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01.07.2013

15:34 Uhr

Uwe Hück

„Ich will Jugendminister werden“

VonBernd Kupilas

Jugendliche müssen mehr gefördert werden, damit sie das Land lenken können, sagt Uwe Hück. Im Interview erklärt der Porsche-Betriebsratsvorsitzende, warum er jetzt in die Politik will - und doch keine Krawatte anzieht.

Er ist für lautstarke Wortmeldungen bekannt, schon als Kind im Heim lernte Uwe Hück frühzeitig, sich durchzusetzen. Der gelernte Autolackierer hat sich hochgearbeitet, bis zum Betriebsratschef der Porsche AG. Der 51-Jährige ist seit 1982 SPD-Mitglied. ap

Er ist für lautstarke Wortmeldungen bekannt, schon als Kind im Heim lernte Uwe Hück frühzeitig, sich durchzusetzen. Der gelernte Autolackierer hat sich hochgearbeitet, bis zum Betriebsratschef der Porsche AG. Der 51-Jährige ist seit 1982 SPD-Mitglied.

Handelsblatt Online: Herr Hück, Sie haben eine beeindruckende Vita, sind ohne Eltern im Heim aufgewachsen und haben sich nach oben geboxt. Bietet Deutschland Aufsteigern genügend Chancen?
Uwe Hück: Ja, wir haben Chancen in Deutschland. Denken Sie an meinen Freund Udo Lindenberg, er ist der Straßenköter von Hamburg, ich bin der Straßenköter von Stuttgart. Oder denken Sie an Ralf Möller, den Bodybuilder und Schauspieler, der war auch Hauptschüler wie ich. Aber ich sage auch: Wir brauchen wieder mehr Vorbilder in Deutschland.

Wie meinen Sie das?
Ich liebe die Solidarität: Wer hat, der gibt. Wir brauchen jene, die es geschafft haben, sei es in der Politik, im Sport, in der Wirtschaft, und die bereit sind, etwas abzugeben. Wenn wir eines Tages dem Petrus begegnen, wird er uns nicht fragen: Was  hast Du gesammelt? Sondern: Was hast Du gegeben?

Was geben Sie den Jugendlichen, mit denen sie arbeiten, mit auf den Weg?
Viele Jugendliche können sich nicht  vorstellen, dass man es zu etwas bringen kann. Ich sage meinen Jugendlichen: Du musst hinfallen, um wieder aufzustehen. Das Scheitern gehört dazu. Das ist meine Philosophie. Versuch mal Fußball zu spielen, und keiner darf fallen. Das Fallen gehört zum Leben dazu. Du wirst auch mal unfair behandelt, der Schiri pfeift Abseits und es war gar keines. Auch das gehört dazu. Ich sage: Mund abputzen und weitermachen.

Bei Porsche haben Sie durchgesetzt, dass 40 Prozent der Lehrstellen an Hauptschüler gehen.
Ja, das machen wir seit elf Jahren und es ist ein Riesenerfolg. Viele der Jugendliche bringen es zu etwas, werden Meister, manche studieren später. Wir haben Diamanten, wir müssen sie nur entstauben . Aber oft behandeln wir sie wie Kieselsteine.

Uwe Hück über...

seine schwierige Jugend im Heim

„Türklinken brauchte ich nicht, durch einen gezielten Tritt aus dem Lauf heraus öffneten sich die Türen viel eindrucksvoller. Das Leben im Heim hatte sehr bald einen schwierigen Menschen aus mir gemacht. Aggression, Sonderschule, schwer erziehbar: Es sah nicht gut für mich aus.“

den Wendepunkt seiner Jugend

„Da gab es diesen Lehrer, dessen Name ich leider vergessen habe. In der Schule hatte dieser Lehrer erkannt, dass es Bereiche in meiner Persönlichkeit gab, die nie gefördert worden waren. Endlich sah ich einen Nutzen in dem, was ich tat. Es lohnte sich zu lernen und ich lernte schnell. Ich begriff zum ersten Mal, dass aus Wissen Macht werden konnte.“

den Beginn seiner Lehre

„Ich war frei, endlich! Ich lernte das Gefühl kennen, gebraucht zu werden. Mein Selbstwertgefühl, das im Heim fast zerstört worden war, wurde durch die tägliche Arbeit stärker. Maler und Lackierer – ich war stolz auf meinen Beruf.“

die Idole seiner Jugend

„Je älter ich wurde, desto mehr faszinierten mich Winnetou und Robin Hood. Winnetou, dieser edle, für Gerechtigkeit und Frieden kämpfende Indianer. Robin Hood, dieser Ritter aus dem Sherwood Forest, der den Armen gab, was er den Reichen genommen hat. Ich wollte so werden wie sie, wenn ich eines Tages aus dem Heim rauskommen wollte.“

sein Vergangenheit als Thaiboxer

„Das Bild vom Boxer im Ring, alleine auf sich gestellt, passte besser zu mir als das vom Fußballspieler, der die Bälle abgeben und seine Erfolge immer durch elf teilen muss. Ich lernte die Grundtugenden asiatischer Kampfsportarten kennen. Feste Regeln, an die sich jeder bedingungslos zu halten hatte.“

seine erste Bewerbung bei Porsche

„Ich brauchte Geld, wenn die Weltmeisterschaft in Thailand, von der ich nicht nur heimlich träumte, nicht ein ewiges Ziel bleiben sollte. In der Zeitung fand ich eine Annonce: „Lackierer gesucht“ – Porsche und Zuffenhausen standen darunter. Schon sah ich mich in der lukrativen Nachtschicht, ein paar Monate Geld verdienen, dann ab nach Thailand und Weltmeister werden. Mein Bewerbungsschreiben kam aber bald zurück. 'Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Sie für diese Tätigkeit nicht ausreichend qualifiziert sind.'“

