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02.09.2013

12:54 Uhr

Veranstaltung in Berlin

AfD verärgert mit „Duell“-Fake eigene Anhänger

VonDietmar Neuerer

Um Aufmerksamkeit zu erzeugen, greift die Anti-Euro-Partei zu seltsamen Mitteln. Sie kündigt ein Duell ihres Berliner Spitzenkandidaten mit Merkel an. Einige AfD-Anhänger glaubten den Fake und sind nun mächtig verstimmt.

Stein des Anstoßes: Das "Fake"-Plakat mit Kanzlerin Angela Merkel und AfD-Spitzenpolitiker Joachim Starbatty (HB-Screenshot).

Stein des Anstoßes: Das "Fake"-Plakat mit Kanzlerin Angela Merkel und AfD-Spitzenpolitiker Joachim Starbatty (HB-Screenshot).

BerlinDer Bundestagswahlkampf treibt seltsame Blüten. Ausgerechnet die Euro-Gegner von der Alternative für Deutschland (AfD), die stets für sich in Anspruch nehmen, in europolitischen Fragen alles besser zu wissen und die einzig richtigen Handlungskonzepte zu haben, vergaloppieren sich mit einer Euro-Wahlveranstaltung. Vollmundig kündigte der Berliner Landesverband ein öffentliches „Duell“ zwischen ihrem Spitzenkandidaten Joachim Starbatty und Kanzlerin Angela Merkel an.

Stattfinden sollte der Schlagabtausch am Mittwochabend im Abba Hotel Berlin. Ein echter Coup, könnte man meinen, denn AfD-Mitinitiator Starbatty wäre ein interessanter Gesprächspartner für Merkel gewesen. Der Tübinger Ökonom ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der AfD und hatte schon 1998 in Karlsruhe erfolglos gegen die Euro-Einführung geklagt. Doch das Ganze war gar nicht ernst gemeint, sondern sollte lediglich zusätzliche Aufmerksamkeit bringen. Das ist nun auch geschehen, allerdings nicht so, wie sich die AfD das gewünscht hätte.

Denn nun sind die eigenen Anhänger, insbesondere solche, die dem Fake aufgesessen sind, mächtig verärgert. Und zwar so verärgert, dass sich der Landesverband genötigt sah, via Facebook eine Entschuldigung zu posten: „Wir haben tatsächlich nicht gedacht, dass für die Veranstaltung "Das Duell" extra Flüge gebucht werden. Das tut uns sehr leid“, schreibt der Verband. „Als Partei, die vor allem damit zu kämpfen hat, Aufmerksamkeit zu bekommen, hielten wir die Art der Aufmachung für einen legitimen Versuch eben diese zu erreichen.“

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Gleichzeitig solle durch die offensive Bewerbung dieser Aktion auch die „Absurdität“ offen gelegt werden, dass Merkel sich außer dem TV-Duell mit ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück keiner Diskussion stelle. „Wie schön wäre es gewesen, wenn sie die Veranstaltung extra öffentlich dementiert hätte.“ Die Veranstaltung werde aber „kein Klamauk sein und ein Duell tatsächlich stattfinden“. Doch das Kind war damit schon in den Brunnen gefallen. Entsprechend hart reagierten einige AfD-Anhänger.

Kommentare (76)

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Anleihenspezialist

02.09.2013, 13:14 Uhr

„Ich finde das eine schöne Idee und sorry wer glaubt Merkel tritt live gegen Starbatty an, das ist schon (etwas) naiv“... und HB springt auf den Zug auf.

Wie wäre es liebes HB, wenn Ihr Euren Lesern mal das VAG und §89 erklärt. Bei Merkel und Steinbrück sind doch seit 2009 alle Sparguthaben sicher. Wo doch gestern von beiden wieder bestätigt.

Account gelöscht!

02.09.2013, 13:17 Uhr

Also ich habe nirgens was gefunden.Wo steht das über das Duell?

LUECK

02.09.2013, 13:19 Uhr

Lucke und seine Marionetten lassen nichts aus, um in die Presse zu kommen und die fällt auch noch auf solche Tricks rein. Der Spiegel recherchiert gründlicher und deckt das wahre Gesicht der AfD auf. Es gibt mehr Rechtspopulisten in dieser Partei als allgemein angenommen. Das Schlimme daran ist, dass das offenbar von Anfang an gewollt war.(...) Der in diesem Artikel geschilderte Vorgang ist eigentlich nicht erwähnenswert. Ich frage mich, warum das Handelblatt über Nebensächlichkeiten so ausführlich und umfangreich berichtet. Warum decken Sie nicht das wahre Innenleben der Partei auf. Gehen Sie doch einmal in die Foren!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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