruppe der Berliner Humboldt-Universität in seinen provokanten Thesen zur angeblich fehlenden Integrationsfähigkeit muslimischer Zuwanderer wichtige Untersuchungen nicht berücksichtigt. „Er ignoriert einfach Studien, die für Wissenschaftler und Fachleute von zentralem Gewicht sind - das ist doch verwunderlich, wenn man den Anspruch erhebt, wissenschaftlich schreiben zu wollen“, sagte die Politikwissenschaftlerin Naika Foroutan der Nachrichtenagentur dpa.

Das Buch „Deutschland schafft sich ab“ des Ex-Bundesbank- Vorstandes und früheren Berliner SPD-Finanzsenators hält sich seit geraumer Zeit an der Spitze von Bestsellerlisten in Deutschland. Foroutan ist Herausgeberin eines Dossiers, in dem Thesen Sarrazins zu Muslimen in Deutschland auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Die knapp 70 Seiten umfassende Veröffentlichung ist am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität entstanden.

„Sarrazin stilisiert sich als Tabubrecher“, sagte Foroutan. „Wir wollten aber darauf hinweisen, dass in Wissenschaft und Politik, bei den Leuten, die tagtäglich beruflich Integrationsarbeit leisten, die Problemlagen der Integration schon wesentlich länger bekannt sind. Und seit fünf Jahren ist man dabei, Lösungsstrategien zu entwickeln und Missstände langfristig zu beseitigen, und seither ist einiges passiert.“ „Doch Sarrazin nimmt die positive Integrationsdynamik gar nicht wahr und beschreibt teilweise die Vergangenheit“, sagte Foroutan.

„Eine Zeitspanne von fünf Jahren mag vielleicht kurz erscheinen. Aber wenn man sich überlegt, dass es vor fünf Jahren Facebook noch nicht gab, was heute für viele Menschen ein selbstverständliches Kommunikationsinstrument ist, dann wird einem klar, wieviel sich in fünf Jahren doch verändern kann.“

Kommentare (24)

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tyler durden

20.01.2011, 16:55 Uhr

Haha, klar, die "berliner Sozialwissenschaftler" kommen natuerlich ganz interessenfrei und objektiv zu diesem Ergebnis, zufaellig im Gegensatz zu Sarrazin. Und das institut fuer Marxismus sowie der Zentralrat der Moslems und die Prawda auch...Vielleicht noch ein Gutachten von Claudia Roth und Cohn-bendit nachgereicht. "Politikwissenschaftlerin Naika Foroutan ", wenn ich das schon hoer. Die Dame hat wohl einen Migrationshintergrund, aber das beeinflusst ihre Objektivitaet natuerlich ueberhaupt nicht. Und zum Thema Politologie: Sorry, aber das sind wirklich nicht die Leute, die sich sonderlich aus der Deckung wagen sollten. Schon beim Grundkurs "Empirie" und "Statistik 1" kommen da doch schon alle ins Schwitzen. Also die Cleversten der Cleveren zieht es da in dieses Studium nicht gerade hin

Carlos Anton

20.01.2011, 17:04 Uhr

Ach wie amüsant. Diese Politkwissenschaftlerin hat auch schon in einigen Talkshows versucht, die Faktenbasis von Sarrazin in Zweifel zu ziehen, und ist erbärmlich gescheitert. Es sollten nun nicht noch mehr Geld und Steuergelder verschwendet werden, um die Statistiken aufzuhübschen. Die Lebenswirklichkeit widerlegt für jeden erkennbar diesen Schwindel. Vielmehr sollte man sich auf die Lösung der Probleme konzentrieren.

k.h.a.

20.01.2011, 17:22 Uhr

ist doch erstaunlich, wer sich so alles an Sarrazin meint abarbeiten zu müssen. Manch einer braucht ein paar Monate, bis ihm auch (irgend-)etwas einfällt, um den Mund aufmachen zu können. Niemand dieser Komiker hat verstanden, daß es um die Wahrnehmung eines Grundrechtes ging, von der Sarrazin ausgeschlossen werden sollte: von bundeskanzlerin, bundesbank- und Staatspräsident.
Um die inhalte ging es nur in dritter Linie. Auf unterster Ebene mag sich der eine oder andere auch darüber noch erregen. Nebbich.

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