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17.04.2012

10:25 Uhr

Urteil der Ökonomie

Das Betreuungsgeld - ein Rückschritt

VonNorbert Häring, Dirk Heilmann, Hans Christian Müller-Dröge

Sozialministerin von der Leyen hält das Betreuungsgeld für eine Katastrophe. Es läuft der bisherigen Familienpolitik vollständig zuwider und würde, darin sind sich Ökonomen einig, die Zahl der Erwerbstätigen verringern.

Kinder schauen auf ein Deutschland-Puzzle: Der Ausbau der Kindertagesstätten könnte durch das Betreuungsgeld deutlich verlangsamt werden, meinen Experten. dpa

Kinder schauen auf ein Deutschland-Puzzle: Der Ausbau der Kindertagesstätten könnte durch das Betreuungsgeld deutlich verlangsamt werden, meinen Experten.

Frankfurt, DüsseldorfWenn Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften in einer gemeinsamen Stellungnahme vor einer neuen Sozialleistung warnen, dann ist das ein Indiz dafür, dass sie tatsächlich nicht sinnvoll ist. „Die geplante Einführung eines Betreuungsgeldes ist ein Rückschritt und gefährdet wichtige Ziele der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Familienpolitik“, warnten gestern Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt und DGB-Chef Michael Sommer. Auch die Ökonomenzunft lehnt das Betreuungsgeld geschlossen ab.

Selten ist eine staatliche Maßnahme auf dem Feld der Familienpolitik auf eine solche Widerstandsfront gestoßen – schließlich gelten im kinderarmen Deutschland für gewöhnlich Ausgaben zur Förderung der Kinder per se als gut. Darum gibt der Staat ja auch fast 200 Milliarden Euro im Jahr für die Besserstellung von Ehepartnern und Familien mit Kindern aus.

Das Betreuungsgeld soll laut Regierung ab 2014 jährlich vergleichsweise bescheidene 1,2 Milliarden Euro kosten. Experten rechnen mit mindestens zwei Milliarden Euro und fürchten – wie bei allen flächendeckenden Subventionen – einen weiteren Anstieg in späteren Jahren. Doch am meisten ärgert sie, dass das Geld volkswirtschaftlich deutlich mehr Schaden als Nutzen anrichten würde.

Ein großer Teil der Empfänger würde das Geld einfach einstreichen, ohne sein Verhalten zu verändern, sagt Arbeitsmarktexperte Ronald Bachmann vom Forschungsinstitut RWI in Essen voraus. Der Anreiz, Kinder zu Hause zu lassen, statt sie in die Kindertagesstätte zu schicken, wäre bei einkommensschwachen Familien am größten, für die schon 100 Euro mehr im Monat viel ausmachten. Das seien aber ausgerechnet die Familien, bei denen es die Mütter anschließend besonders schwer hätten, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Ihnen drohten Arbeitslosigkeit und später niedrige Renten.

Kommentare (8)

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zappelfry

17.04.2012, 10:51 Uhr

Fast alle Gegenargumente zum Betreuungsgeld sind richtig.
Aber irgendwie kratz das doch alles nur an der Oberfläche.. die CSU beharrt aus einem bestimmten ideologischen Grund darauf - die Gegenseite(n) aus einem anderen ideologischen Grund.

Es geht hier um Kollektivismus vs Individualismus.
Möchten wir unsere Kinder von klein auf kollektivieren und sozialisieren. Zu Menschen erziehen die Solidarität über alles stellen? Oder unabhängige Individuen die auf Freiheit, Eigenverantwortung und Leistung setzen?

Es gibt für beides gute Argumente und Gegenargumente, ja beide Seiten bedürfen sich sogar einander.

Aber das unsere Medien sich nur mit Oberflächlichkeiten beschäftigen, is wie so oft einfach nur zum schämen.

Account gelöscht!

17.04.2012, 11:00 Uhr

Ich bin auch gegen das Betreuungsgeld, das mal vorweg
Viele Dinge die im Artikel erwähnt werden, teile ich. Vieles aber auch nicht
Der Staat muß aufhören, Frauen nur noch als Arbeitskräfte zu sehen, der Staat muß auch aufhören, Kinder als Ware zu sehen
Wenn es nach einigen ginge, besonders der v. d. Leyen, würde man am liebsten per Gesetz den Arbeitszwang für Frauen einführen. Gab es ja schon mal
Wann begreifen eigentlich alle, dass es meine Sache ist, ob ich die ersten drei Jahre zu Hause bleibe bei meinem Kind und wenn es mit 3 oder 3 1/2 in den Kindergarten geht, halbtas wieder in den Beruf gehe und nachmittags wieder für mein Kind da bin.
Ich habe kein Kind gekriegt, um es sofort in staatliche Obhut zu geben, ich will mein Kind selbst erleben.
Wir haben schon genug seelisch verwahrloste Kinder und Jugendliche genau aus diesen Gründen, weil Mütter nie da waren für ihre Kinder
Aber offensichtlich ist dies ja gewollt um die Kinder in der Staatsbetreuung gleich auf Linie zu bringen.
Fehlt dann nur noch das Absingen von vaterländischen Liedern und Wehrkundeunterricht im letzten Kindergarten-Jahr.
Bischof Mixa hat Recht, der sagte, dann wären Frauen nur noch Gebärmaschinen.
Die Zersötrug der Familien ist angesagt, das was die 68er begonnen hatten, soll vollendet werden
Einfach nur noch ekelhaft
Laßt uns Frauen doch endlich in Ruhe

Account gelöscht!

17.04.2012, 11:58 Uhr

Das Betreuungsgeld ist ein Fehler. Es ist nicht gut für die Kinder und auch nicht für die Mütter, die zuhause bleiben. Die Regierung sollte lieber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern http://www.atkearney361grad.de/2012/02/09/rushhour-des-lebens-8-das-haben-wir-gelernt/

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