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24.09.2014

16:33 Uhr

Vera Lengsfeld

CDU-Politikerin pflegt Nähe zur AfD

VonDietmar Neuerer

ExklusivFür die Unions-Spitze ist die AfD ein rotes Tuch. Nicht für die Ex-CDU-Abgeordnete Lengsfeld, die die Nähe zu der Partei pflegt. Ihr Berliner Landesverband ist irritiert. Die SPD fordert, Merkel müsse einschreiten.

Die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld: Kritik wegen Nähe zur AfD. dpa

Die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld: Kritik wegen Nähe zur AfD.

BerlinIm Umgang mit der Alternative für Deutschland (AfD) sieht sich die CDU nicht nur mit dem Umstand konfrontiert, dass einige Christdemokraten vom Kurs der Unions-Spitze abweichen und – statt die AfD zu ignorieren – die direkte Auseinandersetzung mit ihr suchen. Im Berliner Landesverband der CDU pflegt gar ein Parteimitlied die Nähe zur AfD.

Konkret geht es um die ehemalige Bundestagsabgeordnete und frühere DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld. Vor anderthalb Jahren wurde sie schon einmal von ihrer Partei dafür gerüffelt, dass sie sich als Unterstützerin der AfD geoutet hat. Daraufhin war Lengsfeld wieder auf Distanz zu der eurokritischen Partei gegangen. Jetzt stellt sich heraus: Lengsfeld ist in verschiedenen Funktionen in das Netzwerk der AfD-Hardlinerin Beatrix von Storch eingebunden.

Lengsfelds Berliner Landesverband reagierte mit Befremden auf ihr Engagement. Für CDU-Generalsekretär Kai Wegner ist nicht nachvollziehbar, dass sich Lengsfeld mit ihrer DDR-Vergangenheit einer Partei andient, deren Vorsitzender Bernd Lucke sich im brandenburgischen Wahlkampf nicht zu schade war, Verständnis für jene zu zeigen, die sagen, die „innere Sicherheit“ sei in der DDR „besser“ gewesen als im Westen.

„Dass ausgerechnet sie als ehemalige Bürgerrechtlerin zur AfD geht, die über Herrn Lucke, die innere Sicherheit in der DDR lobt, irritiert mich sehr“, sagte Wegner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Die AfD sei eine populistische Partei ohne Programm und Kurs. Konsequenzen will Wegner aber nicht ziehen. „Frau Lengsfeld muss selbst verantworten, inwieweit sie hier als Unterstützerin von rückwärtsgewandten Populisten in Erscheinung tritt“, sagte er. „Eines bleibt klar: Für die CDU ist die AfD kein Gesprächspartner.“ Lengsfeld selbst lehnte eine Stellungnahme zu ihrer AfD-Nähe ab.

Netzwerk der AfD-Hardlinerin von Beatrix von Storch

„Freie Welt“ und „Abgordneten-Check.de“

Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch steuern die vielfach als rechts eingestufte Internet- und Blogzeitung FreieWelt.net und das Internetportal www.Abgordneten-Check.de, über die laut Lobbypedia für marktradikal-rechtspopulistische Positionen und eine christlich-konservative Familienpolitik geworben wird. Daher wird die Strömung auch als deutsche Tea-Party bezeichnet.

Quellen: Konrad-Adenauer-Stiftung; FH Düsseldorf; Lobbypedia; Handelsblatt-Recherchen

„Allianz für den Rechtsstaat“

Gründung 1966. Verantwortlich laut der Webseite: Beatrix von Storch. Initiierte die Kampagne der Studenten, die die Rückgabe der in der DDR beschlagnahmten Adelsgüter fordern sowie Aufklärung über den Verfassungsbruch der Regierung Kohl-Schäuble.

„Zivile Koalition“

2004 gegründet. Im Vorstand sitzen Beatrix von Storch und ihr Mann Sven von Storch. Kritiker verweisen auf die „marktfundamentalistischen und erzkonservativen“ Positionen der „Zivilen Koalition“ und sprechen von einer „deutschen Tea-Party-Bewegung“.

„Institut für Strategische Studien“

Öffentlich bemerkbar macht sich die „Zivile Koalition“ vor allem als Netzwerk verschiedener Initiativen, die sie von ihrem Sitz in Berlin aus betreibt; Berichten zufolge mit insgesamt 14 Angestellten. Bedeutsam sind hierbei das Institut für Strategische Studien Berlin (ISSB), welches von Beatrix' Ehemann Sven von Storch geleitet wird, sowie „Die Freie Welt“.

