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13.09.2012

11:47 Uhr

Urabstimmung

Niedergelassene Ärzte wollen streiken

Mit Praxisschließungen und Warnstreiks wollen die Ärzte gegen das Ergebnis der jüngsten Honorarverhandlungen protestieren. Den Patienten drohen lange Wartezeiten.

Warten bis der Arzt kommt

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Berlin
Patienten müssen sich bundesweit auf lange Wartezeiten beim Arzt einstellen. Mit großer Mehrheit stimmten die 130.000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland bei einer Urabstimmung für Warnstreiks und Praxisschließungen, wie am Donnerstag aus Kreisen der freien Ärzteverbände verlautete. Die Mediziner wollen damit gegen das aus ihrer Sicht zu magere Ergebnis der Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen protestieren. Die Aktionen sollen noch im September starten. Das Ergebnis der Urabstimmung soll am Mittag bekanntgegeben werden.

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Hintergrund ist, dass die Ärzte vor zwei Wochen im Schlichtungsgremium mit ihrer Forderung nach einer Anhebung der Vergütung um 3,5 Milliarden Euro gescheitert waren. Stattdessen verständigten sich die Kassenvertreter gemeinsam mit den unparteiischen Mitgliedern des Gremiums auf ein Plus für 2013 von 270 Millionen Euro. Die Ärzte begründen ihre Forderung nach einer Steigerung um elf Prozent damit, dass es seit 2008 keine Anpassung mehr gegeben habe und ein Ausgleich für die gestiegenen Preise und die Inflation nötig sei.

Ärzte streiten mit Krankenkassen um Honorare

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Allerdings besteht noch eine Chance, die Praxisschließungen zu verhindern: Am Samstag wollen beide Seiten zu neuen Verhandlungen zusammenkommen. Vergangene Woche waren Nachverhandlungen allerdings geplatzt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hatten sich darauf verständigt, sich zunächst auf Vorstandsebene zu treffen.

Seit dieser Woche laufen bereits erste "Nadelstich"-Aktionen gegen die Krankenkassen. Dabei werden von den Medizinern Anfragen nur noch eingeschränkt beantwortet und Bonushefte nicht mehr abgestempelt. Auch verschickten die aufgebrachten Ärzte Tausende "Protest-Faxe" an die Krankenkassen und ihre Verbände und legten so Telefonleitungen lahm.

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Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung hat streikbereite Ärzte ermahnt, Schwerstkranke von Protesten auszunehmen. „Es wäre für uns nicht zu akzeptieren, wenn Schwerstkranke auf einem Anrufbeantworter ihres niedergelassenen Arztes landen“, sagte Vorstand Eugen Brysch am Donnerstag in Berlin. Sterbende und schwerstpflegebedürftige Patienten bräuchten weiterhin eine optimale Schmerztherapie und die Behandlung ihrer Symptome. „Deshalb müssen die Ärzte Patienten der Pflegestufe 2 und 3 oder in der Sterbebegleitung ausdrücklich aus dem Streik heraushalten.“

An einer Tür zu einer Arztpraxis hängt ein Schild mit der Aufschrift „Die Praxis bleibt geschlossen“. dpa

An einer Tür zu einer Arztpraxis hängt ein Schild mit der Aufschrift „Die Praxis bleibt geschlossen“.

Kommentare (1)

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spacewalker

13.09.2012, 19:40 Uhr

Mit der Ethik vieler Ärzte läßt sich in der Montgomery-Ära fast alles vereinbaren. Einfach schamlos! Sich die Ausbildung von den Kunden (Patienten) finanzieren zu lassen und sie dann häufig fehlerhaft, unzureichend, unverschämt, ausbeuterisch und geldgierig zu behandeln. 70 Millionen Kassenpatienten nehmen dies mehr oder weniger reaktionslos hin.
Wir brauchen nicht nur eine Energiewende, sondern dringender noch eine Medizinwende. Wann nimmt es der Bürger endlich wahr, daß nicht nur Banker, Hoteliers, Anwälte, Steuerberatet zum FDP-Klientel gehören, sondern vor allem die Ärzte. So weit mir bekannt ist, haben nur die Ärztevetreter bei der letzten Bundestagswahl eine Absprache mit der FDP getroffen. Hat der Durchschnittsdeutsche nicht genügend Mumm, um hier eine Wende in Gang zu setzen, oder ist er, was Ärzte betrifft, durch die albernern Serien schon total verblödet?
Keine Angst: Die Ärzte werden nicht in Scharen Deutschland verlassen!! Wenn die Ärzte so weitermachen, bringen sie sich aber schon alleine um ihren gute Ruf; wahrscheinlich ist ihnen aber auch das schon egal. Hauptsache die Kasse stimmt.

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