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15.04.2016

14:31 Uhr

Uwe Hück plant neue Karriere

Porsches Betriebsratschef will an die SPD-Spitze

VonMartin-W. Buchenau

Was SPD-Politiker Nils Schmid fehlt, bringt Uwe Hück mit: Charisma, Temperament und Wärme. Nach der Niederlage bei der Landtagswahl bringt sich der Porsche-Betriebsratschef bei der SPD nun selbst ins Gespräch.

Der Betriebsratschef holt für seine Beschäftigten häufig viel heraus. Aber was für Porsche gilt, ist nicht so einfach auf die Politik zu übertragen. dpa

Uwe Hück

Der Betriebsratschef holt für seine Beschäftigten häufig viel heraus. Aber was für Porsche gilt, ist nicht so einfach auf die Politik zu übertragen.

StuttgartUwe Hück ist immer für eine Überraschung gut. Es passt zu ihm, dass er schon mal ungefragt vorprescht und sich in der Politik ins Gespräch bringt. Es ist ja auch nicht das erste Mal. Diesmal ist zumindest das Timing nicht schlecht.

An diesem Samstag kommt die Landes-SPD in Fellbach zusammen, um die herbe Niederlage bei der Landtagswahl aufzuarbeiten. Die SPD stürzte im März bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg auf historisch niedrige 12,7 Prozent ab und kam nur auf den vierten Platz hinter der AfD.

Uwe Hück – Vom Lackierer zum Millionär

Herkunft

Uwe Hück wurde am 22. Mai 1962 als eines von fünf Geschwistern in Stuttgart geboren. Nachdem er früh seine Eltern verloren hatte, wuchs er in verschiedenen Kinderheimen auf. Sein älterer Bruder nahm sich 1990 das Leben.

Ausbildung

Nachdem er zeitweise eine Sonderschule besuchen musste, machte Hück schließlich seinen Hauptschulabschluss ("Dort erkannte endlich ein Lehrer, dass ich gar nicht dumm bin", Focus, 26/2008). Mit 15 Jahren verließ er sein Heim und absolvierte von 1977 bis 1981 eine Lehre als Maler und Lackierer.

1982 bis 1987

Nach seiner Karriere als professioneller Thaiboxer heuerte Hück 1985 bei Porsche als Lackierer an. Drei Jahre zuvor trat er in die SPD ein und machte als streitbarer Vertreter bald auf sich aufmerksam. 1987 wurde er Vertrauensmann in der IG Metall.

1990 bis 2002

1990 rückte er in den Betriebsrat. Seit 1994 für diese Arbeit freigestellt, übernahm er 1997 den Vorsitz des Betriebsrats der Standorte Zuffenhausen und Ludwigsburg, bevor er 2002 zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats gewählt wurde.

2005

2005 handelte Uwe Hück einen Standortsicherungsvertrag der Porsche-Betriebe in Deutschland bis zum Jahr 2010 aus. Dieser sah eine Stellengarantie vor sowie Investitionen von gut 600 Millionen Euro.

Juli 2010

Nach schwierigen Verhandlungen erkämpfte der im März 2010 für weitere vier Jahre als Porsche-Betriebsratschef gewählte Hück dann im Juli 2010 eine weitere Jobgarantie für 8.600 Porsche-Beschäftigte bis 2015. Mit der Aushandlung der fünfjährigen Standortsicherung habe man nach seinen eigenen Worten "einen intergalaktischen Erfolg erzielt" und "die höchsten Investitionen in der Porsche-Geschichte festgeschrieben".

August 2010

2010 übernahm Hück bei der Porsche AG den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz. Nachdem er sich monatelang für das Stammwerk Zuffenhausen als Produktionsstandort des neuen Hybrid-Sportwagens "918 Spyder" eingesetzt hatte, bekam der Stammsitz vom Porsche-Aufsichtsrat Ende Juli 2010 schließlich den Zuschlag für den Bau des innovativen Drei-Liter-Wagens.

Oktober 2010

Im Vorfeld der Verhandlungen hatte Hück auf eine Beschleunigung der geplanten Ablösung des Wiedeking-Nachfolgers Michael Macht durch den designierten neuen Porsche-Chef Matthias Müller gedrängt, der bei den Gesprächen über die Standortsicherung auch schon mit am Tisch saß und nun bereits zum 1. Okt. 2010 seinen Dienst in Zuffenhausen antrat. "Arbeiterführer Hück blockiert den Konzern nicht, behält aber seinen Querkopf und zwingt Wolfsburg zu Zugeständnissen", wertete das Handelsblatt (22.7.2010) diesen Vorgang.

Trotz der Schmach wurde die Arbeit des scheidenden Wirtschaftsministers Nils Schmid zwar von vielen Seiten anerkannt. Was dem Arbeitstier und Sach-Politiker an der Parteispitze fehlt, ist aber Charisma, Ausstrahlung und Wärme. „Ich schätze Nils Schmid über alles, er ist ein genialer Arbeiter, der aber kein guter Darsteller ist. Er braucht einen neben sich, der übersetzen kann“, analysiert Hück in eigener Sache.

Bislang sieht die Satzung der Landes-SPD keine Doppelspitze vor. Uwe Hück wäre aber die absolute Ergänzung zu Schmid in einer SPD-Doppelspitze. Volkstribun Hück, gestählt durch Arbeitskämpfe, Übernahmen und seinen Sport als zweimaliger Europameister im Thaiboxen, verfügt über Temperament, Durchsetzungskraft und mitunter auch Wortwitz.

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Der 53-Jährige, der sich vom Heimkind bis zum Betriebsratschef von Porsche, hochgekämpft hat, spricht meist mit einfachen Worten, häufig plakativ, dafür einprägsam. „Das Trikot schwitzt nicht von alleine“ oder wie jetzt „Wir brauchen keinen Eintopf, sondern wir müssen ein Menü vorstellen, das jedem schmeckt.“ Das schafft Nähe, Wärme, auch wenn nicht immer gleich klar ist, was konkret gemeint ist.

Eines wäre in jedem Fall sicher: Die SPD würde mit Hück im Ländle auch in der Opposition zumindest nicht mehr übersehen. Hück ist aber auch nicht nur der Volkstribun. Da wäre er unterschätzt. Er weiß auch ganz geschmeidig in Hinterzimmern zu verhandeln. Was sicher kein leichtes Spiel ist mit Managern wie einst Wendelin Wiedeking oder Matthias Müller. In der Gewerkschaft wird ihm deshalb auch schon mal allzu große Nähe zu den Autobossen nachgesagt.

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