„BürgerKonvent“

Gründung 2003. Vorstand: Beatrix von Storch, Vera Lengsfeld, Klaus Peter Krause. Setzt sich als „Apo von rechts“ ein für die Rückführung des Staates auf Kernkompetenzen und den Abbau von Sozialleistungen zugunsten privater Vorsorge. Auf Politiker soll Druck in diese Richtung ausgeübt werden. Eingekaufte und professionelle Kampagnenpolitik, der so „von oben“ zum Protest aufruft. Die Strukturen sind intransparent und nicht demokratisch.

„Bürgerrecht Direkte Demokratie“

Verantwortlich laut der Webseite: Sven von Storch. Sprecherin: Vera Lengsfeld. Die Initiative „Bürgerrecht Direkte Demokratie“ ist eine Gemeinschaftsaktion von Lengsfeld und der der „Zivilen Koalition“ und startete im Januar 2013. Nach eigenen Angaben setzt sich die Initiative für die unmittelbare Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen ein.

„Familienschutz.de“

Die Initiative Familienschutz ist nach eigenen Angaben Teil einer organisierten bürgerlichen Basisbewegung der „Zivilen Koalition“. Eine zentrale Forderung an die Familienpolitik ist, dass die Ehe zwischen Mann und Frau Vorrang vor anderen Lebensgemeinschaften haben soll. Die Sprecherin der Initiative, Hedwig Freifrau von Beverfoerde, Initiatorin der Aktion „Staatliche Sexualisierung der Kindheit – Schützt uns davor!“, bemängelte einst in der „Freien Welt“, dass im Sexualkundeunterricht für sexuelle Selbstbestimmung geworben wird und nicht für sexuelle Enthaltsamkeit.

Mit der AfD-Europaabgeordneten von Storch sitzt Lengsfeld im Vorstand des Bürgerkonvents, der in Anlehnung an Bürgerinitiativen versucht, über Kampagnen und lokale Organisationen wirtschaftsliberale Positionen populär zu machen. 

Zudem listet die Bürgerrechtsbewegung „Initiative Bürgerrecht Direkte Demokratie“, die sich nach eigenen Angaben für die unmittelbare Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen einsetzt, Lengsfeld als Unterstützerin. Verantwortet werden die Aktivitäten der Initiative von Sven von Storch, dem Ehemann Beatrix von Storchs.

Die Bürgerrechtsbewegung wird auch als Initiative der „Zivilen Koalition“ ausgegeben. Diese ist 2004 unter maßgeblicher Beteiligung von Beatrix von Storch gegründet worden.  Kritiker verweisen auf die „marktfundamentalistischen und erzkonservativen“ Positionen der „Zivilen Koalition“ und sprechen von einer „deutschen Tea-Party-Bewegung“. 

Kommentare (26)

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Herr C. Falk

24.09.2014, 15:13 Uhr

Tja, was machen mit einer Frau wie Lengsfeld, die offenbar noch selbständig denkt?

Am besten exkomunizieren, auf´s Rad spannen und verbrennen.

Die SPD hat übigens mit Thilo Sarrazin das gleiche Problem, der auch schon auf AfD-Veranstaltungen gesichtet wurde.

Der Sarrazin, dem Gabriel kürzlich anlässig seiner 40-jährigen SPD-Mitgliedsschaft eine Ehrenurkunde mit eigenhändiger Unterschrift zukommnen ließ.

Von Herrn Stegner zu diesem "Skandal" kein Sterbenswort

G. Nampf

24.09.2014, 15:14 Uhr

"„Dass ausgerechnet sie als ehemalige Bürgerrechtlerin zur AfD geht, ..."

Warum "ausgerechnet" ? Alle anderen Parteien treten die Bürgerrechte ungeniert mit Füßen.

G. Nampf

24.09.2014, 15:18 Uhr

"Parteivize Ralf Stegner sieht die CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel in der Pflicht einzuschreiten."


Wie niedlich, die SPD schreit aus lauter Verzweiflung nach Muttis Machtwort, weil sie selbst den Bürgern nichts mehr zu bieten hat. Wer nochmal genau braucht die SPD?

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