seinen Einstieg bei Porsche

„Ich schaffte es irgendwie zu dem Absender meiner Absage durchgestellt zu werden. „Wie kommen Sie dazu, aus der Ferne zu beurteilen, dass ich nicht qualifiziert genug bin für diesen Job? Schreiben Sie doch, dass Sie keinen Platz haben oder dass Sie keine Kinder aus dem Heim gebrauchen können! Schreiben Sie irgendwas, aber nicht, dass es mir an Qualifikation fehlt!“ Vom 1. April 1985 war ich Porscheaner. Ich kam in die Nachtschicht, wie ich es gewünscht hatte.“

seine Wahl zum Vertrauensmann

„Wir fanden drei Kandidaten und ich denke gerne an das Ergebnis zurück: Meine Kolleginnen und Kollegen in der Lackiererei schenkten mir 90 Prozent ihrer Stimmen! Ich war jetzt 25 Jahre alt, mein Kampf um die Weltmeisterschaft geriet weiter in den Hintergrund, denn ich fühlte immer deutlicher, dass ich hier gebraucht wurde.“

seinen Karrierebeginn als Gewerkschafter

„Ich war Lackierer und konnte reden, notfalls auch schreien, aber würde das ausreichen, um mit Vorständen an einem Tisch zu verhandeln? Das Eis war dünn, aber ich wagte mich darauf, auch auf die Gefahr hin, auszurutschen oder gar einzubrechen. Mit der Erfahrung meines Sportlerlebens redete ich mir ein, dass es nichts anderes sei als der nächste Kampf.“

die Unternehmenskultur bei Porsche

„Wir können heute auf eine ausgeprägte soziale Kultur in unserem Konzern blicken. Die aber konnte sich nur entwickeln, weil den Arbeitgebern eine sehr selbstbewusste Belegschaft gegenüber stand, bis heute. Schon der kleinste Versuch der Vorstände, an diesen sozialen Errungenschaften zu rütteln, würde unweigerlich in einer Zuffenhausener Revolution enden.“

Was muss die Politik da tun?
Sie muss ehrlicher werden. Sie lügt sich bei diesen Bildungsthemen etwas vor. Alle wollen nur noch Akademiker werden. Aber wenn sie in einer Autofabrik nur noch Entwickler haben - wer baut denn dann die Autos? Sie brauchen auch Leute, die mit Begeisterung die Straße fegen. Oder mit Begeisterung in der Küche arbeiten. Ich kann die doch nicht schlecht reden.

Jetzt sagen die Arbeitgeber: Ihr dürft einfache Arbeiten nicht zu teuer machen.
Die Frage ist doch nicht, wie hoch der Lohn ist. Die Frage ist, wann verdient ein Unternehmen Geld? Wenn ein Mitarbeiter 3.000 Euro verdient und erst nach dem 20. Tag im Monat für die Firma arbeitet, dann sind die 3.000 Euro zu viel. Wenn ein Mitarbeiter 6.000 Euro verdient, und er arbeitet schon nach dem achten Tag für die Firma, hat also seinen Verdienst schon erwirtschaftet, dann sind die 6.000 Euro gerechtfertigt.

Produktivität ist alles?
Ich bin besessen von Produktivität und Flexibilität. Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass eine Firma Gewinne macht, damit sie das Soziale finanzieren kann.  Der Erfolg von Porsche gibt uns Recht. Wir zahlen eine Prämie von 8.111 Euro, die hat sogar die Küchenfrau bekommen. Das finde ich in Ordnung.

Sie haben den Tarifabschluss der IG Metall in der Metall- und Elektroindustrie kritisiert. 3,4 und 2,2 Prozent in zwei Stufen, das ist doch ein ordentliches Ergebnis. Warum sind Sie unzufrieden?
Mir ging es gar nicht um die Prozente. Es ging um das Einbeziehen der Mitglieder. Jeder der mich kennt, weiß: Uwe ist geradlinig. Ich habe gesagt, ihr geht nicht ehrlich mit den Zahlen um. Wenn ich vor dem Abschluss erkläre, das Angebot der Arbeitgeber über 2,3 Prozent sind in Wirklichkeit nur 1,9 Prozent, weil die zwei Nullmonate anbieten, dann muss  ich hinterher auch sagen: Wir haben nicht 3,4 Prozent geholt, das sind weniger, da sind zwei Nullmonate drin.

Kommentare (18)

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goldamy06

01.07.2013, 15:53 Uhr

"Und ich würde keine Krawatte tragen, auch nicht als Minister. Das ist mein Markenzeichen, damit zeige ich meine Verbundenheit mit den arbeitenden Menschen"

Sehr geehrter Herr Hück,

ich schätze Sie sehr, habe eine Frage:

Ihr Porsche 911 für 150.000 € den Sie fahren, ist das auch ein Zeichen Ihrer Verbundenheit mit den (einfachen) arbeiteten Menschen?

Numismatiker

01.07.2013, 16:26 Uhr

„Ich will Jugendminister werden“

Und wieder wird ein vollkommen nutzloses Ministeramt erfunden, damit sich jemand Steuergelder in die eigene Tasche stopfen kann und ein goldenes Alter genießen kann.

Am besten man erfindet gleich noch ein Ministerium für umfallende Reissäcke, eins für Komposthaufen auf dem Mars, eins für viel Wind um nichts und eins für transzendente Weltbetrachtung im Allgemeinen.

Account gelöscht!

01.07.2013, 17:12 Uhr

Der sollte lieber ins Dschungelcamp gehen, da passt er besser hin.

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